Finanzielle Vorbereitung auf ein Kind

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Ich habe schon einmal sehr offen und ausführlich über Geld gesprochen, insbesondere über die Rente. Weil ich aber sehr viele Emails zu diesem Thema bekomme, schreibe ich nochmal etwas über die finanzielle Vorbereitung auf ein Kind. Über meine ganz persönliche, damit du mal echte Zahlen bekommt. Ob du dich alleine oder als Co-Mama finanziell auf ein Kind vorbereitest oder in einer Beziehung trotzdem unabhängig bleiben möchtest, ist eigentlich egal. Die Kosten verringern sich natürlich um die Hälfte, wenn ein Partner oder Co-Vater da ist. Wenn der aber nicht mehr mitspielen möchte, bist du auch dann alleine. Ich habe immer mit Worst-Case-Szenarien gerechnet. Wem das übertrieben erscheint, der kann gerne geringere Beträge nehmen.

Für Solomamas mit Spenderkind gibt es ein paar Ausnahmen, die erwähne ich, soweit ich sie kenne. Ansonsten findest du als zukünftige Solomama bei Hanna von solomamapluseins.de gut recherchierte Tipps in Sachen Finanzen. Auch bei Silke von gut-alleinerziehend.de findest du viele Tipps und Tricks in Sachen Geld, wenn man mit Kind alleine ist. Wie man die Kosten für Kinder klein hält, liest du bei finanzglück.de.

In meinem Szenario bin ich finanziell alleine für das Kind verantwortlich, nur den Unterhalt habe ich mit einberechnet, da den die meisten Co-Mamas und Mamas nach einer Trennung bekommen. Ich hatte schon immer ein großes Sicherheitsbedürfnis und lebe auch schon seit Jahren eher sparsam, lege viel Geld zur Seite. 6 Monatsgehälter als Notgroschen, ETFs, private Altersversorgung. Mir ist das wirklich wichtig. Sollte es dir auch, besonders als Frau. Wie man seine Finanzen unter Kontrolle bekommt, lest ihr bei Madame Moneypenny, für sie mache ich gerne unbezahlte Werbung.

Besser vorbereitet sein

Meine finanzielle Vorbereitung auf das Kind war so, als würde ich es alleine bekommen. Das gibt dir als Co-Mama auf jeden Fall eine entspanntere Position. Kann ich auch in einer Beziehung nur empfehlen, auch wenn es unromantisch ist. Aber ist es nicht schöner, auf Augenhöhe gemeinsam ein Kind zu bekommen, als sich in eine finanzielle Abhängigkeit zu begeben? Es gibt keine schlimmere Situation, als sich nicht trennen zu können, weil man sich das mit Kind nicht leisten kann.

Grundsätzlich ist es natürlich so, dass es jeder Frau selber überlassen bleibt, wie genau sie sich das Finanzielle überlegt. Wenn du dich dafür entscheidest, alleine ohne Partner oder als Co-Mama ein Kind zu bekommen, lohnt es sich, eine gute finanzielle Vorbereitung auf ein Kind zu haben, denn du wirst dich rechtfertigen müssen. Wirklich jeder, dem du es erzählst, wird dich fragen:“Hast du dir das gut überlegt? Weißt du, was das kostet? Wie willst du das nur schaffen? Da muss dann mal wieder der Staat einspringen! Wie egoistisch!“ Und man fühlt sich wirklich besser, wenn man für diese Stimmen Antworten parat hat. Auch vor sich selber, denn man hat schließlich auch die alleinige Verantwortung. Bei so einer großen Entscheidung sollte nicht zu viel dem Zufall überlassen bleiben.

Taschenrechner raus, jetzt wird gerechnet

Ich zähle hier erstmal alle finanziellen Möglichkeiten auf. Die gelten nicht für jede, denn jede Situation ist anders. Einem Kind vom Samenspender steht zum Beispiel kein Unterhaltsvorschuss zu. Welche Bedingungen bei dir gelten, weisst du selbst am besten. Erstmal die harten Fakten:

  • Für 12 Monate gibt es Elterngeld, das sind ungefähr 67% deines vorherigen vorherigen Duchschnittseinkommens der letzten12 Monate vor der Geburt, maximal aber 1800€. Elterngeldrechner gibt es direkt vom Familienministerium, inklusive Erklärvideo und in manchen Bundesländern sogar gleich mit Onlineantrag. Mein persönliches Beispiel, damit du mal Zahlen hast: Ich hatte ungefähr 2400€ Netto und habe für 14 Monate 1480€ Elterngeld bekommen, da ich als Alleinerziehende die Partnermonate mitgenommen habe. Es gibt sehr viele Möglichkeiten bei der Aufteilung des Elterngeldes, da muss jeder selber schauen, wie er das regeln möchte. Am besten, du lässt dich beraten.
  • Das Kind bekommt aktuell 204€ Kindergeld vom Staat. Der Betrag wird über die Jahre vielleicht noch angepasst, letztes Jahr um plus 10€, ist aber ansonsten fix.
  • Wenn der Vater nach Düsseldorfer Tabelle zahlt, sieht das so aus. Allerdings sind das Bruttowerte, die genauen Werte kann man sich im Unterhaltsrechner ausrechnen lassen.
  • Möchte der Vater nicht zahlen, bekommt das Kind Unterhaltsvorschuss vom Staat. Der ist nach Alter gestaffelt und geht von 150-300€.

Finanzielle Mittel in der Elternzeit

So. Jetzt schauen wir mal, das Kind ist da, ich bin in Elternzeit:

1480€ Elterngeld + 204€ Kindergeld + 300€ Unterhalt = 1984€ Einkommen

Das sind knapp 400€ weniger im Monat, als ich in Vollzeit hatte. Dazu kommt, dass ich die 300€ Unterhalt sofort in meine private Altersvorsorge stecke, zusätzlich zu den 200€, die da sowieso schon reingehen. Warum? Dazu später mehr. Es bleiben also knapp 1500€ zum Leben. Für mich und mein Kind reicht das sehr gut aus. Nach der Elternzeit arbeite ich 50%, bekomme ungefähr so viel raus wie ich Elterngeld bekommen hatte. Dank Steuerklasse 2, da ich alleine wohne und damit offiziell als alleinerziehend gelte, bekomme ich im Monat 42€ mehr.

Aber was kostet ein Kind?

Erstmal nicht viel. Es wohnt unter unserem Dach, isst erstmal im besten Fall nichts außer Muttermilch, braucht tausende von Windeln und ein paar kleine Klamotten… Wieviel genau, könnt ihr in den Konsumausgaben von 2013 lesen. Im Schnitt sind es 660€ im Monat für die Kinder. Und das ist dann doch eine Menge.

Jetzt kommt noch das nicht kalkulierbare Schicksal. Natürlich kann man vom besten Fall ausgehen und damit rechnen, aber was, wenn es anders kommt? Könnte ich mir auch Zwillinge leisten? Was, wenn das Kind krank zur Welt kommt? Da ist die Spannweite natürlich riesig, aber wenigstens im Hinterkopf sollte man das schon haben.

Und dann kommen natürlich über die Jahre noch andere Kosten hinzu. Sicher, auf das Pony und die Geige kann man auch verzichten, aber was, wenn ich arbeiten muss, bekomme aber keinen KITA Platz ? In Berlin keine Seltenheit. Kann ich auch eine Tagesmutter bezahlen? Kann ich 50% arbeiten, weil die Betreuung nicht klappt wie gedacht? Was, wenn ich mich gar nicht von meinem Kind trennen möchte, obwohl ich fest vorhatte, nach 12 Monaten wieder zu arbeiten?

Und bitte, bitte nicht Großeltern als finanzielle Stütze einkalkulieren. Für einen Tag Babysitter in der Woche gerne, aber in mehr Abhängigkeit willst du dich nicht begeben, glaub mir. Freiwillige Spenden werden natürlich gerne genommen.

Ein Kind bekommt Unterhalt bis zum Ende der Ausbildung

Da ich im Monat nicht so viel Geld verdiene, dass ich zum Beispiel das Kind im Studium unterstützen könnte, arbeite ich hier mit projiziertem Vermögen. Das heisst, ich spare monatlich Geld in einem Bonussparplan und in ETFs. Das sind keine Empfehlungen, sondern mein Weg. 4 Jahre Studium mit 1000€ Unterhalt im Monat kosten mich 48.000€. Die muss man erstmal haben. Ich brauche dazu 25 Jahre und 100€ im Monat. Das läuft schon seit 10 Jahren, war eigentlich mal meine Weltreise, jetzt ist es das Studium meiner Tochter. Zusätzlich bespare ich noch ein weiteres Produkt, damit an ihrem 18. Geburtstag Führerschein und große Reise auch schon bezahlt sind.

