Daddy’s girl

Ich kann jetzt weggehen! Also nicht weit und schon gar nicht aus, aber immerhin ein paar Stunden. Hier hat sich jetzt doch ziemlich viel getan. Die letzten vier Wochen waren für alle recht anstrengend, besonders für diejenigen, die drei neue Schneidezähne bekommen haben und nein, ich war nicht beim Zahnarzt, meine Zähne sind hervorragend in Schuss. Bei dem Baby sind aber auf einmal nicht nur gefährlich viele Zähne im Mund (ja, sie beisst die Hand, die sie füttert und ich wünschte mir sehr, es wäre die Hand), es ist auch mal wieder ein Schalter umgeklappt. Wahnsinn, von einem Tag auf den anderen klappen die Stapelspiele, es wird getanzt, haaammmm! gerufen, das freie Stehen geübt, Ohren/Haare/Bauch gefunden. Die Nase noch nicht.

Aber was mich besonders freut ist, dass sich die Beziehung zu ihrem Vater dramatisch vertieft hat. Nicht nur, dass sie neulich morgens aufwachte, sich aufsetzte und Papa sagte, sie freut sich jetzt auch richtig, wenn er vorbeikommt. Bei jedem Klingeln ist sie enttäuscht, wenn es nicht Papa ist. Hört sie seine Stimme, schießt sie um die Ecke, um ihn zu begrüßen. Wirft ihre kleinen Arme um seinen Hals und ich sehe, wie er heimlich mit den Tränen ringt vor Freude. So süß und innig spielen sie zusammen und vertrauensvoll geht sie mittlerweile mit ihm spazieren. Ich bin sogar fast etwas neidisch, denn bei ihm bleibt sie auch mal 2 Stunden im Wagen sitzen, während ich nach 30 min spätestens ein Klammeräffchen auf dem Arm habe.

Ich war jetzt sogar schon ein paar Mal einige Stunden unterwegs, meinen schwer vernachlässigten Lieblingsneffen besuchen oder ausgiebig beim Friseur. Mehr als 20 min Badewanne war bis vor ein paar Wochen nicht drin und ich war schon leise verzweifelt, aber ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sie nur genügend Zeit braucht, um sich etwas von mir abzunabeln und genauso war es. Hat sie früher meinen Arm kaum verlassen, wenn Fremde da waren, so hat sie die fünf Tage Besuch meiner liebsten Freundin sogar richtig genossen. So viel exklusive Bespaßung! Es gibt immer noch Leute, die sie einfach nicht mag, das zeigt sie auch sehr deutlich, aber ich finde das wirklich ok, ich mag ja auch nicht jeden und sie darf sich ja den Besuch noch nicht aussuchen, sondern muss meine Wahl hinnehmen. Oder eben auch nicht. Eher nicht. Sie hat einen sehr eindeutigen Gesichtsausdruck, der besagt: ‚Entschuldigung, was machen Sie hier, ich habe niemanden eingeladen.‘ Aber ganz ehrlich, oft hält uns Erwachsene doch nur die Notwendigkeit oder Höflichkeit ab, genau so zu gucken.

Sie hat mich also ein bisschen losgelassen, meine Große, und ich bin froh und wehmütig zugleich. Froh, weil ich jetzt nach einem Jahr manchmal wirklich gerne mal alleine etwas unternehmen möchte, verrückte Sachen machen, zB einfach mal die Treppe zur Ubahn nehmen, statt den Aufzug zu suchen oder ins Theater gehen. Das mache ich auch, nächsten Monat habe ich Karten und da gibt es für Papa und Tochter eine neue Premiere, nämlich abends ins Bett bringen. Üben wir vorher vielleicht nochmal. Das ist noch ein riesen Thema, im Moment bin noch nicht mal ich da besonders erfolgreich. Nach 5 Büchern, schläft sie vielleicht auf meinem Arm ein, wenn ich sie dabei stille, schaukel und ein bestimmtes Lied singe. Vielleicht. Zwischen 18:30-22:00 ist alles drin momentan. Es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase… jaja.

Es geht also voran, mal mit Babysteps, mal mit Siebenmeilenstiefeln, immer im Tempo der Kleinen. Denn mal ehrlich, erzwingen kann und möchte man ja wirklich nichts und irgendwann wird auch sie laufen, sprechen, beim Papa übernachten. Und so lange wird gestillt, geschaukelt und gesungen. Und auch ich brauche noch Zeit, bis ich sie nachts hergeben kann. Aber es fasziniert mich doch sehr, dass unsere Entwicklung so parallel ist. Noch vor 3 Monaten konnte ich mir nicht vorstellen, sie auch nur ein paar Stunden alleine zu lassen, heute freue ich mich drauf und genieße die Zeit alleine. Und da ich weiß, dass sie bei Papa gut aufgehoben ist und auch wirklich gerne mit ihm die Zeit verbringt, fällt es mir umso leichter, auch langsam loszulassen.

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

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