Making Mathilda

Erstmal möchte ich mich heute bedanken, dass so viele Frauen mir mittlerweile ihr Vertrauen schenken und mich per email kontaktieren um sich von mir Tipps, Unterstützung oder Rat zu holen. Ich fühle mich sehr geschmeichelt. Was ich ganz oft gefragt werde und worum sich daher dieser Artikel auch drehen wird: wie genau habt ihr das mit der Bechermethode gemacht? Ich werde das jetzt also so detailliert wie möglich nochmal rekapitulieren. Dazu muss ich sagen, dass ich mir das Wissen auch selber ergoogled habe, es handelt sich hier keineswegs um eine wissenschaftliche Methode oder um ein vom Arzt empfohlenes Verfahren, sondern es ist schlicht und einfach der Erfahrungsbericht von meiner Befruchtung 😉

Da ich es gleich alle Register ziehen wollte, habe ich recht ausführlich recherchiert. Sobald man eine Suche zu dem Thema beginnt, endet man schnell in irgendwelchen Foren und hat direkt 1000 Meinungen, jede anders, oft gegensätzlich, sprich der ganz normale Google Wahnsinn. Daraus habe ich mir folgende Vorbereitungen bzw. Maßnahmen gefischt, die mir am sinnvollsten erschienen oder einfach umzusetzen waren. Um das besser zu verdeutlichen, werde ich ein Bild meiner Zykluskurve benutzen. Dieses hier, um genau zu sein, das ist Februar 2016, also der Monat in dem ich schwanger wurde:

Screen Shot 2017-04-13 at 13.30.28

Und so habe ich es gemacht:

 

 

