Kinder kosten Rente #MamasUndMoneten

Es gibt eine tolle Blogparade zum Thema Mütter und Finanzen von Sophie von Kinderhaben-und glücklich sein und Laura von Heute ist Musik. Da mir das auch ein sehr großes Anliegen ist und ich mich mit dem Thema freiwillig vor Jahren und gezwungenermaßen aktuell mit Kind schon viel auseinander gesetzt habe, möchte auch ich dazu schreiben.

Meine Situation ist folgende, wer mir folgt, kennt sie, für alle anderen kurz umrissen: ich habe mit 35 mit einem Co-Papa ein Kind bekommen. Wem das Konzept gar nichts sagt, bitte diesen Artikel schnell überfliegen: Was bedeutet Co-Elternschaft genau oder hier: Co-Eltern, Co-Parenting, Samenspende oder wie man auch ohne Beziehung eine Familie gründen kann.. Ich bin also irgendwie zu zweit alleinerziehend, rechtlich sind der Papa und ich genauso verbunden, wie jedes unverheiratete Paar auch. Finanziell bin ich aber offiziell alleine. Er hat zwar die Vaterschaft anerkannt, hat das halbe Sorgerecht und ich somit Anspruch auf Unterhalt für das Kind. Müsste den aber im Zweifel einklagen, wie jede andere auch. Zum Glück kenne ich mich seit Jahren so gut, dass ich schon mit Mitte 20 angefangen habe, für den Fall „alleinerziehend mit Spenderkind“ vorzusorgen. So ungefähr habe ich das geplant. Ich habe viel gespart, so dass ich mir zum Beispiel 4 Monate extra Elternzeit entspannt selber finanzieren konnte und immer noch ein Polster habe. Wahrscheinlich hat wenig Geld in der Teenagerzeit und der eine Mann, der mich mit Anfang 20 wirklich viel Geld gekostet hat, bei mir ein Dagobert-Duck-Syndrom ausgelöst, Geldspeicher und so. Ich fühle mich nur sicher und kann ruhig schlafen, wenn ich weiß, dass es keine Eventualität gibt, auf die ich nicht vorbereitet bin. Weder eine kaputte Waschmaschine noch eine Nachzahlung der Nebenkosten macht mir Sorgen. Ich habe also immer gut auf mein Geld aufgepasst. Ich führe zum Beispiel ein sehr akkurates Haushaltsbuch, heutzutage natürlich eine App, in der ich genau sehen kann, wohin mein Geld fließt und wie ich das optimieren kann. Und so schade ich es manchmal finde, dass ich nie in einer Beziehung war, in der es zur Debatte stand, Kinder zu bekommen oder zu heiraten oder irgendwie das Geld zusammenzulegen, so sehr kommt es mir finanziell zu Gute. Ich habe immer für mich alleine gesorgt, war immer unabhängig und bin immer davon ausgegangen, dass ich alles Finanzielle im Leben alleine stemmen muss.

Den Unterhalt bekomme ich also, allerdings nicht für das Kind -diese Kosten teilen wir- sondern für mich, um mir damit den Rentenverlust auszugleichen, denn da kostet ein Kind so richtig viel Geld, allerdings so versteckt, dass sich wenige darüber bewusst sind. Und genau da liegt der Hund begraben. Ihr Papa und ich haben uns vor Zeugung der Kleinen hingesetzt, haben das durchgerechnet und haben die Rollenverteilung für uns festgelegt. Ich arbeite jetzt 50%, solange das Kind die Betreuung braucht. Das ist unser Deal. Die Aufteilung ist bei jedem Elternpaar anders, das muss jeder selber wissen, wie er es gerne hätte. Doch meistens landet die Frau in der Teilzeit, ob nun freiwillig, aus guten Gründen (weil der Mann mehr verdient) oder warum auch immer, bewerten möchte ich das nicht. Schlimm finde ich nur, wenn sich gar keiner Gedanken gemacht, was das finanziell für denjenigen bedeutet, der Teilzeit arbeitet. Ja, solche Gespräche sind bar jeder Romantik, nicht kuschelig und kommen so manchem irgendwie nicht angebracht vor, man liebt sich ja schließlich und bleibt für immer zusammen, das regelt sich schon alles irgendwie. Das freut mich für alle, bei denen das klappt, statistisch gesehen sind aber ziemlich viele irgendwann wieder getrennt. Und auch nicht immer im Guten. Sich dann auch noch über einen finanziellen Ausgleich der Rente zu einigen, wird  vielleicht eher anstrengend. Deshalb ergibt es doch durchaus Sinn, sich frühzeitig hinzusetzen und die Finanzen durchzuschauen. Und am besten alles so zu regeln, dass auch nach einer Trennung alle finanziell unbeschadet aus der Nummer herauskommen. Kann man auch vertraglich festlegen. Im Ehevertrag zum Beispiel.

