Schicksal und Weißwein

Ich erzähle euch jetzt mal wie ich mir das vorstelle. Mit Kind ohne Beziehung. Dafür aber mit Mann. Mit Papa. Geben wir es zu, Papas sind die Besten und jeder sollte mindestens einen haben. Zu einem Papa kann man aufschauen, er ist lieb und mal streng und man freut sich, wenn er nach Hause kommt und einem einen Aschenbecher aus dem Flugzeug schenkt. Er soll wunderbare Reden auf der eigenen Hochzeit halten und einen zum Altar führen und das erste eigene Auto bezahlen. Und irgendwann soll er auch noch der beste Opa sein. So wie meiner.

Was ich also brauche ist ein Papa. Einen, der Lust darauf hat, sich um sein Kind zu kümmern. Der Kinder gerne mag. Der mit mir zusammen einen wunderbaren kleinen Menschen großziehen möchte. Jemanden, der Kinder nicht als Last oder Einschränkung sieht sondern als Bereicherung. Der Spaß am Windelwechseln hat. Okay, keiner wechselt gerne Windeln. Wer einmal ein Kind hochgehoben hat, das sich bis ins Genick eingeschissen hat… Aber ich schweife ab.

Es muss doch sowas geben, Männer, die auch gerne eine Familie hätten. Bei denen es mit der Beziehung auch noch nicht geklappt hat, die aber vielleicht ohne Sauerstoffzelt mit ihrem 10 Jährigem Fußball spielen möchten, sprich nicht erst mit Mitte 60 draufkommen. Das muss doch zu finden sein. Jemand, mit dem man gut befreundet ist, ähnliche Werte teilt, gemeinsam Verantwortung übernimmt. Ein Freund, mit dem man eine platonische Beziehung führt, in der es sicherlich auch mal Streit gibt, in der aber der verbindende Faktor nicht die Liebe zueinander, sondern die zum Kind ist. Ähnlich wie getrennte Paare, nur ohne den Hass der auf verloren gegangene Liebe so oft folgt.

Und dann kam das Schicksal.

Nachdem ich mir dieses Konzept als das für mich beste herausgesucht hatte, fiel mir ein Gespräch aus dem letzen Jahr wieder ein. Eine Kollegin und ich saßen im Café und ich erzählte ihr von meiner Trennung aufgrund des Kinderwunsches. Oder sagen wir besser, ich schluchzte die Geschichte in mein drittes Glas Weißwein, während die erste Zigarette seit 3 Jahren zwischen meinen zitternden Fingern steckte. Definitiv nicht der beste Tag meines Lebens. Aber den einen Satz, den sie sagte, habe ich mir gemerkt.

‚Wenn du jemanden suchst, der gerne ein Kind ohne Beziehung hätte, dann weiß ich genau den Richtigen.‘

 

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

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