Rückbildungskurs besser ohne Baby?

Rückbildungskurs, Mama und Baby, planningmathilda

Ein Rückbildungskurs sollte ein sicherer Ort sein

Ja, es war der zweite Rückbildungskurs.

Ja, sie hat uns gesagt, dass es ohne Baby einfacher ist, aber man es trotzdem mitbringen kann.

Und dann bin ich letzte Woche nach 5 Minuten gebeten worden, den Kurs zu verlassen, weil mein Baby laut erzählt hat. Sie hat nicht geweint, gebrüllt oder mit spitzen Schreien ihren Unmut kundgetan. Sondern gebrabbelt. Ok, laut gebrabbelt. Doch auch das war zu viel, ich wurde gebeten zu gehen.

Vor allen Dingen bekam ich noch zu hören, dass das Verhalten meines Kindes ja schon im ersten Rückbildungskurs grenzwertig war. Und hier und heute völlig die Konzentration stört. Diese Aussage finde ich grenzwertig! Ich war wie vor den Kopf gestoßen, hab meine Sachen zusammengepackt und bin gegangen. Ich wusste gar nicht, was ich sagen soll. War sprachlos. Ich.

Babys stören sogar im Rückbildungskurs

Überall habe ich erwartet, wegen des Babys Ärger zu bekommen: im Café, beim öffentlichen Stillen, mit kreischendem Baby in der Tram, mit Kinderwagen im Weg stehend, alles, aber nicht von einer Yoga/Cantienicalehrerin/Hebamme. Nachdem ich schon 9 Stunden Rückbildungskurs bei ihr hatte und sie super nett fand.

Ich stand dann heulend vor der Tür, die Kleine hat natürlich solidarisch mitgeweint. Eine Mama, die ich nicht kannte, kam mir hinterher, um mir zu sagen wie gemein sie das fand und dass ich es mir nicht zu Herzen nehmen soll. An dieser Stelle danke, liebe unbekannte Mama. Zu Herzen habe ich es mir aber sehr genommen. Nicht, dass ich gehen musste. Sondern, dass ich meine Kleine nicht verteidigt habe. Mein Baby ist nicht grenzwertig in seinem Verhalten, sie ist ein Baby.

Babys machen Geräusche. Möchten bei ihrer Mama bleiben. Sind auch mal lauter. Hätte sie ihre ganz spezielle Show abgezogen (schrille hohe Schreie, wie ich sie noch nie bei einem Baby gehört habe, mindestens das zweigestrichene C, mit denen sie mir und dem ganzen Haus sehr deutlich zeigt, dass ihr etwas nicht passt), ich hätte es ansatzweise verstanden, aber so nicht.

Völlig unsensibel, die Kursleiterin

Die Kursleiterin wollte mich anrufen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ich war den ganzen Tag völlig fertig, konnte die ganze Nacht nicht schlafen, musste immer wieder drüber nachdenken, mir schlagfertige Antworten überlegen (klappt bei mir so ca 12h nach Vorfall immer am besten). Ich war wirklich getroffen, wollte aber erstmal den Anruf abwarten, vielleicht käme ja eine nette Entschuldigung. Was kam war: ’naja, das klappt wohl nicht so gut mit deinem Kind, haha, Mädchen halt, die haben da ja öfter mal Schwierigkeiten mit der Anpassung, ich überweise dir das Geld zurück, ciao.‘

Und wieder war ich so baff, dass ich nichts gesagt habe. Leider habe ich die Tendenz, den Fehler immer doch bei mir zu suchen. Hab ich was falsch verstanden? Mich zu sehr angestellt? Hormone? Nein! Sonst wäre mir die Frau nicht nachgekommen, sonst hätte ich mich nicht so angegriffen und verletzt gefühlt. Aber manchmal merkt man dann auch, wo es sich lohnt, nochmal nachzuhaken und wo nicht. Sie hat es entweder noch nicht mal gemerkt, wie ätzend sie zu mir war oder es war ihr egal oder peinlich oder was weiß ich. Es rumort immer noch in mir, vielleicht werde ich ihr das Feedback noch geben.

Mamas sind oft defensiv-das sollte anders sein

Die Wut habe ich mir jetzt hiermit von der Seele geschrieben. Was mich am meisten ärgert? Dass man als Mama sofort defensiv reagiert. Oh, mein Kind stört alle, lieber schnell weggehen. So sollte es nicht sein. Sicher gibt es Situation, wo Geschrei wirklich stört, aber ein Kurs mit 20 Neumamas ist sicherlich nicht so ein Ort. Welche Mama stört denn Geschrei? Ok, mich stört es auch, aber ich weiß doch, dass man das nicht einfach ausschalten kann und habe mehr als genug Verständnis.

Mein plapperndes Kind und ich gehen jetzt in einen anderen Rückbildungskurs. Mal sehen, ob wir da auch als grenzwertig angesehen werden.