Denn so ein Kind kostet ziemlich viel. Nicht nur das Pony und der Ballettunterricht, das sind offensichtliche Kosten, sondern auch die Rente sinkt signifikant, wenn man sich für eine Teilzeit entscheidet. Ich habe es mir bei der Deutschen Rentenversicherung durchrechnen lassen. Arbeite ich bis zum Ende Vollzeit, so komme ich auf ungefähr 1500€ Rente. Brutto, versteht sich. Klingt wenig? Es kommt noch schlimmer. Arbeite ich noch 10 Jahre 50% und dann 15 Jahre lang 75% und gehe dann in Rente, bekomme ich 953€. Immer noch Brutto. DESHALB ist ein Kind teuer. Ja, ich habe sehr konservativ mit dem Worst Case rechnen lassen, aber auch mit weniger Teilzeit wird es nicht viel besser. Ich habe dann 42 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt, mit einem durchaus zumindest ok guten Gehalt, doch was am Ende rumkommt, das ist wirklich wenig. Schon in Vollzeit gibt es Handlungsbedarf. Wer keine Firmenrente bekommt, muss mit der staatlichen Rente auskommen. 1500€ Brutto sind ziemlich wenig, höchstens wenn man im Alter mietfrei wohnt, kann das reichen. Es lohnt sich also auch als Single, nochmal nachzurechnen, was am Ende des Lebens übrig bleibt.

Nun bin ich in der wirklich priviligierten Lage, dass mein Papa sich auskennt und mich schon mit 21 gezwungen hat, eine private Rentenversicherungen abzuschließen. Die wird mir die fehlenden 600€ ausgleichen, allerdings nur deshalb, weil sie schon so lange läuft. Denn mit meinem aktuellen Teilzeitgehalt kann ich so viel gar nicht mehr einzahlen. Zusammen mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (in meinem Job unerlässlich und wirklich teuer, zahlt aber am Ende auch eine monatlichen Rente aus), der privaten Rentenversicherung, einem Bonussparplan und zusätzlichen freiwilligen Einzahlung in die Firmenrente komme ich auf ungefähr 280€ monatlich, die ich nur für die private Rente aufwende. Das ist viel und ich weiß, das kann nicht jeder. Aber auch kleine Beträge helfen, denn die meisten jungen Mütter haben noch viel Zeit und die ist ein großer Faktor. Ignorieren ist allerdings einer der Hauptgründe, warum es bei vielen dann doch schief geht. Und eben die Herangehensweise. Denn viele Paare agieren immer noch so wie unsere Eltern, Mann arbeitet, Frau zu Hause, doch die Absicherung ist eine ganz andere heutzutage, besonders, wenn man nicht verheiratet ist. Da sehe ich wirklich Bedarf zum Umdenken. In jeder Kalkulation von Paaren sollte der Punkt „private Altersvorsorge des Teilzeitarbeitenden“ mit dabei sein. Sicher ergibt es Sinn, dass derjenige, der mehr verdient, in Vollzeit bleibt. In die Berechnung, wer was bezahlt, die Privatrente des Teilzeitlers aufzunehmen, das geht schnell und kostet auch nicht zu viel, das kann man ja grob berechnen lassen. Ein Termin bei der Deutschen Rentenversicherung ist schnell gemacht und erhellt wirklich. Beziehungsweise ernüchtert. Dazu noch ein kurzer Check, was es sonst noch so gibt, in der Familie zum Beispiel. Wer 17 Mietshäuser erbt, der muss sich sicher weniger Gedanken machen. Wer allerdings ohne Familienjuwelen freiwillig in die Steuerklasse 5 gegangen ist, der sollte mal dezent nachfragen, ob man nicht die Steuerersparnis zum Teil auch für die eigenen Rente zurücklegen kann. Man wünscht ja niemandem den Worst Case, aber wenigsten ein bisschen darauf vorbereitet zu sein, erspart später viel Kummer. Eben so, dass alle Beteiligten am Ende unbeschadet aus der Sache wieder rauskommen. Stört ja die Liebe nicht, oder? Je mehr Liebe, desto mehr Interesse am Wohlergehen des anderen sollte doch bestehen.

