Warum Wunschkind?

Für mich stellt sich meine Situation folgendermaßen dar. Ich habe einen starken Kinderwunsch, schon seit langem. Die letzten Jahre habe ich also damit verbracht, einen Partner fürs Leben zu finden, der nicht nur Traummann, bester Freund, toller Mitbewohner und was nicht alles noch sein sollte, sondern natürlich auch williger Erzeuger des Kindes, der es kaum erwarten kann, Windeln zu wechseln und nie wieder zu schlafen. Bisschen viele Aufgaben für eine Person alleine, vielleicht liegt auch genau da der Grund warum es nicht geklappt hat. Oder es liegt daran, dass Frauen mit Kinderwunsch Männer nicht geheuer sind. Da muss man sich ja festlegen und so, aber das ist sicherlich ein anderes Thema. Es hat also nicht geklappt mit dem Traummann-bis jetzt. Aber die Natur ist gnadenlos und während Männer bekanntermaßen auch mit 74 oder 120 noch Vater werden können, sind uns Frauen Grenzen gesetzt. Ich muss mich also jetzt entscheiden oder zumindest bald. Möchte ich mich davon abhängig machen, noch rechtzeitig den richtigen Partner zu finden, völlig gestresst auf Dates gehen, immer mit meiner tickenden Uhr in der Hand? Einen Mann auswählen, der gerade gut genug ist?

Genau hier hakt es für mich. Gerade gut genug ist nicht mein Anspruch, weder bei Essen, noch bei Jeans oder lebenswichtigen Entscheidungen und schon gar nicht beim Vater meines Kindes. Das bin ich mir und auch meinem Kind schuldig. Unter diesem Gesichtspunkt fällt für mich auch die Möglichkeit One Night Stand als Beschaffungsmaßnahme aus. Erstaunlicherweise schlagen das ziemlich viele Leute vor, wenn sie von meiner Misere hören. Aber was bedeutet das? Mal abgesehen davon, dass ich den Erzeuger zwar nicht belügen, ihm aber einiges verschweigen müsste,  müsste ich auch  das Kind belügen, zumindest bis es alt genug ist, um darüber reden zu können. Wie würde ich mich denn fühlen, meinem liebsten Schatz sagen zu müssen, ich hätte es wahllos erzeugen lassen. Ich möchte doch bewusst schon von Anfang an das Beste für mein Baby. Kein Designerbaby, darum geht es nicht, aber ich möchte meinem Kind ehrlich eine Wahrheit sagen, die ich auch vertreten kann, nämlich, dass es mein größter Wunsch war, ein Kind zu bekommen und ich, weil ich keinen Papa gefunden habe, einen unkonventionellen Weg gehen musste.

Wenn man einmal den Kinderwunsch von einem Partner losgelöst hat, ist das auch irgendwie eine Befreiung. Einen Partner kann ich auch später noch finden und ich freue mich darauf, aber das Zeitfenster für ein Kind ist nicht für immer offen. Ich denke, das Kind wird das verstehen können und akzeptieren, dass ich zwar nicht alles perfekt hinbekommen habe im Leben, aber ziemlich viel dafür getan habe, es zu bekommen.

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

2 Kommentare zu „Warum Wunschkind?

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