#DSGVO oder ‚Hier können Sie Ihre Daten löschen‘ (mit Link im Text)

Ihr Lieben,

Ihr habt es mitbekommen, jeder hat es mitbekommen, sie ist in aller Munde, schon jetzt Unwort des Jahres, die Geißel aller Blogger, aber ein riesen Gewinn für den User -und das meine ich Ernst- trotzdem unser aller Nemesis: die DSGVO und ihre Deadline heute.

Und ja, auch ich habe eine Nachtschicht gemacht, habe mein Bestes gegeben, gelesen, gegoogelt, geflucht, mit Freunden gesprochen, geweint und es schließlich geschafft, meine Website soweit konform zu bekommen. Glaube ich. Hoffe ich. Ich habe sogar einen Code Schnippel ergebnisorientiert irgendwo eingefügt (wer mich kennt, weiß um die Leistung). Und ganz ehrlich? Ich habe einen kleinen Blog mit winziger Reichweite, ich möchte euch nichts verkaufen, ich schalte keine Werbung, habe keine Affiliate Links, mache keine Kooperationen und verdiene keine Geld. Alles was ich möchte, ist, diejenigen über mein Nischenthema zu informieren, die es interessiert. Und klar freue ich mich, wenn mir das Statistikprogramm zeigt, wie viele oder wenige Menschen meine Artikel lesen, irgendwelche Infos kann ich daraus aber nicht ziehen, die Daten erhebt WordPress. Details brauche ich auch gar nicht, denn ich weiß auch so, wer da liest: meine Mama, Papas Mama, einige meiner Freundinnen und eine Handvoll Interessierte. Wahrscheinlich kenne ich die meisten meiner Leserinnen sogar persönlich oder über Interaktionen auf dem Blog oder in den sozialen Medien. Trotzdem soll es für euch sicher zugehen, ist ja klar. Viel Einfluß habe ich da nicht, ja, mein Blog ist ein böser WordPress.com Blog, nicht selber gehostet, ich habe keine Ahnung, wie ich die Emailbenachrichtigungen abstellen soll und WordPress äußert sich nur kryptisch. Natürlich werde ich deren Auftragsdatenverarbeitungsvertrag sofort unterschreiben, wenn es ihn denn mal gibt, dann geht auch wirklich alles mit rechten Dingen zu.

Aber eigentlich möchte ich die Emailbenachrichtigungen und das Abonnieren gerne behalten, denn so bekommt ihr mit, wenn ich alle Jubeljahre mal was veröffentliche. Und jeder, der diesen Beitrag aufgrund der Benachrichtigung liest, der hat sich wahrscheinlich eher weniger gezwungenermaßen dafür angemeldet. Trotzdem hier folgendes Angebot für alle, die mich doch satt haben oder nur aus Versehen dabei sind oder doch mit vorgehaltener Waffe gezwungen wurden (ich stelle mir da den Räuber Hotzenplotz vor, aus Gründen). Also:

Ganz unten in meiner Datenschutzerklärung gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Datenauszug: hier könnt ihr sehen, welche Daten meine Website von euch speichert. Also WordPress. Nicht ich.
  2. Datenlöschung: selbsterklärend, oder. Ausfüllen, abschicken, Daten gelöscht.

Wer also nicht mehr möchte, immer diesem Link nach. Über alle, die bleiben, freue ich mich natürlich sehr! Folgende Datenschutzerklärung von Andreas W. Ditze möchte ich euch zumindest in Auszügen ans Herz legen, denn sie fasst sehr anschaulich die Situation zusammen und ist ein bisschen lustig weil treffend:

Präambel

Artikel 12 der EU-Datenschutzgrundverordnung (kurz: DSGVO) fordert, dass ich Ihnen „in präziser, transparenter, verständlicher und leicht zugänglicher Form [und] in einer klaren und einfachen Sprache“ erkläre, was hier auf dieser Webseite geschieht. Da ich dabei nicht davon ausgehen darf, dass Sie fünf Jahre Informatik, Jura oder Raketeningenieurwesen studiert haben, soll ich hier also Klartext schreiben. Das mache ich doch gerne.