  1. Kenne deinen Zyklus. Das Zeitfenster, in dem man schwanger werden kann, ist relativ klein. Sperma hält sich maximal 5 Tage in den Eileitern, ein Ei ist zwischen 6-48h befruchtbar, also 7 Tage im besten Fall. Wenn man also gezielt schwanger werden will, sollte man im Idealfall ab 5 Tage vor Eisprung alle 1-2 Tage Sex haben oder in meinem Fall Sperma nachlegen. Es sammelt sich in den Eileitern an und ‚wartet‘ auf das Ei. Dann noch am besten die 2 Tage nach dem Eisprung auch noch nutzen, um auf der sicheren Seite zu sein. In grün habe ich das oben mal eingezeichnet. Der Abfall der Temperatur zeigt den bevorstehenden Eisprung an. Diese Kurve war wirklich vorbildlich, davor habe ich auch ziemlich wilde gehabt. Vielleicht lag es am Himbeerblättertee, dazu später mehr.
  2. Sei zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die roten Herzen markieren die Tage in denen wir dann wirklich brav ‚gebechert‘ haben. Mein Eisprung sollte eigentlich später sein, ich habe den Papa im Urlaub besucht und wir wollten eigentlich genau die 5 passenden Tage nutzen. Ich kam am 18.2. nachmittags an und weil es so schön ist, haben wir direkt einen Versuch gestartet, zum Glück, denn am 19. morgens war der Ovulationstest positiv und ich erstmal sauer. Alles so schön geplant und dann kommt der Eisprung 5 Tage zu früh. Auf nichts ist Verlass. Die Gerüchte besagen ja auch noch, dass man lieber weit vor dem Eisprung Sperma vorlegen soll, wenn man ein Mädchen haben möchte und am Tag des Eisprungs bzw. den Tag davor und danach für einen Jungen, da Jungs kurz und schnell schwimmen und Mädchen lange und ausdauernd. Verdammt, dachte ich mir, da aber gerade um mich herum alles rosa ist und die Prinzessin neben mir schnarcht, kann ich diese Theorie nicht bestätigen. Wir haben dann trotzdem am 19.,20. und 21. jeweils vormittags und nachmittags nachgelegt, insgesamt also 7 ‚Portionen‘. Manchmal liest man, alle 2 Tage reicht, auch weil dann die Spermienanzahl pro Schuss höher ist, ich wollte auf Nummer Sicher gehen. Quantität statt Qualität, die Kleine ist aber ganz gut geworden, von daher bin ich zufrieden. ‚Sparen‘, um mehr Spermien pro Schuss zu generieren, ist wohl auch eher kontraproduktiv, lieber alle 2 Tage ausleeren und neu produzieren, das erhöht angeblich auch nochmal die Qualität.
  3. Kenne alle Tricks. Das Internet ist voll von lustigen Ideen, wie man das gewünschte Ergebnis schneller erreichen kann. Ich habe mir den Himbeerblättertee ausgesucht, der den Zyklus stabilisieren und auf eine adäquate Länge bringen soll. Hat ja geklappt, ich hab den Tee jeden Tag seit Periodenbeginn getrunken, der Eisprung kam 5 Tage früher als sonst und damit in einem Bilderbuchabstand zur Periode. Ob das Zufall war? Wahrscheinlich, aber schaden tut er sicher nicht-schmecken allerdings auch nicht. Außerdem habe ich den Hustensafttrick benutzt. Die Idee ist, dass der Wirkstoff Guaifenesin schleimlösend wirkt und das nicht nur in der Lunge, sondern auch den Zervixschleim verflüssigt und somit Sperma besser durchlässt. Ich habe den ab Zyklustag 10 genommen, mit dem Ergebnis, das der Schleim viel flüssiger war als die Monate davor und sich nicht so eindeutig einordnen ließ. Verändert hat sich definitiv etwas und viele schwören darauf, ob das jetzt wirklich den Ausschlag gegeben hat, keine Ahnung, funktioniert hat es aber. Hätte es nicht geklappt, hätte ich im nächsten Monat ein spermienfreundliches Gleitgel ausprobiert, da kann ich euch aber nun gar nicht zu sagen. Vielleicht gibt es jemand, der das hier liest und Erfahrungen gemacht hat? Ebenfalls von mir nicht getestet, aber wärmstens empfohlen ist, eine Menstruationstasse oder ein Diaphragma mit dem Sperma zu füllen und es so direkt vor den Muttermund zu bringen. Ausbüchsen kann es dann nicht, nur den vorgesehen Weg nehmen. Hätte ich auch versucht im nächsten Monat, die Tasse habe ich schon gekauft, wollte ich eh anfangen zu benutzen. Bei dieser Methode auch ganz wichtig: üben. Einen mit wertvoller Flüssigkeit gefüllten Silikontopf genau zu platzieren will gelernt sein, das würde ich mit Wasser vorher simulieren.
  4. Habe keine Hemmungen. Ganz konkret geht das Ganze so: man bekommt den gefüllten (Jungs, ihr müsst ganz stark sein, 1-3ml, mehr kommt da meistens nicht zusammen, also keine Enttäuschung) Urinbecher mit geschlossenem Deckel zurück. Damit die kostbaren Spermien nicht gleich dem bösen Sauerstoff zum Opfer fallen. Man sollte ca. 10 min warten, das Sperma wird dann flüssiger und ist einfacher zu handhaben. Ich hab mir den Becher solange unter der Decke zwischen die Oberschenkel geklemmt, die empfindlichen kleinen Biester haben es nicht so gerne kühl. Dann zieht man das möglichst schnell auf die Spritze, Popo hoch, Kissen drunter (Handtuch drüber-könnt ihr euch ja denken warum) und möglichst tief möglichst ruckartig die Spritze ausleeren. Jetzt noch 30 Minuten so liegen bleiben, damit nichts verloren geht und dann heisst es abwarten und Daumen drücken. Wo man das ganze Zubehör herbekommt und wie es ganz ganz genau geht und wie man sich dabei fühlt, bitte hier nachlesen.

