Having Mathilda

Nach nun doch recht aufregenden drei Wochen geht es tatsächlich los. Madame hat schon jetzt ihren eigenen Kopf, den sie gnadenlos durchsetzt. Weder will sie zunehmen, noch sich in die Geburtsposition drehen. Eine widerspenstige kleine Diätzicke, die sich nichts sagen lässt. Auch flehen hilft nicht. Ich bin ein bisschen gerührt-sie kommt ganz nach mir!

Anstrengend war es aber schon, ziemlich nervenaufreibend sogar. Da zeigt sich dann doch, wie gut es ist, wenn man jemanden zur Seite hat. Der Papa ist zu jedem wichtigen Termin mitgegangen (am Ende war ich alle 2 Tage zur Kontrolle), hat hinterher Tränen getrocknet und Einkäufe geschleppt. Da fühlt man sich gleich viel besser, denn es müssen Entscheidungen getroffen werden und das bringt ganz schön viel Verantwortung mit sich. Puh, Eltern ist man schon vor der Geburt.

Ich habe jetzt wochenlang alles getan, damit sie sich dreht. Stupsen, Taschenlampe, Spieluhr, indische Brücke, Moxen, Akupunktur,  Yoga, gut zureden, betteln, schimpfen, Hausarrest androhen-nichts hat sie dazu bewegt, ihre königlich aufrechte Haltung aufzugeben. Aufgeben musste letztlich ich, nämlich die Idee einer natürlichen Geburt. Das fand ich nicht so schlimm, ich bin eher ergebnisorientiert an die Sache rangegangen. Gesunde Mama, gesundes Kind, das sollte am Ende rauskommen. Das wird es wohl auch, allerdings ist der Weg mal wieder steinig, das kenne ich ja schon. So ein Wunschkind will eben erarbeitet werden.

Es wird also ein Kaiserschnitt. Im Prinzip nicht schlimm, viele Frauen entscheiden sich sogar freiwillig dafür. Ich allerdings nicht. Ich bin ein Schisser, was das angeht. An einem guten Tag kann ich mir mit Restwürde Blut abnehmen, an einem schlechten weine ich schon da oder falle ohnmächtig vom Stuhl. Ich dachte immer, wenn ich mal erwachsen bin, wird das besser. Wird man noch erwachsener als mit 35? Anscheinend. Oder die Angst vor Nadeln, Skalpellen und Zahnärzten bleibt einfach für immer. Schon der Gedanke an einen Zugang in der Hand lässt mich schaudern. Infolgedessen sitze ich weinend vor dem Krankenhaus, schluchzend beim Geburtsplanungsgespräch und hysterisch zitternd bei der Anästhesieaufklärung. Da lernt auch der Papa mal ganz andere Seiten an mir kennen-kein bisschen peinlich 🙂 Ich bin trotzdem froh, dass er dabei ist und mit mir die 800 Stunden Wartezeit im Krankenhaus durchsteht. Aber es hilft alles nichts, ich muss da durch und die Belohnung wird wundervoll werden.

Damit verabschiede ich mich erstmal ins Wochenbett, wir lernen uns in Ruhe kennen und falls ich jemals ausgeschlafen genug bin, um die deutsche Rechtschreibung halbwegs zu beherrschen, werde ich wieder anfangen zu berichten. Denn richtig spannend wird es mit der Co-Elternschaft ja erst, wenn auch ein Kind da ist, dessen Eltern man sein kann.

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

Ein Kommentar zu „Having Mathilda

  1. Letzer Versuch könnte das Tragen eines Bauchgurtes sein (hat bei mir geholfen, das Kind 2 Wochen vor Termin zum Drehen zu bewegen). Aber auch KS ist nicht so schlimm, unter dem Einfluss der Hormone wirst du das alles viel besser ertragen :))

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