Bitte nicht falsch verstehen, nur weil ich das bezahlen könnte, heisst das nicht, dass ich das auch unbedingt tun werde. Ich möchte kein verwöhntes Prinzesschen, das Geld nicht zu schätzen weiß, weil Mama alles bezahlt. Aber ich möchte die Möglichkeit haben.

Das Leben besteht aus Eventualitäten und kommt immer dazwischen, während man es ganz anders geplant hat. Ich wollte das Kind zu meinen Bedingungen bekommen und ihr all das finanzieren können. Und mir auch. Zum Beispiel war ich noch 4 zusätzliche Monate zu Hause. Das waren 6000€, die ich sehr gerne dafür ausgegeben habe und die ich in meine finanzielle Vorbereitung auf das Kind mit einkalkuliert habe.

Die finanzielle Vorbereitung auf ein Kind beinhaltet auch die eigene Rente

Die Rente ist meines Erachtens nach der größte versteckte Kostenpunkt, ganz sicher aber der am meisten missachtete. Wie findet man heraus, wie die eigene Rente aussehen wird? Wer es ganz genau wissen möchte, der macht einen Termin bei der DRV und lässt es ausrechnen. Und macht gleich eine Kontenklärung. Wie man den Rentenbescheid liest und viele Infos mehr bekommst du in dieser Folge des Podcast Ordnunghochzwei. Es ist aber auch wirklich nicht besonders schwer, einen groben Überblick zu bekommen.

Als erstes braucht ihr den aktuellen Rentenbescheid, da stehen die Rentenpunkte drauf, die ihr bis jetzt erwirtschaftet habt. Stand Nov 2019 muss man 37.873€ Brutto im Jahr verdienen, um einen Punkt zu bekommen. Wer mehr verdient, bekommt 2, wer drunter bleibt, bekommt einen halben.

Hinten auf dem Bescheid stehen deine Punkte, bei mir sind es 14,42 (Stand 2019).

Rente berechnen

1542€ Rente, wenn weiterhin so wie in den letzten 5 Jahren eingezahlt wird. Brutto. Klingt erstmal nicht so schlecht, oder? Aber: diese Rechnung stimmt natürlich nicht mehr, denn ich arbeite nun viel weniger, verdiene entsprechend weniger und bekomme nur noch einen halben Rentenpunkt. Ich werde mit 63 in Rente gehen können, da ich dann 42 Jahre lang in die Rentenkasse einbezahlt habe. Nur dann darf man vor 67 gehen. Allerdings habe ich ca. 15% Abzüge. Leisten kann ich mir das wahrscheinlich, mal sehen, ob ich das in 25 Jahren auch noch darf.

Nun Butter bei die Fische:

  • 14,42 Punkte habe ich schon, da ich das Kind erst mit 35 bekommen habe und einzahle, seit ich 21 bin plus Abitur, Studium, Nebenjobs etc.
  • weitere 23 Jahre Teilzeit ergeben 11,5 Punkte, ggf etwas mehr, wenn ich später wieder aufstocke.
  • 3 Punkte bekomme ich für das Kind angerechnet

Ich gehe also mit knapp 29 Rentenpunkten in die Rente. Stand 2019 bekommt man pro Punkt 33€. Ergibt eine Nettorente von 954€ Brutto. Das sind nach aktueller Besteuerung 840€ Netto. Nicht Inflationsbereinigt. Mit einer Inflationsrate von 1,5% berechnet, sind 840€ in 25 Jahren noch 578€ wert. Für 42 Jahren angestellter Arbeit. Und wer auch nur ein bisschen die Nachrichten verfolgt, der weiß, dass sich das sicher nicht bessern wird.

Nochmal kurz mit Lieschen Müller durchrechnen:

  • Sie bekommt ihr Kind mit 25, hat davor vielleicht 5 Rentenpunkte erwirtschaftet, das ist schon großzügig veranschlagt.
  • sie bekommt noch ein zweites Kind und für beide 6 Rentenpunkte. Nun ist sie insgesamt 15 Jahre zu Hause.
  • von 40-60 arbeitet sie 20h die Woche für 1200€ Brutto, ergibt 10 Rentenpunkte. Danach kann sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr

Das sind 21 Punkte x 33€=693€ Bruttorente=622€ Netto-Inflation=428€. Wenn es jetzt noch schlecht läuft und der Ehemann weg ist, was dann? Dann sieht es düster aus. Man kann sich natürlich auch mit einem Ehemann absprechen und die entstehende Rentenlücke mit einer privaten Vorsorge schließen, aber das machen die meisten leider eher nicht.

