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Der aktuelle Fall und was bekannt ist
Mit dem Samen eines Spenders einer dänischen Samenbank wurden 197 Kinder gezeugt, an die unwissentlich eine genetische Veränderung weitergegeben wurde.
Das DW-Investigativteam stellt im Dezember 2025 die Ergebnisse einer gemeinsamen Recherche von 14 europäischen Sendern unter dem Dach des EBU Investigative Journalism Network vor. Wenn ihr lesen möchtet, schaut beim ORF vorbei. In diesem Video könnt ihr euch auch informieren:
Auslöser der Recherchen war das Bekanntwerden einer genetischen Auffälligkeit bei einigen der Kinder des besagten Spenders. Dieser selbst wusste zum Zeitpunkt der Spenden nichts von seiner genetischen Mutation. Die ganze Geschichte muss auch für den Spender wirklich hart sein, nicht nur sind 197 Kinder entstanden, sondern einige von ihnen bereits wieder verstorben und ein Teil der Kinder lebt mit hohen Krebsrisiken und sie werden ihr Leben lang damit zu tun haben.
Umso mehr trifft diese Entwicklung aber die betroffenen Familien und Kinder. Sie erhalten mein ganzes Mitgefühl und finden hoffentlich Wege, mit der Situation so gut wie möglich umzugehen.
Obergrenzen werden nicht eingehalten
Für die Community der Solomütter und den Verein Solomütter Deutschland e.V. zeigt sich hier allerdings unabhängig von der Krankheitsweitergabe ein ganz anderes Problem: Laut der Samenbank liegt die maximale Grenze pro Spender weltweit bei 75 Familien und es lässt uns sprachlos werden, wie trotzdem fast 200 Kindern entstehen können.
Der Fall zeigt also ganz besonders strukturelle Schwächen im System der Samenbanken. Das Limit wurde überschritten und es gibt keine Angaben dazu, wie das passieren konnte. Die Anzahl der Kinder ist bei diesem Spender zufällig herausgekommen. Wahrscheinlich gibt es noch weiterer solcher Fälle. Das zeigt schon der Skandal um Jonathan Jacob Meijer. Dieser hat ebenfalls hunderte Kinder gezeugt, allerdings über mehrere Samenbanken und unzählige Privatspenden.
Warum die Zahl der Kinder ein so wichtiges thema ist
Für viele Frauen, die sich für eine Samenbankspende entscheiden, ist die Anzahl genetischer Halbgeschwister ein zentrales Thema. Sie betrifft Identität, Sicherheit und die Angst vor dem Gefühl der Beliebigkeit. Auch Inzest ist ein Thema. Hohe Zahlen können verunsichern und das Vertrauen in Samenbanken und medizinische Strukturen erschüttern.
Viele Entscheidungen im Kinderwunsch werden auf Basis der Annahme getroffen, dass es klare Grenzen und verlässliche Kontrolle gibt. Der aktuelle Fall zeigt, dass diese Annahme nicht immer stimmt. Nationale Obergrenzen gelten meist nur innerhalb einzelner Länder. Eine länderübergreifende Erfassung existiert nicht. Da Personen nach Dänemark zur Behandlung reisen, kann ein Land involviert sein, in dem der Spender noch nicht mal genutzt wurde. Zum Beispiel gibt es in Belgien 53 betroffene Familien. Außerdem scheint es in diesem Fall so zu sein, dass auch die geltenden Obergrenzen der einzelnen Länder überschritten wurden.
Samenspenden in Europa
Samenbanken agieren international. Gesetzliche Regelungen hingegen sind national organisiert. Diese Diskrepanz führt dazu, dass Spendersamen über Ländergrenzen hinweg genutzt werden, ohne dass eine verbindliche Gesamtzahl dokumentiert oder kommuniziert wird.
Für Empfängerinnen bedeutet das: Transparenz ist oft begrenzt. Informationen zu Obergrenzen, Meldewegen oder nachträglichen Erkenntnissen sind nicht immer klar geregelt. Der Fall mit 197 Kindern macht deutlich, dass freiwillige Selbstverpflichtungen nicht ausreichen.
Immerhin gibt es Guidelines, die klare Empfehlungen aussprechen. Diese sind allerdings erstmal nicht verpflichtend. Aktuell erstellt die European Society of Human Reproduction and Embryology gerade eine passende Guideline, in der eine erste Begrenzung auf 50 Familien weltweit, die dann weiter abgesenkt werden soll:
ESHRE ultimately supports a maximum international limit of 15 families or lower
per gamete donor. The initial 50-family limit should be gradually reduced towards this limit,
alongside a continuous monitoring of the impact of the limit on access to treatments with
donor gametesQuelle: eshre.eu
Der Arbeitskreis Donogene Insemination empfiehlt in seinen Richtlinien eine maximale Anzahl von 15 Kindern. Zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Kinderwunsch (BKiD) hat Solomütter Deutschland e.V. schon 2023 eine Stellungnahme herausgegeben, die nach dem damals aktuellen Fall Jonathan Jacob Meijer eine Begrenzung forderte und fordert.
Forderungen nach klaren Obergrenzen
Solomütter Deutschland e.V. hat zu diesem Fall eine Stellungnahme veröffentlicht, die in den nächsten Tagen zugänglich wird. Der Verein setzt sich seit der Gründung für verbindliche Standards im Bereich der Samenspende ein. Dazu gehört auch eine klare Begrenzung auf 10 Familien pro Spender.
Diese Forderungen zielen darauf ab, Sicherheit, Vertrauen und informierte Entscheidungen im Kinderwunsch zu ermöglichen.
FAQ: Häufige Fragen zu Obergrenzen bei Samenspenden
Wie viele Kinder darf ein Samenspender haben?
Das hängt vom jeweiligen Land und der Samenbank ab. In Europa gibt es keine einheitliche Regelung. Nationale Obergrenzen beziehen sich oft auf Familien oder Kinder pro Land. Eine länderübergreifende Gesamtbegrenzung existiert bislang nicht. Deut
Warum sind hohe Zahlen an genetischen Halbgeschwistern problematisch?
Hohe Zahlen können emotional belastend für die Kinder sein und werfen Fragen zu Identität, Sicherheit und Transparenz auf. Auch viele Frauen möchten bewusst wissen, in welchem Zahlenraum an genetischen Halbgeschwistern sie sich bewegen.
Sind Samenbanken bereit, alle Informationen weiterzugeben?
Informationspflichten unterscheiden sich je nach Land und Einrichtung. Der aktuelle Fall zeigt, dass Transparenz nicht überall gleich umgesetzt wird.
Was kann ich tun, wenn mich das Thema verunsichert?
Du kannst aktiv deine Samenbank kontaktieren, gezielt nach Zahlen und Regelungen fragen und dir bei Bedarf psychosoziale Unterstützung holen. Austausch mit anderen Betroffenen kann ebenfalls entlastend sein.

Vernetzung
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