Ich hab nochmal ein bisschen im Bild rumgeschmiert, um alles zusammen zu fassen.

Screen Shot 2017-04-13 at 12.56.10

Die Ovulationstests habe ich von ClearBlue gekauft, die sind zwar teuer, aber ich wollte da nicht sparen. Die Schwangerschaftstest habe ich von OneStep, die sind bei Amazon ziemlich billig. Ich habe ja zum frühstmöglichen Zeitpunkt angefangen zu testen, erstens weil ich unbedingt eine Reihe von test haben wollte und zweitens weil ich einfach superneugierig war und warten mir so gar nicht liegt. Es ist vernünftig, mit dem testen zu warten bis eigentlich die Periode 3-5 Tage überfällig ist, aber hey, es macht total viel Spaß und ist spannend und auch enttäuschend, aber wenn dann die zweite Linie da ist, dieses Gefühl ist unbeschreiblich! Der erste positive Test war auch nur positiv, weil ich im Internet gelesen habe, dass man die am besten fotografiert und ins Negativ zieht. Gibt es Apps für. Jaaaa, ich bin bescheuert, ich weiß. Wirklich geglaubt habe ich dann aber erst dem ClearBlue mit digitaler Anzeige. Wer wirklich unglaublich phlegmatisch ist, der kann sich warten, ob die Temperatur 18 Tage lan erhöht bleibt, dann ist man ziemlich sicher auch schwanger, aber ich kenne keine Frau, die so lange warten würde.

So, ich hoffe, ich habe das verständlich und anschaulich erklärt. So viel Spaß wie Sex macht das Ganze lange nicht, aber wenn man es mit Humor angeht, ist es auch nicht wirklich schlimm. Man muss es ergebnisorientiert sehen.

 

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

14 Kommentare zu „Making Mathilda

  1. Liebe Jennifer, vielen Dank für deine ausführliche Berichterstattung deiner Erfahrung mit der Bechermethode. Das macht mir Mut, dass es bei mir auch bald klappen können müsste 🙂 Viele Grüsse!

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  2. Ich habe nun den gesamten Blog auf einmal gelesen. Fantastisch wie du das alles erzählst. Und klasse, dass du so offen damit bist, wie du an dein Wunschbaby gekommen bist! Hast du mal überlegt deine Story als Buch zu veröffentlichen? Ich würd’s kaufen. 😉
    Liebe Grüße, Anjanka

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    1. Liebe Anjanka, vielen Dank für das Kompliment, ich finde es immer toll, wenn sich jemand die Zeit nimmt, mir zu schreiben.
      Zum Buch wird es wohl erstmal nicht reichen, aber ich gebe mir Mühe, euch weiter mit Artikeln zu versorgen.
      Liebe Grüße
      Jennifer

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  3. Liebe Jennifer,
    ich bin durch eine Freundin auf Deinen Blog aufmerksam geworden und er macht mir Mut!
    Bei meinem Mann und mir klappt es momentan nicht auf natürlichem Weg und wir haben uns jetzt auch für diese Methode (ggf. zusätzlich zur Kinderwunschklinik) entschieden. Es freut mich so sehr, dass es bei Dir so geklappt hat!!!
    Liebe Grüße
    Moni

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    1. Hallo Moni,
      Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass es auch bei dir bald klappt. Da ich keine Details kenne, warum ihr Probleme habt, hoffe ich doch sehr, dass diese Methode euch hilft. Es gibt ja zum Glück auch noch viele weitere Wege, der nächste Schritt wäre die Insemination beim Arzt, da wird direkt in die Gebärmutter injiziert. Um faule Schwimmer zu überlisten. Jetzt greif aber erstmal tief in die Trickkiste und versuch es so.
      Halt mich auf dem Laufenden, ja. Jeder positive Test freut mich immer sehr.
      Liebe Grüße
      Je. Ifer

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  4. Ich hab ja mit dieser Problematik überhaupt nicht vertraut und alle meine Fragen erwachsen aus reiner Neugier und Unkenntnis. Allein dieser Artikel hat mich da schon so viel weiter gebracht!
    Davon abgesehen finde ich deinen Blog wunderbar für die vielen Menschen, die eben aus dem ein oder anderen Grund nicht auf „altmodische“ Weise ein zeugen. Also mach gern weiter so! Und viel Glück für eure Familie!

