Schleimige Angelegenheiten

Wer schwanger werden möchte, sollte seinen Körper gut kennen. Wer unbedingt nicht schwanger werden will und nicht mit Hormonen verhüten möchte übrigens auch. Die hier vorgestellte Methode nennt sich NFP(Natürliche Familien Planung) oder symptothermale Methode und eignet sich sehr gut auch zur Verhütung. Sie hat, richtig angewendet, einen ähnlichen Pearl-Index(0,4-2,2) wie die Pille, braucht zwar ein bisschen Übung, erspart uns aber die Hormone, die gerade unter Verdacht geraten, doch nicht das sichere Allheilmittel zu sein, als das sie uns jahrelang verkauft wurden.

Wenn man sich künstlich befruchten lässt, wird meistens mit Clomifen(Substanz aus der Gruppe der selektiven Estrogenrezeptormodulatoren) ein Eisprung ausgelöst. Das möchte ich irgendwie verhindern, es klingt schon grauenhaft und ungesund, daher dachte ich, beschäftige ich mich doch mal frühzeitig mit dem Thema. Gesagt sein sollte noch, dass Clomifen ein wunderbares Mittel für Frauen ist, die keinen natürlichen Eisprung haben, aber doch gerne ein Kind hätten. Erstmal möchte ich es aber lieber doch natürlich probieren und habe mich daher schlau gemacht.

Spannend, sag ich euch. Zwar wusste ich aus dem Biounterricht irgendwie, wie das so funktioniert mit den Bienchen und Blümchen, aber Details waren mir unbekannt. Wenn man sich intensiver damit beschäftigt, findet man raus, eine Frau kann nur ungefähr 6 Tage im Monat überhaupt schwanger werden, das Ei ist nach dem Eisprung nur 6-48 Stunden befruchtbar, Spermien sterben in unserem sauren Milieu wie die Fliegen, Schleim hindert sie am durchkommen-dass überhaupt jemals eine Frau schwanger geworden ist, wundert mich zusehends.

Zurück zu NFP. Da die Methode Temperatur und Zervixschleimbeobachtung kombiniert, ist sie wirklich ziemlich sicher. Hier kann man sich genauestens informieren, hier findet man eine schöne Meinung zu der Sache.

Kurz zusammengefasst funktioniert das so. Jeden Morgen nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen wird die Baseltemperatur gemessen. Während der Menstruation ist sie konstant, in der ersten Zyklushälfte niedriger als nach dem Eisprung. Vor dem Eisprung entsteht ein Dip, die Temperatur geht runter, um dann nach erfolgtem Eisprung in die Höhe zu schiessen, um mindestens 0,2-0,5 Grad. Ist man schwanger, bleibt die Temperatur mindestens 18 Tage erhöht, kommt die Periode, fällt mit deren Beginn auch die Temperatur wieder. Schön zu sehen im Bild oben, auch die Ausreisser, die einen erstmal verwirren. Dazu werden jeden Tag der Zervixschleim und die Position des Muttermundes beurteilt. Bisschen gewöhnungsbedürftig, das Abtasten des Muttermundes. Beim ersten Mal denkt man: ich merke nichts, offen-geschlossen, hart-weich, hoch-tief, wer soll das schon erkennen? Macht man das mal einen Monat lang jeden Tag, dann merkt man die Veränderungen und kann irgendwann sehr genau sagen, wie Lage da unten aussieht. 3 Monate sollte man üben, dann ist man Profi und kennt sich selber gut genug. Der Schleim ist einfacher, es gibt verschiedene Kategorien. Wichtig ist der spinnbare Schleim, der entsteht während des Eisprungs und wer wie ich schwanger werden will, sucht fieberhaft nach den eiweissartigen Fäden, die Spermien optimal in die Gebärmutter leiten sollen. Wer lieber kinderlos bleiben möchte, findet den cremigen, kleberartigen Schleim am besten, der den Muttermund als saurer Bewacher verschliesst und Spermien den Garaus macht.

Früher musste man dazu zeichnerisch begabt sein, heute reicht es aus, wenn man weiss wo der App Store ist. Ich benutze jetzt seit ungefähr 6 Monaten diese App, da sie nicht nur Temperatur und Zervixschleim berücksichtigt, sondern man auch Symptome, Stimmungen und Wehwehchen eintragen kann, die ein ganz gutes Gesamtbild ergeben. Es geht ja auch darum, neu zu lernen, in seinen Körper zu horchen und seine Zeichen zu verstehen.

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Irgendwann ist man dann Besitzerin solcher Charts, die erstmal kryptisch wirken, sich aber wirklich leicht auswerten lassen. Wer wie ich jahrelang durch Hormon auf ein gleichmäßiges Östrogenlevel eingestellt war, wird ganz neue Erkenntnisse gewinnen. Meine Stimmung schwankte mit der Pille nicht so stark wie heute, meine Haut war zwar nur auf dem Papier endlich pickelfrei, ich hatte aber keine Periodenschmerzen, bzw. durch die 3Monatsspritze gar keine Periode, was ich als sehr angenehm empfand. Abgesetzt habe ich die Hormone schon seit Jahren, eben weil ich auch gesundheitliche Bedenken hatte. Das Thromboserisiko steigt, in meinem Beruf wirklich kontraproduktiv, und irgendwie fühlt man sich doch fremdgesteuert.

Praktischerweise berechnen Fertilitätsapps die fruchtbaren Tage und wenn man wirklich gewissenhaft jeden Tag einträgt, was man so gefunden hat, dann ist die Vorhersage auch ziemlich korrekt. Seit es bei mir konkret wird und da ich auch einfach neugierig bin, benutze ich noch eine zweite App, die einen besseren Temperatur Chart bietet. In Kombination kann ich genau sagen wann der Eisprung erfolgt, ich habe es sogar mit Ovulationstest nachgeprüft. Dazu später mehr.

Einfach mal rantrauen, egal ob ein oder kein Kind entstehen soll.

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

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