Vielleicht macht es unser Konzept von Familie etwas einfacher. Man ist emotional lange nicht so eng verbunden wie in einer Beziehung und kann auch Themen, die wirklich unsexy sind, offen besprechen. Meine gedankliche Vorbereitung ging ja auch schon ein paar Jahre lang. Sinn ergibt es aber für jeden, sich Gedanken darüber zu machen, wie man es finanziell alleine schaffen kann. Muss man dann vielleicht doch nicht, aber gut, wenn man schonmal drauf vorbereitet ist.

Weitere interessante Artikel gibt es bei:

kinderhaben.de

nochsoein.blog

heuteistmusik.de

norobotsmagazine

familiert

mamalismus.de

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

12 Kommentare zu „Kinder kosten Rente #MamasUndMoneten

  1. Liebe Jenny, das ist ein sehr unromantischer, aber wahnsinnig wichtiger und guter Beitrag! Dank dir habe ich auch ein bisschen mehr über meine voraussichtliche, finanzielle Zukunft gelernt und es ist wichtig, dass dieses Thema Aufmerksamkeit bekommt!

    1. Danke, liebe Andrea! Je mehr sich damit beschäftigen, desto besser. Es gibt eine ganze Reihe von Artikeln von verschiedenen Blogs, sehr spannend.
      Liebe Grüße

  2. Hallo! Ich finde das auch wirklich ein wichtiges Thema. Danke! Derzeit informiere ich mich noch, wie man die Ausgleichszahlung/den Unterhalt am besten anlegt, damit es bis zur Pensionierung noch etwas wert ist. Wie machst du das? Liebe Grüße!

    1. Hallo Kathrin,
      schön, dass du dich schon informierst, das ist der erste Schritt. Ich zahle mein Geld über eine Entgeltumwandlung in einen Pensionsfonds ein, das bietet meine Firma als Privatrente an, so weit ich weiß, geht sowas aber nur über einen Arbeitgeber. Ansonsten habe ich noch einen Bonussparplan über 30 Jahre laufen, da sammelt sich auch ganz gut was an. Wirkliche Finanzberatung kann ich aber nicht geben, für mich sind das trotzdem oft alles böhmische Dörfer 😉 Vielleicht kennst du jemanden, der die ein bisschen beraten kann? Bei mir ist mein Vater der Ansprechpartner.
      Liebe Grüße
      Jennifer

  3. Danke, dass es so schonungslos vor die Augen gehalten wird. Wenn man ehrlich ist, sind da Dinge, über die man sich beim Kinderwunsch noch nicht so speziell Gedanken macht und selten vorab mal wirklich so langfristig denkt. Wie heißt die App, die Du benutzt?

    1. Hallo Lena,
      Ja, es ist wirklich nicht gewöhnlich, dass man sich schon im Vorhinein so viele Gedanken macht, was eigentlich schade ist, denn so sollte es doch sein. Ich hoffe, es findet bald ein Umdenken statt. Besonders diese sehr deutsche Mentalität, nicht über Geld zu sprechen, macht es nicht einfacher. Ich benutze als Haushaltstagebuch eine App für das MacBook, sie heißt iFinance4, es gibt aber so einige.
      Liebe Grüße
      Jennifer

  4. Sehr guter Beitrag zum Thema!
    Ich finde es erschreckend, dass jeder, der ab seinem 18. LJ ununterbrochen einzahlt aber weniger als 2400€ verdient, gerade einmal Mindestrente bekommt. Das ist zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig. Jede Elternzeit, jedes Gap Year oder was auch immer reißt das ganze Konzept auseinander. Und ja, Elternsein ist ein hohes finanzielles Risiko. Schön also, dass Du das einmal so aufgeschrieben hast. Danke!

    1. Hey Nickel,

      Vielen Dank für deinen positiven Kommentar. Es ist wirklich ein so wichtiges Thema, da kann man gar nicht oft genug drüber reden

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