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Co-Elternschaft

Nacht ohne Baby: so lief die erste Übernachtung bei Papa

Nach 18 Monaten war es soweit: die erste Nacht ohne meine Tochter. Wie wir uns vorbereitet haben und wie es für beide Seiten war.

Jennifer Sutholt
Jennifer Sutholt
Psychologische Beraterin & Mediatorin · in einer Co-Elternschaft seit 2016

Hinweis in eigener Sache: Ich verlinke in diesem Beitrag auf Inhalte und Produkte von mir, daher kennzeichne ich das als Werbung.

Falls du den vorherigen Artikel meiner Geschichte noch nicht kennst, kannst du ihn hier lesen: Schlafen ohne Mama: wir warten noch

Online-Tagebuch planningmathilda

Hinweis

Dieser Artikel stammt aus meinem Online-Tagebuch, das ich ab 2016 während meiner Schwangerschaft in einer Co-Elternschaft und den ersten Jahren mit Kleinkind geschrieben habe. Heute begleite ich als psychologische Beraterin Menschen, die dieselben oder ähnliche Wege gehen. Wenn du Fragen zu Co-Elternschaft, privater Samenspende oder Solomutterschaft hast, buch dir gerne ein kostenloses Kennenlerngespräch.

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1,5 Jahre. 18 Monate. Fast 550 Tage. Und Nächte.

So lange ist meine kleine Tochter schon auf der Welt und genau so lange war sie immer bei mir. Jede Nacht. Jeden Tag, manchmal ein paar Stunden nicht, aber eigentlich immer. Und nun bin ich ganz alleine hier in der Wohnung. Die erste Nacht ohne Baby! Keine tapsenden Füße, kein kleiner Wirbelwind, der um die Ecke schießt, mit dem Finger auf mich zeigt und ruft: Maaaammmmaaaaaaaa!

Vorbereitet haben wir das natürlich schon seit Wochen. In Papas Wohnung ist sie regelmäßig und auch eine gemeinsame Übernachtung gab es dort. Alles, damit sie ich dort ähnlich zu Hause fühlt wie bei mir. Dazu braucht es einen kleinteiligen Plan, den ihr am besten schon bei euren Verhandlungen für eure Co-Elternschaft gut besprecht.

Wie ihr die Verhandlungen komplett geführt machen könnt, lest ihr in meinem Workbook Co-Elternschaft:

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Erste Nacht alleine

Ein komisches Gefühl ist das. Sehr komisch, sehr anders, sehr neu und ein bisschen schön. Schön, weil ich weiß, sie ist in guten Händen. Schöner, weil ich weiß, sie ist bei der Person, die sie genauso liebt wie ich. Noch schöner, weil ich weiß, dass sie sich sicher und geborgen fühlt und es gar nicht soooo schlimm findet, dass ich jetzt gerade nicht bei ihr bin. Und am schönsten, weil ich endlich mal wieder nach sehr langer Zeit meine Ruhe habe.

Eine Nacht ohne Baby, das weiß irgendwann jede Mama mal zu schätzen. So richtig. Weil ich ein paar Stunden einfach nur ich sein kann, ohne andere Rolle. Ich bin heute weder Mama (nur im Herzen), noch Freundin oder Tochter, ich bin alleine, ich mache nichts und ich liebe es.

Wir haben lange gewartet

Sehr lange gewartet, bis die Kleine bei Papa übernachtet. Ich wollte einfach so lange warten, bis mein Gefühl mir sagt: heute! Heute ist der Tag, an dem sie es schafft, an dem sie alt genug ist, ohne mich die Nacht zu verbringen. An dem ich stark genug bin, die Nacht ohne Baby zu überstehen. Langsam wurde ich auch ein bisschen nervös, denn das Gefühl stellte sich nicht ein. Noch 2,5 Monate, bis ich wieder arbeite und noch sind wir nicht soweit.

Oder bilde ich mir das ein? Bin nur ich nicht soweit? Kann ich nicht loslassen? Klammere ich? Kann ich das überhaupt? Noch 8 Wochen, bis ich arbeite und sie bekommt Eckzähne. Sie ist heulig, klammert, ist schlecht gelaunt. Langsam werde ich dann doch panisch, was, wenn das alles doch nicht so klappt? Wenn sie es nicht schafft, nur weint, ich nicht weg kann? Da dreht sich ein ganz schön großes Gedankenkarusell, das kann ich euch sagen.

Mein Gefühl sagt: jetzt!

Und gerade als die Bedingungen wirklich alles andere als ideal sind (Zähne!) da wache ich morgens auf und denke: Am Donnerstag! Das ist der Tag. Ich habe ja, seit sie da ist, immer, immer, immer auf mein Bauchgefühl gehört und bin damit gut gefahren. Also habe ich es diesmal genauso gemacht. Gegen die Skepsis der üblichen Verdächtigen.

