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Co-Elternschaft Meilenstein: die erste Übernachtung beim zweiten Co-Elternteil

Erste Nacht beim anderen Elternteil

Hinweis in eigener Sache: Ich verlinke in diesem Beitrag auf Inhalte und Produkte von mir, daher kennzeichne ich das als Werbung.

Die erste Übernachtung beim anderen Co-Elternteil wirkt von außen betrachtet wie ein kleiner weiterer Schritt. Ein Kind schläft eben ab jetzt auch mal bei dem anderen Elternteil. Wer sich jedoch mitten in diesem Prozess befindet, merkt schnell, dass es nicht nur um eine Nacht geht, sondern um die Frage, wie Übergänge gestaltet werden und wie viel Sicherheit alle Beteiligten dabei empfinden. Besonders das Kind.

In vielen Co-Elternschaften entsteht früher oder später der Wunsch nach mehr Gleichverteilung. Mehr Alltag beim anderen Elternteil, mehr Selbstverständlichkeit, vielleicht auch mehr Entlastung. Das ist nachvollziehbar. Trotzdem sollte die erste Übernachtung erst stattfinden, wenn ALLE Beteiligten bereit sind. Manch eine Mutter tut sich vielleicht schwer damit, das Kind über Nacht abzugeben. Manche Väter haben großen Respekt vor der Verantwortung und haben Angst, dem Kleinkind nicht gerecht werden zu können. Manche Kinder machen es einfach, andere brauchen viele Anläufe.

Ich möchte hier über die einzelnen Schritte sprechen, die allen dabei helfen können, mit dieser neuen Situation gut umzugehen. In unserem Beispiel lebte das Kind bisher primär bei der Mutter und soll nun daran gewöhnt werden, auch beim Co-Vater zu übernachten.

Wie ihr die kleinen Schritte genau plant, könnt ihr bei stark-familie.info nachlesen oder wenn ihr noch ganz am Anfang seid, könnt ihr eure ganze Vorbereitung mit meinem Workbook Co-Elternschaft machen.

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Die Wohnung des Co-Vaters muss Alltag werden

Bevor ein Kind dort schläft, sollte es die Wohnung des Co-Vaters nicht als Besuchsort erleben. Das klingt banal, ist aber entscheidend. Es reicht nicht, dass ein Kinderbett aufgebaut wurde und ein paar Spielsachen bereitstehen. Die Frage ist vielmehr, ob das Kind sich dort selbstverständlich bewegt.

Geht es allein durch die Wohnung? Holt es sich etwas aus der Küche? Setzt es sich auf das Sofa, ohne vorher die Mutter anzuschauen? Solche Kleinigkeiten zeigen, ob ein Ort innerlich schon verankert ist.

Deshalb beginnt die Vorbereitung nicht mit der Nacht, sondern mit gemeinsamer Zeit in der Wohnung des anderen Elternteils. Mutter, Vater, ggf. weitere Elternteile und das Kind verbringen gemeinsame Zeit im zweiten Zuhause. Es wird gegessen, gespielt, vielleicht gebadet. Nicht einmal, sondern regelmäßig. Diese Wiederholung schaffen Vertrautheit für das Kind.

Übernachten mit Mutter als Zwischenschritt

Ein Schritt, der oft ausgelassen wird, ist die gemeinsame Übernachtung von Mutter und Kind in der Wohnung des Co-Vaters. Dabei kann genau das die sauberste Lösung sein.

Das Kind erlebt, dass es dort einschlafen und aufwachen kann, ohne dass sich die Welt verschiebt. Einschlafen ist für Kinder immer ein Moment des Loslassens. Wenn dieser Moment an einem neuen Ort gelingt und die Hauptbezugsperson entspannt dabei ist und auch am Morgen noch da ist, entsteht eine andere innere Verknüpfung, als wenn Schlaf sofort mit Trennung gekoppelt wird. Dieser Zwischenschritt darf sich gerne wiederholen.

