Gemeinsam erziehen als Co-Eltern

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Gemeinsam erziehen ist nie leicht. Auch das beste Paar, das sich in allem total einig war, wird irgendwann merken, dass das nicht so einfach ist. Wo der eine mit Engelsgeduld lächelnd eine Situation aushält, hat der andere mit einem Puls von 180 schon die Axt in der Hand. Ist so. Gemeinsam erziehen als Co-Eltern ist nochmal etwas anders, denn eigentlich erzieht man getrennt gemeinsam. Man einigt sich auf eine gemeinsame Linie, mit ein paar Grundpfeilern, die unumstößlich sind und dann muss jeder alleine durch die soften Bereiche navigieren. Denn wir sind mit dem Kind jeweils alleine. Wo sonst kritische Situationen wie Anziehen, Zähne putzen und so weiter von jeweils einem Partner übernommen werden können, haben wir niemanden, denn der andere ist im Zweifel arbeiten und außer Landes.

Die Grundidee zählt beim gemeinsamen erziehen

Bei uns funktioniert das wirklich gut, zumal wir dem anderen komplett vertrauen. Ich weiß, dass der Papa sich genau an unsere Absprachen hält, von daher ist es mir eigentlich total egal, wie er mit den ganzen Kleinigkeiten umgeht. Die Linie stimmt und gut. Außerdem bin ich nicht da und bekomme nur FaceTime Ausschnitte mit. Zum Glück, wie ich finde, sonst würde ich sicher auch mal hier und da kritisieren. So bekomme ich nichts mit und gut. Solange die Kleine lebt und alle Körperteile dran sind, bin ich zufrieden.

Außerdem ist die Kleine bei ihm ganz anders, es lässt sich also mein Patent gar nicht auf ihn übertragen. Bei mir ist sie ein mäkeliger Esser und will einfach nie raus. Spielplatz? Fehlanzeige. Bei Papa futtert sie wie ein Scheunendrescher und die beiden sind den ganzen Tag draußen. Naja.

Kleine Gehirne funktionieren anders

Grundsätzlich sind alle aus beiden Familien mit unserer Erziehung einverstanden. Auch wenn so manch einer unseren beziehungsorientierten, auf Augenhöhe stattfindenden Ansatz sicher etwas hippiemäßig findet. Aber so ist es doch immer, man möchte selber anders mit seinem Kind umgehen, als es die eigenen Eltern getan haben und wird dafür belächelt von denen, die schon Kinder groß bekommen haben. Prinzipiell habe ich dafür auch Verständnis. Es sei denn, es geht um das Wohl meines Kindes.

Vor ein paar Wochen hatten wir eine Situation, für die wir allerdings beide kein Verständnis mehr hatten. Mein Kleine kam von einem Verwandtenbesuch wieder. In den nächsten Tagen hörte ich ein paar merkwürdige Sätze von ihr. Als ich sie bat, das Wasser nicht auf den Boden zu schütten, sagte sie zum Beispiel: „gell, dann liebst du mich nicht mehr.“ Wow. Da wir niemals mit solchen Drohungen arbeiten, war ich doch ziemlich erstaunt. In der Nacht wachte sie weinend auf und war total entsetzt: „Wenn ich nicht lieb bin, bekomme ich keine Geburtstagsgeschenke! Ich mag aber Geschenke haben!“

Ich habe also beim Papa nachgefragt. Wenn es Unklarheiten gibt, sprechen wir direkt darüber. Auch das funktioniert gut am gemeinsamen erziehen als Co-Eltern. So manche für mich krasse Aussage meiner Tochter ergab im Zusammenhang deutlich mehr Sinn. „Papa sagt, wenn ich etwas auf den Boden schmeiße muss ich es in den Mülleimer werfen,“ heult mein Kind und fängt an, Spielsachen in den Mülleimer zu stopfen. Wie bitte? Ein kurzes Telefonat brachte Klärung. Ja, das hat der Papa gesagt-als es um Pommes ging, die auf die Straße geworfen wurden. Die sind im Müll gelandet, nicht im Mund. Was die kleinen Gehirne aus solchen Aussagen aber machen, ist schon spannend. Zu sehen, was so winzige unbedachte Sätze bewirken können, auch.

