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Zehnter Familienbericht: Soloelternschaft mit eigenem Kapitel

Zehnter Familienbericht

Der zehnte Familienbericht ist online und darüber freue ich mich besonders, denn Katharina Horn und ich, Jennifer Sutholt, sind für Solomütter Deutschland e.V. zu den vorbereitenden Workshops eingeladen gewesen, um auch der Familienform Solomutterschaft eine Stimme zu geben. Das Thema des zehnten Berichtes passt für uns natürlich perfekt: „Unterstützung allein- und getrennterziehender Eltern und ihrer Kinder“. Das war unsere Chance, auf die Situation der Solomütter aufmerksam zu machen und dieses Familienmodell mitdenken zu lassen.

Worum geht es eigentlich beim Familienbericht?

Der Deutsche Bundestag hat die Bundesregierung beauftragt, mindestens in jeder zweiten Wahlperiode einen Bericht über die Lage der Familien in der Bundesrepublik Deutschland mit einer Stellungnahme der Bundesregierung vorzulegen. Der Bericht wird von einer unabhängigen Sachverständigenkommission erstellt. Dabei soll jeder dritte Bericht die Situation der Familien möglichst umfassend darstellen, während die übrigen Berichte Schwerpunkte setzen können. Der Zehnte Familienbericht hat das Schwerpunktthema „Unterstützung allein- und getrennterziehender Eltern und ihrer Kinder – Bestandsaufnahme und Handlungsempfehlungen„. Er wurde am 15. Januar 2025 von Bundesfamilienministerin Lisa Paus gemeinsam mit der Vorsitzenden der Zehnten Familienberichtskommission, Prof. Dr. Michaela Kreyenfeld, vorgestellt. Mit seinen Analysen und Handlungsempfehlungen liefert der Bericht eine wichtige Grundlage für eine wirksame und zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Unterstützungsmaßnahmen für Allein- und Getrennterziehende. 

Quelle: bmsfsj

Verbände und Vereine helfen bei der Meinungsbildung

Als Verein Solomütter Deutschland waren wir neben anderen Vereinen und Verbänden wie dem VAMV, dem Kinderschutzbund und fairfürkinder eingeladen. In verschiedenen Workshops und Diskussionen gemeinsam mit der Kommission haben wir Herausforderungen und Besonderheiten der Solomutterschaft platziert und sind besonders froh darüber, dass wir auch gehört wurden. Die Soloelternschaft hat ein eigenes Kapitel bekommen. Zwar ist es nur ein Kapitel und auch nur beschreibend, aber es ist der richtige Weg, mehr Sichtbarkeit zu bekommen. Den Text möchte ich gerne zitieren:

Solo-Elternschaft
Der häufigste Weg in eine alleinerziehende Elternschaft ist die Trennung oder Scheidung. Es gibt jedoch eine kleine, aber möglicherweise wachsende Zahl von Personen, die sich bewusst für eine Solo-Elternschaft entscheiden. Auch wenn belastbare Zahlen zur relativen Bedeutung dieser Familienform fehlen, zeigen Studien, dass Alleinerziehende, die diese Lebensform bewusst gewählt haben‚ meist Frauen in der Endphase ihres fruchtbaren Alters sind, die sich hinreichend finanziell und/oder sozial abgesichert fühlen, um ohne Partner bzw. Partnerin für
ein Kind sorgen zu können (Jadva u. a. 2009; van Gasse/Mortelmans 2020). Auch alleinstehende Männer scheinen sich verstärkt für diese Form der Elternschaft zu interessieren (Carone/Baiocco/Lingiardi 2017). Die Gruppe der Solo-Eltern unterscheidet sich insofern von der Mehrheit, als dass der bewussten Entscheidung für diese Lebensform oftmals eine sorgfältige Vorbereitung vorausgeht (Jadva u. a. 2009; van Gasse/Mortelmans 2020). Zudem
haben Kinder in diesen Familien keine Erfahrung mit dem Verlust eines Elternteils oder negative Auseinandersetzungen zwischen ihren Eltern während und/oder nach einer Trennung oder Scheidung erlebt. Die Wege in die Solo-Elternschaft sind jedoch zumeist relativ begrenzt und mit hohen Kosten verbunden. Gerade für Männer gibt es kaum Optionen, da in Deutschland – anders als in Ländern wie den USA – Leihmutterschaft durch das Embryonenschutzgesetz (ESchG) rechtlich nicht erlaubt ist. Frauen stehen die Möglichkeit zur assistierten
Reproduktion oder eine geplante Schwangerschaft außerhalb einer partnerschaftlichen Beziehung offen, bei der nach der Geburt keine Sorgerechtserklärung mit dem Erzeuger abgegeben wird. Die Kosten für eine assistierte Reproduktion müssen von den Alleinstehenden jedoch selbst getragen werden, denn sie werden von den Krankenkassen nur für verheiratete, heterosexuelle Paare bei erwiesener Unfruchtbarkeit übernommen. Eine
Adoption kommt zwar grundsätzlich auch für Alleinstehende in Frage, wird in der Praxis jedoch selten und nur unter besonderen Umständen gewährt (siehe dazu die Adoptionsrichtlinien in (Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter 2022). Zudem können gegenüber Samenspendern keine Unterhaltsansprüche erhoben werden
(Samenspenderregistergesetz § 1600d Absatz 4 BGB). Kinder, die durch anonyme Samenspenden gezeugt wurden, haben keinen Anspruch auf Unterhaltsvorschussleistungen, wie das Bundesverwaltungsgericht im Mai 2013 urteilte, da gegen den anonymen Spender keine Regressansprüche erhoben werden können. Da sich der alleinerziehende
Elternteil „willentlich in eine Situation begeben [habe], die die Ermittlung des anderen Elternteils unmöglichmache“ (BVerwG 5 C 28.12, I.2.), komme die Entscheidung für eine anonyme Samenspende einer Verweigerung der Mitwirkungspflicht gemäß § 1 Absatz 3 des Unterhaltsvorschussgesetzes (UVG) gleich.

Quelle: Zehnter Familienbericht, Seite 28, Kapitel 2.1.4 

Du möchtest den Familienbericht ganz lesen? Lade dir das PDF von der Seite des BMSFSJ herunter:

Sichtbarkeit ist der Anfang

Der Bericht erkennt an, dass die Zahlen der Solomütter steigen. Leider gibt es (noch) keine belastbaren Zahlen, auch das wird im Bericht erwähnt. Hoffentlich führt das zu besseren und besser aufgeschlüsselten Statistiken, die die Lebensrealitäten von Familien in Deutschland aufzeigen. Auch wenn die im Koalitionsvertrag der Ampel stehenden Änderungen kaum umgesetzt wurden, hoffen wir doch sehr darauf, dass auch bei der neuen Regierung Familien die Unterstützung bekommen, die sie verdienen. Und damit meine ich alle Familien, nicht nur die immer noch als einzige Norm geltende heterosexuelle Kleinfamilie. Am liebsten wäre uns eine neue Definition von Familie, bei der einfach alle inkludiert sind, die liebevoll und zugewandt Kinder großziehen.

Definition von Familie

Wer darf eigentlich Familie sein?

Solomütter Deutschland e.V. setzt sich für Solomütter ein

Der Verein setzt sich für Solomütter und deren Belange ein, zeigt Diskriminierungen auf und engagiert sich politisch, um Solomüttern eine Stimme zu geben. Wenn du mehr wissen möchtest über unser öffentliches Engagement, dann schau dir gerne unsere Website an.

Außerdem freuen wir uns über jede Unterstützung, sowohl über aktive als auch passive Mitglieder. Gemeinsam können wir viel erreichen und besonders unseren Forderungen an die Politik lauter Gehör verschaffen. Diese haben wir in den letzten Jahr sorgfältig formuliert und immer wieder angepasst:

Forderungen von Solomütter Deutschland e.V.

  • Krankheitswert- und Familienstandsunabhängige Kostenübernahme einer Kinderwunschbehandlung
  • Diskriminierungsfreie Voraussetzungen der Kinderwunschbehandlung 
    • Vereinheitlichung der deutschlandweiten Richtlinien der Landesärztekammern 
    • Abschaffung der Garantieperson
  • Überführung der privaten Samenspenden ins Samenspenderregistergesetz und gleichzeitige Begrenzung der Zahl der gezeugten Kinder 
  • Kindzentrierte Neudefinition von Familie (Vorschlag: erwachsene Person mit Kind(ern) + X), auf der die staatliche finanzielle Unterstützung (z.B. Versorgungsleistungen, Waisenrente) aufbaut
    • a. Veränderung der Struktur in Ämtern und Institutionen, um Diskriminierung in Zukunft zu unterbinden: Solomutterschaft ist keine fehlende Mitwirkung
  • Aufklärung der Öffentlichkeit über Vielfalt von Familie
  • Abschaffung von Vorurteilen gegenüber Solomütterfamilien durch Lenkung des Forschungsinteresses auf alternative Familienmodelle

Quelle: Solomütter Deutschland e.V.

Wir freuen uns auf euch!

Unterschrift Jennifer Sutholt

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