Like it? Pin it

6 Kommentare zu „Rückbildungskurs besser ohne Baby?

  1. liebe jenny,
    ich bin sprachlos und ja, du solltest dein feedback geben.
    am wütendsten macht mich der satz: „mädchen halt, die haben ja öfter schwierigkeiten mit der anpassung“
    wann, verdammt noch mal, hört das endlich auf mit dieser beschissenen erwartung, dass frauen sich anzupassen zu haben?!

  2. Wie fürchterlich!!!
    Nicht grenzwertig, sondern Grenzen überschreitend! Das gibt eine ganz schlechte Bewertung für die Kursleiterin bei Yameda oder Yelp oder was weiß ich. Hau in die Tasten!

    Ich drück dich auch nochmal! Ich kann mir vorstellen, wie du dich gefühlt hast. Und ja, diese defensive Haltung stellt such bei mir auch immer automatisch ein. Wahrscheinlich hat das mit der allgemeinen gesellschaftlichen Haltung gegenüber Kindern und Müttern zu tun. Wenigstens machen wir uns auf Blogs Luft und vielleicht hilft uns (oder kommenden Müttern) das, mutiger zu werden.
    Erhol dich gut!

  3. Ich gebe zur Zeit selber Kurse Pilates mit Baby. Nie würde ich erwarten, sodass die Kinder ruhig sind. Natürlich erzählen sie, natürlich sind die auch mal lauter. Welches Baby ist schon eine Stunde ruhig? Aber ganz ehrlich? Was solls. Die Mütter sollen in der Stunde lernen Sport zu machen trotz/mit Baby. Denn nur so können sie lernen/merken, sodass das möglich ist. Nur so kann man ihnen zeigen, dass die Ausrede „mit Baby geht das nicht“ nicht Grund ist. Ich finde es toll, dass bei mir die Babys dabei sind. Ja es ist eine Herausforderung, ja man ist manchmal als Kursleiter unsicher, ob sich die anderen Mütter gestört fühlen (gerade wenn auch mal Nachbarskind an einem zieht), aber ganz ehrlich? Es sind Kinder, keine Maschinen, Kinder funktionieren nicht wie man das will, sondern haben ihren eigenen Kopf und das ist gut so. Und ich finde es läuft gut in meinen Kursen. Die Mamas sind froh Sport machen zu können und stellen immer wieder fest: Sport mit Baby geht ja doch 😊

    1. Hallo Julia,

      Vielen Dank für deinen tollen Kommentar, du hast eine wirklich tolle und realistische Einstellung dazu. Wenn mich Kinder nerven, dann sollte ich nicht mit ihnen oder ihren Mamas arbeiten. Sicherlich ist Sport in Ruhe auch toll, aber mit Säugling eben keine Option, daher finde ich den Ansatz ‚Sport mit/trotz Kind geht ja doch‘ genau richtig. Sehr schön zu sehen, dass es auch Kursleiterinnen wie dich gibt.
      Liebe Grüße
      Jennifer

  4. Ich bin schockiert eine solche Geschichte zu lesen! Es ist eine absolute Frechheit, von einer Person, die Mamas in der ersten Zeit nach der Geburt begleitet, eine solche Aussage zu erhalten! Die Frau hat ja mal so viel Ahnung von Babys, wie ich von angeln! Wie kann so jemand mit Menschen arbeiten?! Ich gehe zum Sport mit Baby bei meiner Hebamme und die Babys kreischen teilweise um die Wette und wir lachen darüber. Das ist doch total normal!!! Die Kinder probieren sich aus, lernen ihre Stimme kennen und üben somit das Sprechen. Jeder der mit Babys zu tun hat oder selbst Kinder hat weiß das eigentlich. Bzw sollte das wissen. Ich bin wirklich schockiert!

    Ich bin aber zudem auch der Meinung, das weder Stillen in der Öffentlichkeit, noch ein schreibendes Baby in der Tram zu einem Kommentar von anderen führen sollte! Es sind Babys! Lieber Verständnis zeigen und der Mama lieber helfen, z.B. fragen ob man das Baby ansprechen darf um es abzulenken oder ähnliches! Wir brauche. Endlich wieder mehr Miteinander und Unterstützung für Eltern!!!

    1. Liebe Franz,

      Danke für deine Anteilnahme und ja, ich sehe das ganz genauso, warum kann man sich nicht gegenseitig helfen, statt sich vom anderen so nerven zu lassen?
      Ich hab mal eine gute Antwort gehört, die nutze ich auch, wenn es passt: ‚Wenn ein schreiendes Baby in Ihrem Herzen Wut statt Mitgefühl auslöst, dann haben Sie ein wirklich großes Problem.‘ Finde ich super, hab ich auch schon benutzt, dann war Ruhe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.