Raclette für Mamas-ein kurzer Artikel, der doch ein Jahresrückblick wurde

Bei uns gab es heute Raclette. Lecker, solange es ohne diese grauenhaft stinkenden Scheiben verstorbener Milch gemacht wird, die andere ‚würzig‘ und ‚Käse‘ nennen. Bei uns gibt’s Gouda. Leider haben wir es nicht geschafft, um 17:00 zu essen, hauptsächlich weil da das Mittagessen erst 1,5h her war. Schon beim Tischdecken sank die Laune meiner Tochter, was alle (auch die Nachbarn drei Häuser weiter) an ihren spitzen Schreien gut erkennen konnten. Da ist sie wenig subtil. Um die Weingläser vorm Zerspringen zu retten, sprang Opa todesmutig ein und bespaßte das Kind. Leider gehört mein Kind auch nicht zu der Sorte, die man mit Essen glücklich machen oder ruhigstellen kann. Mein gemütliches Silvesteressen bestand also heute darin, möglichst schnell möglichst viel Käse zu schmelzen, auf ein Brötchen zu schmeißen, zusammen mit Maiskölbchen und Oliven in den Mund zu stopfen und das Kind in den Schlaf zu begleiten. Und dabei bin ich immer noch. Achso, einen Löffel Cocktailsoße habe ich mir noch hinterhergeschoben und den benutzten Salat des Kindes habe ich auch gegessen, sie leckt nämlich nur die Salatsoße ab. Da ich vorhin zum Jahresabschluss eine Stunde baden durfte (sogar ohne Kind, das vor der Badezimmertür sitzt und Mama, Mama, Mama ruft), bin ich aber entspannt. Außerdem gibt es Mascarponecreme als Nachspeise und falls ich mich nochmal wegschleichen kann, genieße ich die in Ruhe. Vielleicht. Wenigstens sind hier noch andere Menschen, die sie mir bringen könnten. Wie viele Abende ich im Bett saß, Baby an der Brust und von den Süßigkeiten in der Küche geträumt habe.

Es knallt ganz schön draußen. Ob sie das wecken wird? Wir sind extra aufs Land gefahren, um den kriegsähnlichen Zuständen in Berlin zu entgehen und jetzt knallt es um 19:30 doch schon ununterbrochen. Mal sehen wie Mitternacht wird. Letztes Jahr hatte ich sie einfach schlafend auf dem Arm, sowas macht sie ja heutzutage nicht mehr.

Für einen ausführlichen Jahresrückblick reichten in den letzten Tagen meine Nerven nicht, es war leider mehr als anstrengend, da das Kind zahnt und entsprechend gelaunt ist. Nachdem sie vorgestern liebe Freunde vormittags fast vertrieben hat, ließ sie den Mittagsschlaf ausfallen und ging dann zum Schreien über. Gott sei Dank kam dann Papa, dem ich die fertig verpackte Tochter vors Haus gebracht und ihm verboten habe, unter einer Stunde wieder da zu sein. Co-Eltern sein hat schon was für sich, er ist in so Situation immer happy, dass er gebraucht wird und mir helfen kann. Danke für die Hilfe übers ganze Jahr, für Zeit, Windeln, Geduld und deine Flexibilität, Papa. Und natürlich für unsere wunderbare Tochter.

Ja, es war ein tolles Jahr, eigentlich das beste überhaupt. Auf jeden Fall das aufregendste, spannendste, forderndste Jahr meines Lebens. Noch nie vorher habe ich so viel neues gelernt, so gestaunt, gezweifelt, geliebt wie mit dir, Tochterkind. So groß bist du geworden, vom winzig kleinen Bündel Leben zu einer willensstarken Person. Am Anfang des Jahres lagst du noch in meinem Arm, hast auf mir gewohnt, an mir geklebt, geschlafen und getrunken und nicht viel mehr. Jetzt klebst du immer noch an mir, wenn die Zähne schmerzen oder die Eindrücke so gewaltig waren oder alles einfach doof ist, aber du bist erwacht, erlebst die Welt aktiv und teilst dich viel und gerne mit. Von 47 auf 79cm, von 2,5 zu 9,5kg, von Kleidergröße 44 zu 86, von einer Glatze zum ersten Haarschnitt (vorgestern), vom Rumliegen zum Treppensteigen, vom ungerichteten Weinen zum bestimmten ‚Nein!‘, so viel hat sich verändert, so schnell bist du gewachsen, so groß bist du geworden. Vom Baby zum Kleinkind. Und ich stehe daneben, schaue zu, bin hin und weg und es geht mir viel zu schnell. Das Jahr ist einfach so verschwunden. Und jede Sekunde mit dir war wunderbar. Außer die Abende am Anfang, als du nur schreien konntest und ich nur da sein durfte, um dich zu halten. Da hätte ich dir gerne mehr geholfen, dich besser verstanden, es dir leichter gemacht.

Ich habe 2017 keine großen Reisen gemacht, mich eigentlich noch nicht mal viel draußen bewegt, trotzdem habe ich so viel erlebt wie noch nie und noch mehr gelernt. Über dich, über mich. Wie viel ich aushalten kann, wie wenig ich schlafen muss, wie sehr ich mich nach jemand anderem richten kann, wie wenig wichtig meine Wichtigkeiten doch eigentlich sind, wie wenig mich Dreck stört, wie gerne ich mit dir die Nächte durchmache, wie schön spielen ist, wie sehr Knie weh tun können, wie spannend meine Wohnung sein kann, was ich alles wegräumen muss, die Liste ist unendlich lang.

Danke, liebstes Tochterkind, für ein wunderbares Jahr, ich freue mich schon auf das nächste. Laufen, sprechen, loslassen, bei Papa übernachten, Mama arbeiten gehen lassen, es gibt viel zu lernen, zu sehen, erfahren, zu fühlen. Ich freue mich drauf!

Vorsätze fürs neue Jahr? Hab ich keine. Hatte ich auch für das letzte Jahr nicht. Nur den einen, mich von dir leiten zu lassen, dir zu folgen.

Na, vielleicht doch etwas ausführlicher geworden! Guten Rutsch, ihr Lieben und auf ein unvergleichliches 2018!

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

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