Mama allein zu Haus‘

1,5 Jahre. 18 Monate. Fast 550 Tage. Und Nächte.

So lange ist meine kleine Tochter schon auf der Welt und genau so lange war sie immer bei mir. Jede Nacht. Jeden Tag, manchmal ein paar Stunden nicht, aber eigentlich immer. Und nun bin ich ganz alleine hier in der Wohnung. Keine tapsenden Füße, kein kleiner Wirbelwind, der um die Ecke schießt, mit dem Finger auf mich zeigt und ruft: Maaaammmmaaaaaaaa! Ein komisches Gefühl ist das. Sehr komisch, sehr anders, sehr neu und ein bisschen schön. Schön, weil ich weiß, sie ist in guten Händen. Schön, weil ich weiß, sie ist bei der Person, die sie genauso liebt wie ich. Schön, weil ich weiß, dass sie sich sicher und geborgen fühlt und es gar nicht soooo schlimm findet, dass ich jetzt gerade nicht bei ihr bin. Und schön, weil ich endlich mal wieder nach sehr langer Zeit meine Ruhe habe. So richtig. Weil ich ein paar Stunden einfach nur ich sein kann, ohne andere Rolle, ich bin heute weder Mama (nur im Herzen), noch Freundin oder Tochter, ich bin alleine, ich mache nichts und ich liebe es.

Wir haben lange gewartet, bis die Kleine bei Papa übernachtet, ich wollte das einfach so, bis mein Gefühl mir sagt: heute! Heute ist der Tag, an dem sie es schafft, an dem sie alt genug ist, ohne mich die Nacht zu verbringen, an dem ich stark genug bin, die Nacht ohne sie zu überstehen. Langsam wurde ich auch ein bisschen nervös, denn das Gefühl stellte sich nicht ein, noch 2,5 Monate, bis ich wieder arbeite, nein, sie ist nicht soweit. Oder bilde ich mir das ein? Bin nur ich nicht soweit? kann ich nicht loslassen? Klammere ich? Kann ich das überhaupt? Noch 8 Wochen bis ich arbeite und sie bekommt Eckzähne, ist heulig, klammert, ist schlecht gelaunt.Langsam werde ich dann doch panisch, was, wenn das alles doch nicht so klappt? Wenn sie es nicht schafft, nur weint, ich nicht wegkann? Da dreht sich ein ganz schön großes Gedankenkarusell, das kann ich euch sagen. Und gerade als die Bedingungen wirklich alles andere als ideal sind, die Zähne, die Zähne, da wache ich morgens auf und denke: Am Donnertag! Das ist der Tag. Ich habe ja, seit sie da ist, immer, immer, immer auf mein Bauchgefühl gehört und bin damit gut gefahren, also habe ich es diesmal genauso gemacht. Gegen die Skepsis der üblichen Verdächtigen. Und dann war es soweit und sie ist mit Papa losgezogen. Hat mit ihm einen schönen Tag verbracht, hat zu Abend gegessen und ist ins Bett gegangen, ohne heulen, ohne Milch zu verlangen, ohne die Nacht zum Tag zu machen. Hat sich einfach hingelegt und hat durchgeschlafen. Als hätte sie nie was anderes gemacht. Tatsächlich hat sie das , also das Durchschlafen, noch nie gemacht, sie trinkt normalerweise ab 03:00 ungefähr ihre Milch, das machte mir auch die größten Sorgen. Aber sie hat es wirklich verstanden, dass es die bei Papa eben nicht gibt. Bei ihm isst sie und kommt komplett ohne Milch aus, bei mir ist es andersrum. Großartig, wieviel so ein kleiner Mensch schon versteht. Ihre erste Nacht ohne mich hat sie also mit Bravour gemeistert, ohne Tränen, ohne den Wunsch nach Milch, ohne zu leiden.

Und ich? Als ich die Nachricht bekam, dass sie eingeschlafen ist ohne Tränen, war ich erleichtert und ab da habe ich mir auch keine Sorgen mehr gemacht. In weiser Voraussicht hatte ich mir zur Ablenkung eine riesige To-Do-Liste aufgehalst. Tatsächlich war ich aber entspannter als ich dachte. Klar habe ich sie vermisst, gut geschlafen habe ich nicht, aber ich musste nicht weinen, bin nicht suchend aus dem Schlaf geschossen und war eigentlich auch nicht traurig.Gott sei Dank, ich dachte schon kurz, ich bin doch eine Helikopter-Glucken-Klammer-Mama. Puh, nochmal Schwein gehabt! Ich weiß ja, dass es ihr gut geht, dass sie in liebevollen Händen ist. Also habe ich den freien Abend einfach genossen. Was ein Luxus!  Sport, baden, putzen, backen, meine Geburtstagsparty vorbereiten, ich habe so viel geschafft wie sonst in 5 Tagen.

Nur eins habe ich nicht bedacht, das Problem mit der Milch hatte nicht sie, sondern ich. Ich habe einmal abends abgepumpt, da kam schon ordentlich was zusammen, trotzdem bin ich um 05:30 wachgeworden, mit einer Milchbar wie kurz nach dem ersten Milcheinschuss. Kurz vorm platzen. So hatte ich wenigstens das erste vorzeigbare Abpumpergebnis meiner Stillkarriere, hat zwar 1,5 Jahre auf sich warten lassen, aber immerhin. Mal sehen, wie es wird, wenn sie mehrere Tage bei Papa ist, ob sie sich dann abstillt oder weitermacht, wenn sie wieder bei mir ist. Ich würde das Abstillen gerne ihr überlassen, mal sehen wie praktikabel das ist. Morgens habe ich sie abgeholt, sie hat sich gefreut, war aber immer noch ganz entspannt. Meine große kleine Tochter. Ihre erste Handlung war dann natürlich stillen. Danach haben wir einen ganz normalen Tag verbracht, kein Heulen oder Klammern, sie war wie immer. Den Samstag hat sie auch mit Papa verbracht, lief ebenso problemlos. Während ich hier schreibe, verbringt sie direkt die zweite Nacht bei ihm.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass wir etwas länger gewartet haben und dass ich auf mein Bauchgefühl gehört habe. Sie hat es so cool genommen, wie man es sich nur wünschen kann. Papa war so richtig stolz auf sich und seine Tochter, er war sehr nervös vor diesem Meilenstein, hat es aber super gemeistert. Um 05:00 aufstehen, das fand er eher nicht so toll, aber hey, ich habe sie sie da ist nicht mehr wirklich 8 Stunden am Stück geschlafen, also ist das doch nur fair 😉 Toll aber, dass die beiden es so gut gemacht haben und  ich mich so auf ihn verlassen kann. Mir fiel ein riesen Stein vom Herzen, eher ein Gebirge, denn arbeiten gehen mit einem schlechten Gefühl, das wäre wirklich schlimm. So aber kann ich entspannt ein paar Tage von zu Hause weg sein.

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

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