Erst Stunden allein, dann Mittagsschlaf

Wenn die Wohnung vertraut ist, können ein paar Stunden allein beim Vater folgen. Spielen, ein Ausflug, Abendessen. Übergaben sollten ruhig verlaufen, ohne versteckte Anspannung. Ein sinnvoller nächster Schritt ist der Mittagsschlaf beim Vater, falls das Kind diesen noch regelmäßig macht. Schaut genau hin: Funktioniert das Einschlafen? Wie ist das Aufwachen? Wirkt das Kind orientiert oder irritiert?

Wichtig ist dabei keine kreative Neuerfindung von Ritualen. Verlässlichkeit ist erstmal wichtig. Geht die Einschlafroutine genauso an wie die Mutter es auch macht. Das gleiche Kuscheltier, gleiche Abläufe, eine vertraute Reihenfolge helfen mehr als pädagogischer Ehrgeiz. Eigene Rituale dürfen später entstehen. Jetzt geht es darum, dem Kind Sicherheit zu geben.

Einschlafen beim Vater mit beiden Eltern

Manche Familien wählen noch einen weiteren Zwischenschritt: Das Kind schläft beim Vater ein, während beide Eltern anwesend sind. Vielleicht geht die Mutter später, vielleicht bleibt sie noch. Das hängt vom Alter des Kindes und vom Gefühl aller Beteiligten ab. Sollte das Kind nachts aufwachen und ohne Mutter nicht auskommen, dann abbrechen und nach einiger Zeit einen neuen Versuch starten.

Bei sehr kleinen Kinder kann dieser Schritt dazu führen, dass das Kind am Morgen die Mutter erwartet und sehr enttäuscht und irritiert ist, wenn sie nicht mehr da ist. Daher sollte dieser Schritt nur mit älteren Kindern gemacht werden, die die Situation verstehen können.

Entscheidend ist, dass niemand übergangen wird. Weder das Kind noch ein Elternteil. Wenn eine Person innerlich nicht bereit ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, statt den Schritt trotzdem zu vollziehen.

Die erste Nacht allein

Erst wenn die Wohnung vertraut ist, das Einschlafen beim Mittagsschlaf dort schon mehrfach ruhig funktioniert hat und auch die Erwachsenen innerlich nicht mehr auf Alarm stehen, ist es Zeit für eine erste Übernachtung.

Und dann passiert vielleicht etwas Erstaunliches: Es ist am nächsten Morgen weniger spektakulär, als man es sich im Kopf ausgemalt hat. Das Kind wacht auf. Vielleicht etwas früher als sonst. Vielleicht völlig entspannt. Vielleicht auch mit einem kurzen Moment der Orientierung. Aber die Welt ist nicht aus den Fugen geraten.

Wie die erste Übernachtung bei mir persönlich ablief, kannst du in meinem Erfahrungsbericht lesen:

Nacht ohne Baby

so lief bei uns die erste übernachtung beim Co-Vater

Interessant ist oft eher, was diese Nacht bei den Erwachsenen auslöst. Beim Vater vielleicht Stolz oder Erleichterung. Bei der Mutter möglicherweise eine Mischung aus Freiheit und Kontrollverlust. Manchmal auch beides gleichzeitig. Das gehört dazu, wird aber selten offen ausgesprochen.

Am Ende war es einfach ein weiterer großer Schritt in einem Modell, das ohnehin von Übergängen lebt. Und wenn dieser Schritt sorgfältig vorbereitet wurde, fühlt er sich irgendwann genauso normal an wie alles andere auch.

Fazit

Am wichtigsten ist es, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen.

Kann die Mutter noch nicht loslassen, ist es noch nicht so weit.

Fühlt der Vater sich noch unsicher, ist es noch nicht so weit.

Ist das Kind noch unsicher, ist es noch nicht so weit.

Hört auf euer aller Bauchgefühl, so wie fast immer in einer Elternschaft. Und auch wenn der Wunsch bei einem Elternteil größer ist, als beim anderen, alle Bedürfnisse sind wichtig und dürfen gehört werden.

Gibt es Tipps, die euch besonders gut geholfen haben? Teilt sie gerne in den Kommentaren.

Unterschrift Jennifer Sutholt

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