Zum Inhalt springen
Co-Elternschaft

Wann beginnen Verhandlungen in Co-Elternschaften?

Erst alle Fakten auf den Tisch, dann Kennenlernen. Warum das pragmatische Vorgehen bei der Co-Elternschaft-Suche allen Beteiligten Zeit und Enttäuschung erspart.

Jennifer Sutholt
Jennifer Sutholt
Psychologische Beraterin & Mediatorin · in einer Co-Elternschaft seit 2016

Hinweis in eigener Sache: Ich verlinke in diesem Beitrag auf Inhalte und Produkte von mir, daher kennzeichne ich das als Werbung.

Warum Kennenlernen hier anders funktioniert als in Beziehungen

Wer eine Co-Elternschaft plant, steht früh vor einer zentralen Frage: Sollen wir uns erst kennenlernen und dann über grundlegende Themen sprechen? Oder zuerst alles klären und danach schauen, ob wir zueinander passen?

Für Co-Elternschaften gilt: Das Vorgehen unterscheidet sich grundlegend von romantischen Beziehungen. Und genau das schützt alle Beteiligten vor Zeitverschwendung.

Warum beziehungsbasiertes Kennenlernen bei Co-Elternschaften keinen Sinn ergibt

In romantischen Beziehungen entsteht oft Nähe vor Fakten. Werte, Zukunftsvorstellungen oder Kinderwunsch werden erst schrittweise besprochen. Wird dieses gelernte Muster beim Kennenlernen der Co-Elternteile angewendet, kann das zu Frustration und Zeitverschwendung führen. Denn hier geht es nicht um emotionale Paarbindung, sondern um ein langfristiges gemeinsames Elternprojekt mit rechtlicher, finanzieller und emotionaler Verantwortung.

Wenn grundlegende Erwartungen erst später ausgesprochen werden, entsteht früh ein Gefühl von Gemeinsamkeit. Die Hoffnung wächst. Gleichzeitig steigt so das Risiko, dass zentrale Unterschiede zu spät erkannt werden. Das führt häufiger zu schmerzhaften Abbrüchen oder bereits konflikthaften Verhandlungen. Deshalb ist es so wichtig, den Prozess umzudrehen. Erst alle Fakten auf den Tisch und dann Kennenlernen.

Eigene Vorbereitung als erster Schritt

Um eure Vorstellungen explizit zu transportieren, solltet ihr euch über diese auch klar sein. Der erste Schritt ist also immer, sich genau zu überlegen, welche Art der Elternschaft ihr euch für euch selber vorstellt. Was zugegebenermaßen nicht einfach ist, wenn kaum abzuschätzen ist, was euch in einer Elternschaft erwartet.

Fangt damit an, euch euer Leben mit Kind vorzustellen, fragt Freund*innen, wie es ist und dann klärt die harten Fakten. Welche Themen unbedingt durchdacht und geklärt werden sollten, könnt ihr in meiner Checkliste Co-Elternschaft nachlesen. Diese gibt euch einen ersten Überblick über die Fülle an Themen, die besprochen werden dürfen. Ihr bekommt sie nach Anmeldung für meinen Newsletter kostenlos zugeschickt.

Checkliste Co-Elternschaft

Checkliste Co-Elternschaft

Melde dich für meinen Newsletter an und bekomme die Checkliste kostenlos zugeschickt. Der Newsletter liefert regelmäßig aktuelle Informationen zu Co-Elternschaft, Solomutterschaft und private Samenspende.

Anmelden

Nachdem ihr sicher seid über eure grundlegenden Ideen, geht es an das Kennenlernen der Co-Elternteile.

Der sinnvolle Ablauf von Verhandlungen in der Co-Elternschaft

In der Praxis hat sich der folgende Prozess bewährt. Natürlich wird es nicht immer so laufen, immerhin sind hier Menschen beteiligt. Aber als ungefähren Leitfaden könnt ihr die folgenden Punkte auf jeden Fall nehmen.

Vibe Check

Beim ersten Treffen geht es darum, die Person im wahren Leben kennenzulernen. Wir haben eigentlich immer einen vertrauenswürdigen ersten Eindruck, ob uns jemand zusagt oder nicht. Das Bauchgefühl ist entscheidend, verlasst euch darauf. Wenn eure Intuition Nein sagt, dann glaubt ihr. Denkt immer daran: diese Person bleibt für immer in eurem Leben! Wenn ihr jedes Mal Unbehagen empfindet, wenn ihr die Person seht, ist das nicht euer anderes Elternteil.

Wenn alles gut gelaufen ist beim ersten Treffen, könnt ihr meine Checkliste Co-Elternschaft nutzen. Bietet sie eurem Gegenüber als Diskussionsgrundlage und Überblick über wichtige Themen an. Ihr könnt sie auch spontan gemeinsam ausfüllen und dann zur Reflexion mit nach Hause nehmen. Nicht alle Personen sind gleich gut vorbereitet, so bildet ihr eine Wissensbasis, auf der ihr aufbauen könnt.

Verweigert jemand diese intensive Herangehensweise und verweist darauf, dass das alles ja auch besprochen werden kann, wenn es soweit ist, brecht das Kennenlernen ab.

Unverhandelbare Punkte offen benennen

Alles, was für euch nicht verhandelbar ist, gehört früh auf den Tisch. Dazu können grundsätzliche Werte, Rolle als Elternteil, rechtliche Vorstellungen, Beteiligung im Alltag, Wohnort, Erziehung und finanzielle Verantwortung zählen. Jede Person hat andere Punkte, die ihr besonders wichtig sind. Für mich zum Beispiel waren die folgenden nicht verhandelbar: Name, Stillen, erstes Jahr bei mir.