Das hat uns doch auch nicht geschadet

Bei dem aktuellen Problem handelte es sich um die Sätze eines der ältesten Familienmitgliedern. Weil man das halt so sagt. Verstehe ich zum Teil sogar, in stressigen Situationen denke ich auch manchmal: „Da muss sie jetzt durch, sonst lernt sie das nie. Jetzt muss ich mich aber mal durchsetzen.“ Unter Stress kommt das hervor, was man selber in der Kindheit erlebt hat. Dagegen anzukämpfen habe ich mir fest vorgenommen, erwarte das aber von niemandem über 80. Zumindest so lange nicht, wie es keinen Eindruck hinterlässt. Wenn mein Kind weint, weil es denkt, unsere Liebe sei an Bedingungen geknüpft, dann muss eine Lösung gefunden werden.

Das hat uns doch auch nicht geschadet. Doch, hat es. Und das ist natürlich schmerzhaft einzusehen. Aber solche Aussagen haben auch Konsequenzen. Meine dreijährige Tochter ist zum Glück willensstärker als ich es jemals sein werde. Ihre Konsequenz ist: „Die sagen, sie nehmen mir die Geschenke weg, da gehe ich nicht mehr hin.“ Logisch. Immer wieder haben wir versucht, sie sanft zu überreden, zu erklären, dass das nicht passieren wird-umsonst. Als es soweit war, hat sie Fieber bekommen und der Besuch wurde abgesagt.

Gemeinsam erziehen als Co-Eltern gegen die Familie

Da musste nun eine gemeinsame Strategie her, denn die Situation war verfahren. Wenn sie nicht möchte, dann muss sie nicht, aber dass ein großer Teil der Familie sie nicht mehr zu sehen bekommt, das wollen wir natürlich beide nicht. Besonders die Oma hätte darunter sehr zu leiden, zumal sie sie sowieso nicht so oft sieht.

Wir haben also ein ziemlich langes Gesprächgeführt und uns überlegt, wie wir das wieder hinbekommen können. Und mal wieder war ich sehr erfreut, wie gut es in solch schwierigen Situationen bei uns funktioniert. Obwohl es jetzt daran ging, ein Familienmitglied zu briefen und zu erklären, was da schief gelaufen ist.Welches Verhalten wir dem Kind gegenüber nicht dulden. Unser Kind-unsere Regeln. Das ist ja nun wirklich nicht so leicht. Besonders bei der sehr alten Generation nicht. Hätte ich auch wenig Lust drauf. Wir haben uns zusammen genau überlegt, was gesagt wird und welche Strategien vorgeschlagen werden.

Und tatsächlich hat es super funktioniert. Ich persönlich hätte so viel Reflexion und Bemühen von der betroffenen Person gar nicht erwartet, aber anscheinend kenne ich diesen Teil der Familie dann doch zu wenig. Jetzt wissen alle Bescheid: diese Sätze sind hier tabu. Im Zweifel einfach mal die Klappe halten. Wenn mich das Kleinkind nervt, dann gehe ich weg. Ich habe hier keinen Erziehungsauftrag. Ich kann einfach nachfragen, wenn ich nicht weiß, wie die Eltern mit einer Situation umgehen würden.

Gemeinsam erziehen als Co-Eltern funktioniert hier also wirklich gut

Es wird sicher immer wieder Situationen geben, in denen es viel zu besprechen gibt, aber solange man offen und ehrlich und viel kommuniziert, ist man meistens auf der sicheren Seite. Das gilt natürlich für alle Eltern, für uns als Co-Eltern aber nochmal etwas mehr. Ähnlich sicher auch bei getrennten Paaren. Gerade dort ist eine gute Kommunikation wichtig, besonders, wenn die Trennung nicht freundschaftlich war. Besonders dann ist es auch am schwierigsten, stelle ich mir vor. Aber wenn man gewisse Situationen sofort bespricht und bereinigt, dann können ziemlich Missverständnisse gar nicht erst entstehen.

Und dann ist gemeinsam erziehen als Co-Eltern oder einfach Eltern gar nicht so schwer.

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