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Solomutterschaft: aktive Entscheidung für ein Kind, nicht für den Alleingang

Single Mother by Choice, schwangere Frau

Hinweis in eigener Sache: Ich verlinke in diesem Beitrag auf Inhalte und Produkte von mir, daher kennzeichne ich das als Werbung.

Who is a Single Mother by Choice (SMC)? An SMC is someone who decides to become a mother, knowing that they will be the sole parent of their child – at least at the outset.

singlemothersbychoice.org

Der Begriff Single Mother by Choice stammt aus dem US-amerikanischen Raum. Er beschreibt Frauen, die ein Kind bekommen und gewollt die alleinige Elternrolle tragen. Der Begriff soll Selbstbestimmung zeigen. Genau hier liegt die Spannung: Er legt nahe, dass der Alleingang von Anfang an gewollt ist. In der Praxis trifft das selten zu.

Begriffskritik

Viele Frauen entscheiden sich aktiv für ein Kind. Sie entscheiden sich jedoch nicht von vornherein für eine Solomutterschaft. Die alleinige Elternschaft ist meist Plan B, nicht die erste Wahl. Plan A war bei den meisten ein Familienmodell mit Partner*in. Mutter-Vater-Kind mit Haus und Hof und Hund, Katze, Maus. Viele warten Jahre auf darauf, diesen Weg umsetzen zu können. Der Kinderwunsch bleibt bestehen, während eine Partnerschaft nicht in Sicht ist und Zeitfenster und Möglichkeiten immer kleiner werden. Panik, Verzweiflung und Trauer begleiten diese Frauen. Die mentale Arbeit, die geleistet werden muss, um mit einem neuen Familienmodell glücklich zu sein, ist immens. Der Begriff Single mother by choice verschleiert diesen Prozess.

Realität in der Community

Denn Erfahrungen aus Beratung und Vernetzungstreffen zeigen ein anderes Bild als der Begriff verspricht. Die Entscheidung entsteht selten aus einem „Ich möchte das immer schon allein machen“. Sie entsteht aus Abwägung der eigenen Realität:

  • ein starker Kinderwunsch
  • fehlende oder unzuverlässige Partner*innenoptionen
  • altersbedingte Grenzen der eigenen Fruchtbarkeit
  • emotionale Belastung durch Warten


Der Entschluss zur Solomutterschaft wird aktiv getroffen, aber in den meisten Fällen nicht selbstbestimmt aus innerer Überzeugung heraus. Das Ziel ist Mutterschaft, nicht Unabhängigkeit um jeden Preis.

Emotionale Dimension

Der Weg in die Solomutterschaft geht oft mit Verlust, Trauer und Selbstzweifeln einher. Die meisten Frauen verabschieden sich von einem Lebensentwurf, der gesellschaftlich als Norm gilt und den ihre Sozialisierung ihnen als einzig richtigen vorgibt. Das erfordert Zeit, Auseinandersetzung und die Verarbeitung von Enttäuschung. By choice beschreibt diesen Prozess nicht. Er blendet die Entwicklung aus, die viele Frauen durchlaufen müssen.

Ausnahmen

Es gibt natürlich auch Frauen, die Solomutterschaft schon immer als Plan A gesehen haben. In der Beratung erscheinen sie allerdings als Minderheit. Die Mehrheit landet dort, weil der hetero-normative Weg nicht zur Verfügung stand. Mutterschaft ist die bewusste Wahl, der Alleingang das Ergebnis der Rahmenbedingungen.

Positive Neubewertung

Jede Solomutter sollte stolz auf den von ihr gegangen Weg sein, auch wenn dieser nicht von Anfang an ihre erste Wahl war. Gerade deshalb ist der Mut und die Durchsetzungsfähigkeit so bewundernswert. Verantwortung für ein Kind zu übernehmen, trotz fehlender Unterstützung durch Partner*in, zeigt Stärke und Handlungsfähigkeit. Solomutterschaft darf als großartige Leistung anerkannt werden!

Fazit

Der Begriff Single Mother by Choice setzt inhaltlich am falschen Punkt an. Die meisten Frauen entscheiden sich nicht für die Solomutterschaft. Sie entscheiden sich für ein Kind und akzeptieren die alleinige Elternschaft als Plan B. Mother by choice wäre die bessere Alternative, bei der allerdings der Aspekt fehlt, dass der Weg alleine gegangen wurde. Begriffe sind wichtig und geben Halt und die Möglichkeit, die eigne Peer Group zu finden. Die Suche nach dem richtigen Begriff ist noch nicht vorbei.

Aktuell nutzt die deutsche Community den Begriff Solomutter, der gut und akkurat ist. Wie wir diesen definieren, lest ihr im Artikel „Versuch einer Definition der Solomutterschaft“.

Wenn du Vernetzung suchst, findest du sie hier:

Vernetzung Co-Elternschaft, Solomutterschaft

Vernetzung

Tritt mit anderen Personen in einer Co-Elternschaft oder Solomutterschaft, in Vorbereitung oder mit Interesse an diesen Familienmodellen in Verbindung. Stelle deine Fragen, suche einen Co-Elternteil und profitiere von den Erfahrungen der anderen.

Welche Begriffe nutzt ihr für eure Elternschaft? Teilt sie mit der Community in den Kommentaren.


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Schlagwörter:

1 Gedanke zu „Solomutterschaft: aktive Entscheidung für ein Kind, nicht für den Alleingang“

  1. „by choice“….da steckt viel drin… Sprachempfinden ist unterschiedlich.

    A
    Ist damit gemeint, dass jemand eine Wahl hatte?

    Je nach Lebenssituation zwischen
    Kinderlosigkeit und Solomutterschaft (ich meine damit die Solomutterschaft nach Horn & Sutholt, 2021)
    oder sogar zwischen
    Kinderlosigkeit und Solomutterschaft und einer Version
    von Klischee-Kind-in-Beziehung und so weiter (sorry für den Flaps).

    Wahl ist: 2 oder mehr Optionen haben.

    Und definiert sich dieses „die Wahl haben“ rational oder (auch) nach empfundener Wahlmöglichkeit?
    Rational hattest Du die Wahl zwischen 2 Optionen.
    Emotional nicht.

    Und ja, ich weiß, Du musstest Dir der Existenz der Option „Solomutterschaft“ erst richtig bewusst werden, da haben es – nicht zuletzt dank engagierter Persönlichkeiten wie Dir – die Menschen inzwischen zunehmend leichter.
    Das kommt als weiterer Faktor des „by choice“ hinzu: Kennt man überhaupt alle Optionen?

    B
    Ist damit gemeint, dass ein Mensch sich für eine Elternschaft gemäß Definition der Solomutterschaft nach Horn & Sutholt entscheidet?

    Dann ist „by choice“ die begriffliche Abgrenzung zu jenen Single Mothers, die durch Umstände wie Beziehungsende, Tod, Vergewaltigung usw. zu Single Mothers wurden.

    Wenn ich „single mother by choice“ höre, denke ich eher an B.
    Aber es kann eben auch A beinhalten.
    Bestimmt gibt es auch ein C….
    Und es kann eben auch Emotionen wecken.
    Denn nicht erst seit Watzlawik und Schulz von Thun wissen wir….. da gibt es wohl noch mehr . ..

    Darf oder muss das Emotionale mit rein?

    Im Definitionsversuch der Solomutterschaft steht „die einen […] Weg […] wählt.“
    Wenn die Emotion „ich hatte keine andere Wahl“ mit berücksichtigt werden soll (da der Satz emotional wie „by choice“ aufgefasst werden kann) wäre mein Vorschlag „die einen […] Weg […] geht.“ oder „plant“ oder anderes.

    Eines eint hoffentlich alle: sie sind auf ihrem Weg zur Soloelternschaft ihrem Herzen gefolgt…. und wenn das so war, dann hatten sie tatsächlich nie eine Wahl 🙂

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