Was euch besonders wichtig ist, habt ihr im besten Fall schon für euch festgelegt. Seid selbstbewusst mit euren Vorstellungen. Kompromisse müssen wir immer eingehen, gleichzeitig habt ihr hier die Chance, eure Wünsche erfüllt zu bekommen. Teilt sie früh im Kennenlernprozess und wenn sie der anderen Person nicht gefallen, darf das auch das Ende des Kennenlernens sein.

Abgleich der Erwartungen

Im nächsten Schritt wird geprüft, wo es Überschneidungen gibt und wo nicht. Ziel ist nicht, Unterschiede kleinzureden, sondern sie realistisch einzuordnen. Wenn ihr euch wirklich mögt, es aber zu viele unterschiedliche Erwartungen gibt, dann ist eine Elternschaft keine gute Idee. Wenn ihr euch nicht in den meisten Punkten einig seid, wie wollt ihr die echte Situation navigieren, wenn ein Kind dabei ist, das euer komplettes Leben durcheinander gebracht hat.

Ihr müsst nicht alles genau gleich machen wollen, grundsätzliche Werte und Einstellungen zu Themen wie Finanzen, Gesundheit, Erziehung sollten sich aber ähnlich genug sein. Absolut einig sein solltet ihr euch bei Sorgerecht, Verteilung der Betreuung, Vaterschaftsanerkennung und der Gestaltung des ersten Jahres.

Ausloten von Gestaltungsspielräumen

Erst wenn die Grundlagen passen, lohnt es sich, über Kompromisse zu sprechen. Welche Punkte sind veränderbar. Wo gibt es Spielraum. Wo nicht. Wie gesagt, Kompromisse werden immer gemacht werden müssen. Gleichzeitig sollten es auch nicht so viele sein, dass ihr euren eigenen Plan verraten müsst.

Wenn ihr als Frau nicht den richtigen Co-Vater findet und eher am Ende eurer Fruchtbarkeit seid, kann auch ein Wechsel des Familienmodells in Betracht gezogen werden. Das machen tatsächlich relativ viele, sie beginnen bei der Suche nach einem Co-Vater und bekommen dann ihr Kind als Solomutter nach Samenbankspende. Lest hier alles über diesen Prozess:

Von der Co-Elternschaft zur Solomutterschaft

Von der Co-Elternschaft zur Solomutterschaft: Warum sich dein Weg zum Wunschkind verändern darf

Zum Artikel

Vertieftes Kennenlernen

Nachdem ihr alle Grundlagen geklärt habt, ist es soweit: jetzt kann Beziehung entstehen. Ihr wisst jetzt, dass ihr euch grundsätzlich einig seid, was den Plan angeht. Nun ist eure persönliche Beziehung dran. Trefft euch, lernt Freunde und Familie kennen, fahrt in den Urlaub. Wie lange die Kennenlernzeit idealerweise sein sollte, lest ihr im Artikel: „Wie lange sollten sich Co-Eltern kennenlernen?

Parallel zum Kennenlernen erstellt ihr eure Vereinbarung, die das Fundament für die Co-Elternschaft sein wird. Wenn ihr die Verhandlung geführt machen möchtet, könnt ihr dazu mein Workbook Co-Elternschaft nutzen. Es begleitet euch von der eigenen inneren Vorbereitung durch alle gemeinsamen Absprachen bis zur schriftlichen Vereinbarung eurer Co-Elternschaft.

Workbook Co-Elternschaft

Workbook Co-Elternschaft

150 Seiten geführte Vorbereitung, von der Reflexion des Kinderwunsches bis zur schriftlichen Vereinbarung mit dem Co-Elternteil. Selbstständig, in deinem Tempo.

Workbook kaufen

Warum diese Reihenfolge entlastet

Dieser Ablauf schützt vor falschen Erwartungen, emotionalem Druck und vorschnellen Entscheidungen. Er ermöglicht, früh Nein zu sagen, ohne Schuldgefühle. Gleichzeitig schafft er die Voraussetzung für stabile, respektvolle Co-Elternschaften.

Fazit

In Co-Elternschaften kommt das pragmatische Abklären der Gemeinsamkeiten vor der zwischenmenschlichen Beziehung. Das erscheint vielen als kalt und berechnend, ist aber in diesem Fall geschickter, auch um Zeit zu sparen. Außerdem gilt: Wer früh klärt, ob die Grundlagen passen, schafft realistische Perspektiven für alle Beteiligten. Unnötige Hoffnung und deren Enttäuschung können so vermieden werden.

Wie seid ihr beim Kennenlernen vorgegangen? Habt ihr Tipps für andere? Teilt sie gerne mit anderen in den Kommentaren.

Unterschrift Jennifer Sutholt
Jennifer Sutholt

Jennifer Sutholt

Jennifer Sutholt ist psychologische Beraterin mit Schwerpunkt Co-Elternschaft, private Samenspende und alternative Familienmodelle. Sie lebt seit zehn Jahren selbst in einer Co-Elternschaft und begleitet Menschen seit acht Jahren auf dem Weg zu ihrem Wunschkind.

Zur Beratung

Entdecke mehr von planningmathilda

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Schlagwörter:

Teile deine Meinung mit uns

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Entdecke mehr von planningmathilda

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen