Der Weg einer Co-Mama

Ihr Lieben,

Ich freue mich sehr, dass sich eine andere Co-Mama getraut hat, mir ihre Geschichte nicht nur zu erzählen, sondern den Weg zu ihrem kleinen Sohn auch aufzuschreiben. Da gehört viel Mut zu, glaubt mir, ich weiß das. Und es macht Mut, denn Kerstin hat ihren Co-Vater über eine Zeitungsanzeige gefunden. In einem Lokalblättchen. Eine Zeitung aus Papier! Ja, sowas gibt es noch und es zeigt sehr schön, dass Co-Väter zwar nicht auf Bäumen wachsen, aber wenn man die fällt, stampft, auswalzt und bedruckt und das dann noch jemand liest, dann findet man sich!

Wenn eine oder einer von euch auch gerne etwas schreiben möchte, sei es die eigene Geschichte, ob positiv oder negativ, sei es eine Suchanzeige für eine Co-Elternschaft oder vielleicht der Weg zum Kind mittels Samenspender, ich freue mich über jeden Beitrag, der diese Seite mit Informationen bereichert. Vielleicht könnt ihr andere inspirieren oder jemandem den letzten Kick geben, sich auch zu trauen.

Hier also der erste Gastbeitrag auf meinem Blog.

Kerstin schreibt:

Für mich war immer schon klar, dass ich ein Kind haben möchte. Bisher hat sich das aber nie mit einem Partner ergeben. Ein Kind konnte ich mir immer vorstellen; eine Bindung in Form von einer Hochzeit mit den meisten Exlebensgefährten irgendwie nicht.

In der letzten Partnerschaft hatte sich nach etwa einem Jahr herauskristallisiert, dass er ein gemeinsames Zusammenleben sowie Kinder zu dem Zeitpunkt ausschließt. „Kinder? Vielleicht in 5 Jahren… weiss ich nicht“ waren die Worte. Dies war für mich schon ein großer Schock und veranlasste mich dazu, mich zu trennen. Der Schock bestand aber eher weniger in der Tatsache, dass ich eine Liebe verloren habe als in dem Verlust der Möglichkeit eine Familie zu gründen. Da ging mir irgendwie schon die Düse, mittlerweile bin ich 34, habe studiert, einen guten Job, eine schöne Eigentumswohnung, aber was bringt mir das? So habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt; ich möchte nicht ohne Kind(er) und all die Erfahrungen, die damit zusammenhängen, sterben… ich möchte einem Kind ein schönes Leben bereiten… aber kann ich noch auf den passenden Mann dazu warten?

Dann – kurz nach der Trennung – begab ich mich aktiv mittels Kontaktanzeige auf die Suche nach einem Mann “zur Gründung einer Familie”. Dort haben sich auch einige Männer gemeldet,.. letztendlich aber ist der Funke nicht übergesprungen und der Ex war auch nicht überwunden… Ich kann mir auch nicht vorstellen mit jemandem – mit allen Verpflichtungen – zusammen zu sein, nur um meinen Kinderwunsch zu erfüllen.

Sicherlich wäre da ein guter Vater dabei gewesen, aber eine Liebesbeziehung “vorzuspielen” ist gegenüber dem potentiellen Vater und auch dem Kind unfair – und hat langfristig wohl keine Aussicht auf Bestand. Das gleiche gilt ja auch, wenn man jemandem ein Kind unterjubelt. Davon wird das Kind – und auch die Eltern – in der Regel nicht glücklich. Das endet dann voraussichtlich nicht gut.

Daher war es wohl Schicksal, dass ich im Dezember 2016 zufällig die folgende Anzeige in einer Lokalzeitung gelesen habe:

Ich (m,33) schwul, habe seit langem einen großen Kinderwunsch. Welche Frau teilt diesen Wunsch mit mir und hat sich mit dem Thema “Co-Elternschaft” schon einmal auseinander gesetzt? Ich bin 198 cm groß, südländischer Typ mit braun-grünen Augen und sportlich. Ich würde mich freuen, wenn du mich kennenlernen möchtest.

“Das klingt ja eigentlich perfekt” dachte ich mir – allerdings noch mit einigen Fragezeichen in meinem Kopf. Wie macht man mit einem Schwulen ein Baby? Was genau ist eine Co-Elternschaft? Wo würde das Kind leben und aufwachsen? Hat man da identische Vorstellungen?

Ich habe ihn sodann einfach mal angeschrieben und parallel im Internet recherchiert, was genau eine Co-Elternschaft bedeutet. Dort bin ich auch auf die Seite von Jennifer gestoßen und habe mir ihren Blog “reingezogen”, habe alles mögliche dazu bei youtube und google recherchiert, wobei sich die Informationen noch in Grenzen hielten – und irgendwann nach einigen Mails und Whatsapp-Nachrichten hat man sich doch an die zunächst ungewöhnliche Konstellation gewöhnt. Ja, ich kann mir das sehr gut vorstellen. Es ist doch auch durchaus von Vorteil keine Liebesbeziehung mit dem Vater deines Kindes zu haben; eventuelle Streitigkeiten bestehen dann auf einer eher rationalen Ebene. Man ist von Anfang an quasi getrennt, die Fronten sind geklärt und man kann sich voll und ganz auf das Wichtigste konzentrieren: das Kind!

Sodann, nach vielen Nachrichten hin und her, haben wir uns zum Abendessen getroffen. Erst war es echt merkwürdig, man kennt ja sonst nur die Dating-Verabredungen; hier hatte das Abendessen ja einen ganz anderen Hintergrund. Nach etwas Smalltalk sind wir aber recht schnell aufgetaut und haben uns über unsere konkreten Kinderwunsch- und Erziehungsvorstellungen ausgetauscht, wobei das irgendwie direkt passte… die Chemie und unsere Vorstellungen von der Kindererziehung… insgesamt war das erste Treffen wirklich toll und ich weiss noch ganz genau, dass ich mit einem Strahlen auf dem Gesicht mit dem Rad nach Hause gefahren bin… im weiteren Verlauf hatten wir täglich Kontakt… irgendwie war es doch schon recht früh klar, dass wir das nun gemeinsam durchziehen…

Nachdem ich dann alle notwendigen Impfungen etc nachgeholt habe, haben wir bereits wenige Monate später mit der Umsetzung begonnen. Wir haben die Bechermethode genutzt. Ich wurde auch direkt schwanger. Mein Umfeld, insbesondere meine Familie, hat durchweg positiv auf diese Nachricht und diese neuartige Konstellation reagiert, was für mich sehr erleichternd war!

Ein Jahr später ist er nun tatsächlich da: unser Sohn 🙂 wir sind sehr glücklich! Mittlerweile wohne ich in der selben Stadt wie der Vater, der uns sehr unterstützt. Es war eine wichtige Entscheidung in meinem Leben, die ich keine Sekunde lang bereue!

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

5 Kommentare zu „Der Weg einer Co-Mama

  1. Danke für den Beitrag, hatte bisher nie davon gehört aber es erscheint mir doch logisch so lange man sich mit dem Vater einig ist und alles passt, ich meine man ist sich ja nichtmal mit dem liebespartner immer einig wenn es um Erziehung geht, plus schön das die Familie da so offen ist, da gibt’s bestimmt auch andere Fälle ♡

    1. Ganz genau, einig ist man sich auch in einer Beziehung nicht automatisch, Kerstin hat sich mit ihrem Co-Papa aber sicher vorher genauso detailliert abgesprochen wie wir, das bringt die Situation einfach mit sich. Dass sie so viel Unterstützung von der Familie hat , finde ich auch toll, ich hab da ja auch richtig Glück, aber ich habe auch schon emails von Frauen bekommen, die weder bei Freunden noch der Familie auf viel Verständnis stoßen. Leider. Da ist noch viel Aufklärung nötig.

  2. Verfolge deinen großartigen Blog gespannt seit vielen Monaten und freue mich sehr über den Gastbeitrag von Kerstin. Ich verschlinge aktuell jeden Erfahrungsbericht zum Thema Co-Parenting, da ich selbst gerade am Anfang dieser Wahnsinnsreise stehe. Vor zwei Monaten habe ich einen sehr sympathischen, schwulen Co-Vater über familyship gefunden. Nun lernen wir uns kennen und meine Fragen werden immer konkreter. Dank deiner detaillierten Beiträge fühle ich mich sicher und gut auf die nächsten Schritte vorbereitet (gut, dass man jederzeit nochmal nachlesen kann ;-). Ich bewundere euren Mut und freue mich auf weitere Geschichten und Gastbeiträge.

    1. Hey Sibi,

      Danke für deine netten Worte, wenn du noch mehr Fragen hast, immer her damit, gerne hier oder privater unter planningmathilda@gmail.com. Du bist ja schon ziemlich weit gekommen, familyship klingt auch spannend und eigentlich direkt nach meinem nächsten Gastbeitrag ;-). Vielleicht magst du ja deine Geschichte auch erzählen? Das würde nicht nur gut passen und weitere Frauen bestärken und motivieren. Genau dafür schreibe ich den Blog. Wie wäre es?
      Liebe Grüße
      Jennifer

      1. Gute Idee. Im Moment ist aber tatsächlich noch nicht viel passiert. Ich hoffe ich kann in ein paar Monaten mehr erzählen 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.