§1 Hosting

Diese Website wird offiziell gehostet von „meiner“ Firma. Diese Firma hat das Hosting ausgelagert an einen großen europäischen Hosting-Anbieter. Ich privat habe mit meiner eigenen Firma für diese Domain [ditze.net] (noch) keinen schriftlichen Auftragsverarbeitungsvertrag geschlossen, ich habe mir aber im Innenverhältnis mündlich versichert, dass ich (geschäftlich) meine (privaten) Hosting-Daten immer sehr gewissenhaft behandeln werde. Bei mir ist das anders, aber bei § 2 anzufangen sah komisch aus. Meine Daten landen in den USA, das ist doof, lässt sich aber nicht ändern.

§2 Google Analytics und sonstiges Tracking

Diese Website nutzt Google Analytics (meine nicht) und auch die Standard-Wordpress-Statistiken. Oh Mein Gott! Ihre Zugriffe auf diese Website werden sicherlich auch in den USA gespeichert. Und es kommt noch schlimmer: auch mit Google habe ich noch keinen Auftragsverarbeitungsvertrag geschlossen. Wieso? Der Google-Standard-AV-Vertrag hat 18 Seiten, muss in doppelter Ausfertigung nach Irland geschickt werden und legt mir nahe, meine sonstigen Anmerkungen zum Vertrag postalisch nach London zu senden. Hier können Sie den Vertrag mal nachlesen. Und es kommt noch besser: würde ich die Buchstaben der Datenschutzgrundverordnung wörtlich auslegen, z.B. Artikel 28 Abs. 3 (h), müsste ich persönlich meine Auftragsverarbeiter gelegentlich besuchen und überprüfen, ob die das alles richtig machen. Also ganz praktisch: ich fahre zum Google Rechenzentrum, klingele an der Pforte und sage dann: „Hallo, hier ist Ihr Auftraggeber, der Ditze aus Mellnau. Ich wollte mal gucken, ob Sie auch wirklich alles richtig machen.“ Alles klar?!

§3 Weitere Plugins

Sie haben noch nicht genug? Ok, dann weiter. Diese Website nutzt ein paar Plugins. Diese Plugins machen allerhand: ein paar beschleunigen die Website, ein anderes sorgt für schöne Optik, Fußnoten, Social Sharing Buttons, E-Mailalerts, Fotogalerie oder besonders schöne Sitemaps, die dazu führen, dass Sie diese Website überhaupt finden konnten. Wie dem auch sei: nahezu jedes dieser Plugins sendet am langen Ende Ihre IP-Adresse an die Server, die benötigt werden, damit Sie hier eine hübsche Website sehen können. Habe ich mit jedem dieser Plugin-Anbieter einen Auftragsverarbeitungsvertrag? Na, was meinen Sie? Ich verrate es Ihnen: Nein! Und warum? Weil auch das völliger Quatsch ist. Oder wollen Sie mir jetzt ernsthaft nahelegen, ich solle auf meiner privaten, von mir selbst bezahlten und völlig werbefrei gehaltenen Webseite, die ich in meiner Freizeit mit viel Liebe bestücke, nun wirklich losgehen und zu jedem Plugin was ich hier nutzen will einen umfangreichen Auftragsverarbeitungsvertrag abschließen? Ich sage Ihnen was: wenn Sie nicht wollen, das meine Website Ihre IP-Adresse weitergibt, dann kommen Sie doch einfach nicht hier her.

§4 Kontaktaufnahme

Nun zur Kontaktaufnahme: Falls Sie mir eine E-Mail senden, müssen Sie damit leben, dass ich Daten von Ihnen erhalte. Ich sehe dann Ihre E-Mailadresse, eventuell auch Ihre IP-Adresse und wenn ich mir richtig Mühe gebe und den X-Header Ihrer E-Mail händisch auswerte, kann ich eventuell sogar sehen, wie der Computer heißt, von dem aus Sie die Nachricht geschrieben haben. (Also ich, Jennifer, kann das überhaupt kein bisschen) Das ist keine Zauberei oder Hackerkunst, sondern ein Internet-Standard. Wer den lesen kann, kommt an diese Daten. Das ist technisch bedingt – und schon seit vielen Jahren so. Falls Sie mir ungefragt Ihre Daten zusenden, dürfen Sie davon ausgehen, dass ich Ihre E-Mail genauso gut oder schlecht behüte wie alle meine übrigen E-Mails auch. Sollten Sie sich irgendwann mal überlegen, dass ich die von Ihnen ungefragt zugesandte E-Mail löschen soll, dürfen Sie mich höflich darum bitten – versprechen tue ich aber nichts. Auch hier gilt: wenn Sie damit nicht leben können, senden Sie mir bitte keine E-Mail zu.