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  5. Liebe Jennifer,
    auch ich habe deinen Blog in einem Zuge gelesen. Ich bin 37 Jahre alt und ich habe beim Lesen immer mehr gefühlt, dass es mir ganz genauso geht wie es Dir ging. Die Suche nach dem richtigen Partner bzw. in einer unharmonischen Beziehung zu leben, bereitet mir immer mehr Kopfzerbrechen und ich höre diese „sch… biologische Uhr “ immer mehr ticken.
    Momentan weiß ich nicht, wie ich Thema angehen soll und bin mir sehr unsicher es über „Eltern &Co“ zu versuchen. Eins weiß ich definitiv…für mich kommt nur eine Samenspende in Frage.
    Vielen Dank für diesen Blog und deine Offenheit in diesem Thema.
    Liebe Grüße,
    Sandra

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    1. Liebe Sandra,
      Vielen Dank für deine Nachricht, es freut mich, dass meine Geschichte dir vielleicht ein bisschen Unterstützung gibt bei der schwierigen Entscheidung. Egal, welchen Weg du gehen wirst, für dich wird es sicher der richtige sein. Ich denke, wenn man offen für alle Möglichkeiten ist und sich gut damit auseinandergesetzt hat, dann kommt irgendwann der Tag, an dem man morgens aufwacht und genau weiß, was zu tun ist. Bei mir war das jedenfalls immer so. Ich drücke dir die Daumen, dass du dir deinen Wunsch auf welchem Weg auch immer bald erfüllen kannst. Mit ein bisschen Mut ist es aber zu schaffen.
      Liebe Grüße
      Jennifer

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  6. Liebe Jennifer,

    ich bin in einem Internetforum auf den Begriff Heiminsemination gestoßen und weil ich ein neugieriger Mensch bin, habe ich beim googeln schnell deinen Blog gefunden. Wirklich sehr interessant und toll geschrieben!!
    Für mich ist dieses Wissen zwar gänzlich unnütz, da ich zwei wunderbare Söhne auf ganz altmodischem Wege geschenkt bekommen habe (der Kleinere schläft gerade selig neben mir💜) und wir uns zu viert komplett fühlen.
    Ich möchte aber noch gerne etwas hinzufügen: Auch der weibliche Orgasmus kann beim Kinder machen helfen!! Die Gebärmutter kontrahiert dabei und der Muttermund „schnauft“ quasi eventuell am Eingang vorhandene Spermien ein. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Wissen gerade in Kombination mit der Variante mit der Menstruationstasse durchaus hilfreich sein könnte… Schlimmsten Falls verkürzt es einfach die Wahrheit mit dem Popo in der Höhe 😉
    Ich für meinen Teil kann auf jeden Fall bestätigen, dass beide Kinder bei besonders schönen und „explosiven“ Kissenabenteuern entstanden sind….

    Liebe Grüße Steffi

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    1. Liebe Steffi,

      Vielen Dank für den Input, es stimmt tatsächlich, dass der Orgasmus helfen kann bei der Empfängnis. Bei uns kam das jetzt nicht in Frage, denn wir haben die Wartezeit immer gemeinsam verbracht, damit er beim Zeugungsakt auch dabei war und deshalb ging das nicht. Ich habe aber auch gelesen, dass zum Beispiel bei lesbischen Pärchen das das Gefühl steigert, das Kind zusammen ‚gezeugt‘ zu haben.
      Liebe Grüße
      Jennifer

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