Zeit für das Kind kostet Geld

Du siehst also, die Rentenlücke, die entsteht, muss mitbedacht werden. Natürlich kannst du auch relativ schnell wieder Vollzeit arbeiten, auch das ist völlig ok. Allerdings gibt es auch genug Berufe, bei denen Vollzeit nicht automatisch bedeutet, dass man mehr als 38.000€ pro Monat bekommt. Auch das gilt es zu bedenken.

Ich persönlich wollte so viel Zeit wie möglich mit meinem Kleinkind haben. Die Kindheit ist so kurz und ich wollte sie voll genießen. Hätte ich es mir aussuchen können, ich wäre auch 3 Jahren voll zu Hause geblieben. Habe ich mir vor der Geburt so ausgemalt. Als ich dann nach 1,5 Jahren wieder arbeiten gegen musste, war es allerdings total ok. Meine Kleine macht das gut mit und mir tut es sehr gut, auch mal rauszukommen.

Überblick monatliche Ausgaben

Damit du einen vollständigen Überblick hast, mache ich mein Haushaltsbuch auf und zeige dir einen durchschnittlichen Monat.

Einkommen:

1500€ Gehalt

204€ Kindergeld

300€ Unterhalt

80€ Nebenjob

Summe: 2084€

Ausgaben:

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Fixkosten habe ich folgende:

  • Miete 633€
  • Strom und Gas 127€
  • Telefon und Internet 75€
  • Versicherung 12€
  • ETFs als Altersvorsorge 200€
  • Privatrente 200€
  • Studium des Kindes 140€

In der Summe sind das ungefähr 1440€, da bleibt mir also für zwei Personen noch genug übrig. Große Sprünge sind allerdings spontan nicht drin. Ich weiß aber auch, dass ich verhältnismäßig viel verdiene und für eine Großstadtwohnung wenig Miete zahle.

Seit meine Kleine auf der Welt ist, habe ich ausgegeben:

  • 8904€ für Babysachen, da sind Bett, Kinderwagen, Klamotten, Bücher, Spielsachen, einfach alles mit drin
  • 1500€ für Windeln hat der Papa bezahlt

Nicht ausgegeben habe ich:

  • Betreuungskosten, die sind von Bundesland zu Bundesland verschieden, können aber bis zu 300€ imMonat betragen.

Fazit: eine gute finanzielle Vorbereitung auf das Kind ist wichtig

Du siehst , ein Kind kostet Geld. Natürlich kann man an vielen Ecken sparen, das habe ich tatsächlich nicht gemacht, ich habe dafür jahrelang auf das Kind hingespart. Schau dir also genau an, was du verdienst, wieviel du gespart hast, wieviel du in Teilzeit verdienst. Hast du Wohneigentum und sparst dir Miete? Musst du vielleicht umziehen, weil deine Wohnung zu klein ist oder zu in Richtung Oma ziehen möchtest? Kostet bei euch die Kita 200€ im Monat? Sprich mit Eltern, die um dich herum wohnen, um diese Details rauszufinden.

Zusammenfassung

  • Kenne deine Ein-und Ausgaben, dabei hilft ein Haushaltsbuch
  • Schätze dein Vermögen realistisch ein, hast du ein finanzielles Polster für alle Eventualitäten?
  • Wenn du ein Spenderkind bekommen möchtest, fallen dafür vielleicht extreme Kosten an. Fressen die dein ganzes Vermögen auf?
  • Welche Hilfe hast du? Familie? Musst du Betreuung bezahlen?
  • Welche finanziellen Hilfen stehen dir zu? Bekommst du Unterhaltsvorschuss, falls der Vater nicht zahlt?
  • Besprich mit einem Co-Vater alle finanziellen Details, zur Not vertraglich fixieren, wenn du auf den Unterhalt angewiesen bist.
  • Kenne die Preise deiner Heimat: Kita, Tagesmutter, Kindergarten

Wenn du dir um all das Gedanken gemacht hast und sagen kannst, das schaffe ich, dann steht finanziell dem eigenen Kind nichts mehr im Wege. Ich hoffe, dieser Überblick über die finanzielle Vorbereitung auf ein Kind hilft dir bei deiner Entscheidung.

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