§5 Kommentare

Weiter im Text: Thema Blogposts. Sie können hier gerne einzelne Meldungen kommentieren. Aber erneut gilt auch hier: Sie müssen davon ausgehen, dass ein paar Daten über Sie erfasst werden. Die IP-Adresse, der Name und die Mailadresse. Immerhin: beim Namen und der Mailadresse können Sie mit Pseudonymen arbeiten – oder einfach lügen, das ist okay für mich. Bei der IP-Adresse wird es etwas schwieriger – aber hey, wenn die Ihnen zu privat ist, nutzen Sie doch TOR oder einen Proxy. Once again: Love it or leave it.

§6 Cookies

Sie wissen was ein Cookie ist? Nein? Ok, das können Sie hier nachlesen. Manche Menschen haben Angst vor Cookies, weil sie glauben, dass man damit herausbekommen kann, ob sie (diese Menschen mit der Angst) gestern Abend auf einer Porno-Seite waren oder sich insgeheim für satanistische Nazischergenmusik (mein Wort des Tages, auch, weil ich ewig gebraucht habe, es zu kapieren, ich las erst Nazischer Genmusik und was soll das bitte sein?) interessieren. Deswegen möchte kaum jemand, dass eine Website Cookies speichert. De facto ist es aber so, dass Websites ohne Cookies heute kaum noch funktionieren. Und so lange nur First-Party-Cookies eingesetzt werden, ist das mit dem Tracking der Nazi-Porno-Seiten nicht möglich. Diese Website nutzt bestimmt auch Cookies – allerdings nur die „guten“ First-Party-Cookies. Third-Party-Cookies habe ich zumindest nicht bewusst in diese Website integriert.

§7 Abmahnungen

Bevor Sie mich wegen eventuell fehlender, unvollständiger oder nicht ausreichend durchdrungener Aspekte der DSGVO abmahnen, berücksichtigen Sie bitte die Worte der zur Einführung der Verordnung zuständigen EU-Justizkommissarin Věra Jourová. Die sagte in einem Interview mit der ZEIT wörtlich: „Es geht [bei der DSGVO] um gesunden Menschenverstand und Verhältnismäßigkeit. Wenn Ihnen jemand eine E-Mail schreibt und Ihnen zugesteht, dass Sie seine Daten verwenden dürfen, dann ist doch klar, dass er Ihnen eine Einwilligung erteilt. Im Übrigen sanktionieren die Datenschutzbeauftragten nicht nur, sondern beraten auch. Meine Prognose ist, dass sich die Behörden auf die Anbieter konzentrieren, die den größten Schaden verursachen können, die die meisten Daten verarbeiten.“

Darüber hinaus verweise ich hier auch gerne auf eine Aussage des deutschen „Vaters“ der DSGVO, Jan Philipp Albrecht. Er schreibt in seinem Blog wörtlich: „Was hingegen nicht eintreten wird, ist dass […] die Aufsichtsbehörden und irgendwelche Abmahnanwälte plötzlich eine ganz andere Gangart gegenüber all den kleinen Unternehmen, Einzelunternehmern, Vereinen und Bloggern einlegen werden.“ Sie dürfen davon ausgehen, dass ich beiden Akteuren im Falle einer Abmahnung hiervon berichten werde.

Quelle: Andreas W. Dietz

Ein bisschen mit Augenzwinkern zu lesen, aber im Grunde hat er Recht. In diesem Sinne freue ich mich, wenn ihr bei mir bleibt. Alle anderen sein hiermit herzlich verabschiedet, schön, dass ihr an meiner Reise bis heute teilgenommen habt.

Jennifer

 

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

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