Co-Elternschaft mit neuem Partner-wie funktioniert das?

Co-Elternschaft mit neuem Partner

Bei uns ziemlich gut. Nach nun fast einem Jahr kann ich das wirklich so sagen. Allerdings gibt es bei uns auch ein paar Besonderheiten. Co-Elternschaft mit neuem Partner wird bei jedem anders sein, wie es bei uns läuft, beschreibe ich euch hier.

Fernbeziehung als Vorteil

Mein Partner wohnt nicht in Berlin, wir führen also eine Fernbeziehung. Das hat Vor- und Nachteile. Ein Nachteil ist sicher klar, wir sehen uns nicht so oft. Zum Glück ist er flexibel, was das Besuchen angeht, denn ich bin mit meinem Kind festgenagelt. Das war von Anfang an klar. sie mit zu ihm zu nehmen, hat sich noch ergeben. Nicht aus Prinzip, aber es gibt bei ihm weder einen Kindersitz noch eine gute Schlafgelegenheit. Warum auch. Bis jetzt funktioniert es so ganz gut, er kommt uns besuchen, weil er sowieso viel reist. Unsere Beziehung spielt sich also hauptsächlich bei mir ab. Auch das war ihm aber von Vornherein klar.

Die Fernbeziehung hat aber auch viele Vorteile: ich muss wenig Zeit von meinem Kind abknapsen. Das möchte ich nämlich auch nicht. Deshalb habe ich mich gar nicht um einen Partner bemüht, die Zeit hatte ich gar nicht und die Lust schon mal überhaupt nicht. Er kam zufällig zu mir, als ich eine Beziehung so gar nicht im Kopf hatte. Ich hätte auch gar nicht sie Zeit gehabt. Alleinerziehende kennen das. Zeit hatte ich dann aber doch.

Wir haben von Anfang an gesagt, Kinder gehen vor. Meins, seine aber auch. Die sind schon älter und wenig involviert. Nicht, weil das keiner will, sondern einfach, weil es sich selten ergibt. Sie leben bei der Mutter, sind klassische Wochenendkinder. Ich kenne sie zwar, die Kinder untereinander kennen sich aber nicht, da besteht bei Teenagern auch einfach kein Interesse an einem Kleinkind.

Wie findet das Co-Kind die neue Situation?

Meine Tochter allerdings ist natürlich voll involviert, soweit wir das zulassen. Sie hat meinen Partner recht schnell, aber erstmal neutral kennengelernt. Also als jemand, der uns besucht, ohne Küsse zwischen uns oder ähnlichem. Dass jemand im Wohnzimmer übernachtet, das kennt sie, mal ist da Papa, wenn ich früh zum Flug muss oder die Großeltern. Nach ein paar Wochen haben wir uns vor ihr auch als Paar gezeigt, da war sie erstmal skeptisch. „Das ist meine Mama, nicht anfassen!“ Zu Recht, sie kannte das schließlich gar nicht. Sie war bis vor ein paar Monaten allen Erwachsenen gegenüber sehr zurückhaltend, auch dem Mann im Wohnzimmer gegenüber.

Die Zurückhaltung hat sich mit der Zeit gegeben, mittlerweile freut sie sich, wenn er zu Besuch kommt. Er schläft weiterhin im Wohnzimmer, nur wenn die Kleine nicht da ist, schlafen wir in einem Bett. Sie schläft bei mir im Bett und der laufende Meter braucht viel Platz, wenn er sich nachts wie ein Brummkreisel dreht. Mein Partner muss tagsüber arbeiten und hat einen leichten Schlaf, das passt also für ihn, besonders, da die Kleine immer noch Nachtschichten zwischen 02:30-06:00 schiebt. Sie aus dem gemeinsamen Bett ins eigene umzuziehen, damit mein Partner mit mir in einem Bett schlafen kann, das möchte ich nicht. Besonders, da es nur um ein paar Nächte im Monat geht.

Sie wird immer noch gestillt und ich genieße unser Familienbett sehr. Ob der Mann da irgendwann mit einziehen darf, das wird sich zeigen. Mal darf er mit uns Mittagsschlaf machen, mal muss er gehen. Das überlassen wir ihr, schließlich hat sie sich die Situation nicht ausgesucht. Morgens stehen wir auch, wecken den Mann und verkuscheln dann noch gemeinsam in seinem Bett den Vormittag.

Co-Elternschaft mit neuem Partner

Wie wirkt sich der neue Partner auf die Co-Elternschaft aus? Eigentlich gar nicht. Die Männer kennen und mögen sich, der Papa freut sich, dass es mir so gut geht. Eifersucht auf den neuen Partner? Fehlanzeige. Warum auch. Da er nicht so oft da ist, gibt es hier auch kein Gerangel um einen Platz im Leben meiner Tochter. Mein Partner hat in keinster Weise den Anspruch, bei ihr irgendeine Vaterrolle einzunehmen. Und muss es auch gar nicht, da ein aktiver Vater präsent ist. Das findet er auch ganz entspannt.

Interessant wird es sicher nochmal, wenn wir zusammenziehen, da er dann viel involvierter in unser Leben sein wird. Hier reden wir aber über eine Zukunft, die in 3-5 Jahren stattfinden wird. Da gehen seine Kinder vor, solange sie ihn brauchen, bleibt er bei ihnen. Das wiederum muss ich hinnehmen bzw. verstehe es total. Schließlich haben wir uns unter dieser Prämisse kennengelernt. Sobald Kinder im Spiel sind, lernt man schnell, sehr erwachsene Beziehungen zu führen, das kenne ich von mir gar nicht.

Neuer Partner und Co-Elternschaft

Wie findet denn der Mann die Situation? Ebenfalls total entspannt. Warum auch nicht, es gibt für ihn keinen Grund für irgendwelche Eifersüchteleien, obwohl der Papa so präsent ist in unserem Leben. Wir hatten schließlich noch nicht mal Sex, um das Kind zu zeugen. Wir sind einfach nur befreundet.

Einfach ist es für ihn auch, da er keine Vaterrolle einnehmen muss. Wäre ich einfach alleinerziehend ohne Kontakt zum Vater, hätte er schon eine andere Art von Verantwortung zu übernehmen. Das würde sicher zu mehr Diskussionen in Erziehungsfragen führen. So hält er sich weitestgehend raus. Und gibt mir Input, wenn er etwas so gar nicht verstehen kann. Mein Attachment Parenting, bindungsorientiertes Erziehen und ein sehr anderer Umgang mit dem Kind, als er das gewohnt ist, geben ihm manchmal Rätsel auf. Das benennt er und gut. Wenn etwas für ihn gar nicht geht, sagt er ihr das. Auch gut.

Noch ein kleiner Vorteil

Die noch getrennten Wohnsitze garantieren uns als Paar auch ein sehr rares Gut. Für Eltern. Wer Kinder hat, weiß um die Tragweite dieses Satzes: in gemeinsames freies Wochenende!! In einer Wohnung ohne Spielzeug und Kinderkram. In einer anderen Stadt. Finde ich persönlich auch mal ganz aufregend. Das ist ein weiterer Vorteil der Co-Elternschaft, besonders mit neuem Partner. Man hat auch mal ein Wochenende ganz für sich, ohne Kind. Und ohne schlechtes Gewissen, denn das Kind ist ja nicht abgeschoben, sondern in seinem anderen Zuhause und zufrieden dort. Und diese freie Zeit kann ich dann mit meinem Partner teilen-wenn ich das möchte.

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