Und dann war es soweit und sie ist mit Papa losgezogen. Hat mit ihm einen schönen Tag verbracht, hat zu Abend gegessen und ist ins Bett gegangen, ohne heulen, ohne Milch zu verlangen, ohne die Nacht zum Tag zu machen. Hat sich einfach hingelegt und hat durchgeschlafen. Als hätte sie nie was anderes gemacht. Tatsächlich hat sie das, also das Durchschlafen, noch nie gemacht, sie trinkt normalerweise ab 03:00 ungefähr ihre Milch, das machte mir auch die größten Sorgen. Aber sie hat es wirklich verstanden, dass es die bei Papa eben nicht gibt. Bei ihm isst sie und kommt komplett ohne Milch aus, bei mir ist es andersrum.

Großartig, wie viel so ein kleiner Mensch schon versteht. Ihre erste Nacht ohne mich hat sie also mit Bravour gemeistert, ohne Tränen, ohne den Wunsch nach Milch, ohne zu leiden. Aber mit vielen Vorbereitungen. Lest hier weiter, wenn ihr genau wissen möchtet, wie ihr die am besten macht:

Erste Übernachtung beim zweiten Co-Elternteil

Co-Elternschaft Meilenstein: die erste Übernachtung beim zweiten Co-Elternteil

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Und ich? Ganz entspannt

Als ich die Nachricht bekam, dass sie eingeschlafen ist ohne Tränen, war ich erleichtert und ab da habe ich mir auch keine Sorgen mehr gemacht. In weiser Voraussicht hatte ich mir zur Ablenkung eine riesige To-Do-Liste aufgehalst. Tatsächlich war ich aber entspannter als ich dachte. Klar habe ich sie vermisst, gut geschlafen habe ich nicht, aber ich musste nicht weinen, bin nicht suchend aus dem Schlaf geschossen und war eigentlich auch nicht traurig. Nacht ohne Baby? Kann ich. Ich weiß ja, dass es ihr gut geht, dass sie in liebevollen Händen ist. Also habe ich den freien Abend einfach genossen. Was ein Luxus!  Sport, baden, putzen, backen, meine Geburtstagsparty vorbereiten, ich habe so viel geschafft wie sonst in 5 Tagen.

Aber pumpen, pumpen, pumpen

Nur eins habe ich nicht bedacht, das Problem mit der Milch hatte nicht sie, sondern ich. Von 100 auf 0 quasi. Ich habe einmal abends abgepumpt, da kam schon ordentlich was zusammen, trotzdem bin ich um 05:30 wachgeworden, mit einer Milchbar wie kurz nach dem ersten Milcheinschuss. Kurz vorm Platzen. So hatte ich wenigstens das erste vorzeigbare Abpumpergebnis meiner Stillkarriere, hat zwar 1,5 Jahre auf sich warten lassen, aber immerhin. Mal sehen, wie es wird, wenn sie mehrere Tage bei Papa ist, ob sie sich dann abstillt oder weitermacht, wenn sie wieder bei mir ist. Ich würde das Abstillen gerne ihr überlassen, mal sehen wie praktikabel das ist.

Morgens habe ich sie abgeholt, sie hat sich gefreut, war aber immer noch ganz entspannt. Meine große kleine Tochter. Ihre erste Handlung war dann natürlich stillen. Danach haben wir einen ganz normalen Tag verbracht, kein Heulen oder Klammern, sie war wie immer. Den Samstag hat sie auch mit Papa verbracht, lief ebenso problemlos. Während ich hier schreibe, verbringt sie direkt die zweite Nacht bei ihm.

Hat richtig gut geklappt

Alles in allem kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass wir etwas länger gewartet haben und dass ich auf mein Bauchgefühl gehört habe. Sie hat es so cool genommen, wie man es sich nur wünschen kann. Papa war so richtig stolz auf sich und seine Tochter, er war sehr nervös vor diesem Meilenstein, hat es aber super gemeistert. Um 05:00 aufstehen, das fand er eher nicht so toll, aber hey, ich habe seit sie da ist, nicht mehr wirklich 8 Stunden am Stück geschlafen, also ist das doch nur fair 😉

Toll aber, dass die beiden es so gut gemacht haben und ich mich so auf ihn verlassen kann. Mir fiel ein riesen Stein vom Herzen, eher ein Gebirge, denn arbeiten gehen mit einem schlechten Gefühl, das wäre wirklich schlimm. So aber kann ich entspannt ein paar Tage von zu Hause weg sein. Die erste Nacht ohne Baby war ein voller Erfolg.

Wie waren eure ersten Nächte beim anderen Elternteil? Habt ihr viel vorbereitet? Oder plant ihr, intensiv auf diesen Meilenstein hinzuarbeiten? Teilt eure Ideen in den Kommentaren.

Meine Geschichte

Du liest gerade mittendrin. Wenn du meinen ganzen Weg zur Co-Elternschaft von Anfang an begleiten willst, startest du am besten hier.

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Jennifer Sutholt

Jennifer Sutholt

Jennifer Sutholt ist psychologische Beraterin mit Schwerpunkt Co-Elternschaft, private Samenspende und alternative Familienmodelle. Sie lebt seit zehn Jahren selbst in einer Co-Elternschaft und begleitet Menschen seit acht Jahren auf dem Weg zu ihrem Wunschkind.

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