Planen mit Kind (not)

Ich hatte ja den perfekten Plan, wie unsere Kleine sich ans Übernachten beim Papa gewöhnen soll, wann wir anfangen, welche Babysteps wir machen werden und überhaupt. Pragmatisch und durchdacht. Leider hat meine kleine Madame da ganz andere Vorstellungen. Immer, wenn ich denke: so, morgen bringt Papa sie Mittags ins Bett, habe ich garantiert eine Horrornacht, weil ein Zahn kommt, ein Pups quer sitzt, ein Alptraum sie quält oder sonst was. Und ich zerfließe vor Mitleid mit dem armen Wurm und verschiebe es wieder. So langsam wird es aber doch eng, ich arbeite zwar im Juni erst wieder, aber bis dahin muss es sich eingespielt haben und ich möchte es schon sanft angehen lassen, die Umstellung ist ja schon gewaltig für so ein kleines Menschlein.

Waren wir vor ein paar Wochen schon bei: einschlafen neben Mama, zwar mit stillen, aber dann ein paar Stunden alleine schlafen, so sieht es abends jetzt so aus: lesen, lesen, stillen, heulen, lesen, singen, heulen, wehren, Wutanfall, stillen, lesen, stillenschaukelnsingenmitMusikaufMamasArm, schlafen. Und wehe, ich verlasse unerlaubt die Truppe. Im schlimmsten Fall gehe ich dann doch mal aufs Klo und muss wieder bei lesen, lesen, heulen anfangen. Ohne über Los zu gehen. Schuld sind die Backenzähne! Puh, aber irgendwas ist ja immer. Noch 10 Zähne fehlen und bis März sind die garantiert nicht alle da. Ich wäre ja eigentlich so weit, auch mal ein paar mehr Stunden für mich zu haben, will das Kind aber auch nicht überstrapazieren. Im Moment komme ich nach 3 Stunden Abwesenheit wieder und das Kind wirft sich heulend in meine Arme und klebt dann an mir wie ein babbisch Hustegutzi (hessisch für klebriges Bonbon). Das war auch schon mal besser. Und dann weiß ich wieder nicht, ist es zu früh für das Sensibelchen? Braucht sie mehr Zeit? Oder muss man sie sanft schubsen? Oder ins kalte Wasser werfen? Oder bin doch ich diejenige, die da zu sensibel ist? Ob die Situation mit dem Co-Parenting zusammenhängt? Ich glaube es ehrlich gesagt nicht. Jetzt nach 15 Monaten mit Kind komme ich immer mehr zu der Erkenntnis, dass Kinder mitnichten leere Gefäße sind, sondern bis oben hin voll mit eigenem Charakter und Vorstellungen und viel Willen, diese auch durchzusetzen. Bei einer Freundin von mir ist die Kleine ein totales Papakind, da muss Papa das Schlafritual vollziehen, sonst ist Stress vorprogrammiert, bei einer anderen ist wie bei uns nur Mama angesagt. Beides Paare mit ganz normaler Familiensituation. Die Kleinen entscheiden das wahrscheinlich einfach selber und wir unterstützen jetzt also sanft das Überdenken der Entscheidung.

Wir starten ganz Ratgeberkonform mit dem Mittagsschlaf. Schlafen ist bei ihr wirklich nicht einfach. Es gibt ja so Kinder, die schlafen im Kinderwagen. Oder einfach mal im Bett ein. Oder bei jemandem auf dem Schoß, weil müde. Meins nicht. Ganze drei Mal hat sie in ihrem Leben im Wagen geschlafen, einmal nach dem Osteopathen (den muss ich unbedingt fragen, wo genau der Knopf ist, den er da gedrückt hat), einmal aus Versehen und einmal aus Wut, weil ich mich total in der Zeit verschätzt habe. Immerhin hat sie vor 2 Wochen beim allabendlichen Kampf auf die Trage gezeigt, sich reinstecken lassen und nach 2 Minuten geschlafen, das machte sie seit Monaten auch nicht mehr, was mir zwar mein Rücken gedankt hat, es aber auch nicht leichter machte mit dem Schlafdrama. Eingeschlafen ohne Brust ist sie auch noch nie, außer die drei Mal im Wagen. Im Bett keine Chance. Staunend sah ich bei der Perlenmama, wie ihre Kleine sich ins Bett legt, die Augen zu macht und schläft. Ist hier im Traum nicht dran zu denken. Vielleicht wird das mit dem Abstillen besser, da wollte ich aber gerne ihr die Entscheidung überlassen und da sie noch nicht wirklich viel Essen zu sich nimmt, dauert das sicher auch noch.

Jetzt muss also Papa ran. Erstmal Mittags, angeblich nehmen sie das besser an. Ich bin gespannt. Nächste Woche geht es los, wenn er vom Flug zurück ist und ich werde berichten. Die beiden werden das schon hinbekommen, davon bin ich überzeugt, aber leicht wird es nicht. Dann werden wir regelmäßig bei ihm zu Hause sein, damit sie die neue Umgebung kennenlernt. Dann übernachtet er bei uns, mit ihr im Wohnzimmer und ich als Backup versteckt im Schlafzimmer. Dann wir alle bei ihm und dann sie alleine im neuen Zuhause. Erstmal immer nur eine Nacht, es sei denn, sie macht es direkt gerne, Wunder gibt’s ja immer wieder und ich würde mich gerne positiv überraschen lassen.

Das ist der neue Plan. Mal sehen ob der aufgeht.

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

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