Keine Single Mother by Choice – 3 Schritte zur Solomutter

Single mother by choice

Single Mother by Choice ist ein von Jane Mattes geprägter Begriff für Frauen, die den Weg zum Wunschkind alleine gehen. Auf der Website wird der Begriff so definiert:

Who is a Single Mother by Choice (SMC)? An SMC is someone who decides to become a mother, knowing that they will be the sole parent of their child – at least at the outset.

singlemothersbychoice.org

Ich finde die Arbeit von Jane hervorragend, sie ist Pionierin durch und durch. Aber abgesehen davon, dass wir hier in Deutschland deutsche Begriffe für Frauen auf der Suche nach Vernetzung brauchen (welche, das liest du in unserer Definition), habe ich ganz persönlich mit dem Anhang by choice ein Problem und ich bin wohl nicht die Einzige. Denn das frei übersetzte: weil ich mir das ausgesucht habe stimmt zumindest bei mir nicht.

Der Unterschied zwischen freiwillig dafür entschieden und dort gelandet sein

Ich bin viel mehr #motherbychoice oder #choicemother. Fast jeden Morgen schaue ich mein Kind an und denke: „Wow, ich bin mir selber so dankbar, dass ich mich aktiv dafür entschieden habe, dieses Kind auch ohne Partner, Ehemann, whatever zu bekommen. Die letzte Entscheidung, nämlich es durchzuziehen, die habe ich alleine getroffen. Die habe ich komplett alleine, ganz aktiv, nur mit mir selber ausgemacht. Also ja, meine Entscheidung für den Weg der Solomutter war aktiv. Aber die eigentliche Entscheidung ist für mich nur der dritte Schritt gewesen.

Denn das by choice schließt für mich in keinster Weise meinen Weg mit ein. Meinen Schmerz. Meine Trauer. Meine Entwicklung. Die Jahre, die zu der Entscheidung geführt haben. Die Zweifel, die Tränen, die schlaflosen Nächte. Bis eine Frau eine Solomutter wird, durchlaufen die meisten einen äußert schmerzhaften Prozess, der eben nicht freiwillig ist. Sicher gibt es auch Frauen, deren Plan A es schon immer war, selbstbestimmt ohne Mann ein Kind zu bekommen, aber es sind die wenigsten. Eine von 100, schätzen Katharina Horn, Kinderwunschberaterin, und ich aus unserer Erfahrung. Genauere Prozente liest du in Katharinas Artikel Mother by Choice.

Wenn du dich in dem Ausdruck wiederfindest, er dich stärkt und du dich damit wohlfühlst, super, dann benutz ihn mit Stolz. Ganz ehrlich, ich feiere jede Frau, die von sich sagen kann: „Ja, das ist genau das, was ich wollte.“ Ich beneide sie sogar ein wenig, denn es wäre so viel einfacher gewesen. Wenn du also sagst: „Ich bin wirklich eine Single Mother by Choice, weil ich das genau so schon immer wollte!“, dann wow, du bist eine Inspiration, stark, unabhängig, selbstbestimmt. Du hattest einen tollen Plan A und hast ihn umgesetzt! Wunderbar!

Nicht mein Plan A

Die anderen hatten so wie ich als Plan A wahrscheinlich eher die klassische Familienkonstellation mit Mutter+Vater+Kinder. Und den aufzugeben, ist gar nicht einfach. Das ist richtig harte Arbeit und ich glaube, nicht wenige Frauen scheitern daran. Weil sie einfach nicht bereit sind, ihr Ideal loszulassen und hoffen, hoffen, hoffen. Bis der Tag kommt, an dem es zu spät ist und die Natur ihnen die Entscheidung abnimmt. Aber auch Frauen, die noch Zeit haben, machen sich diese Entscheidung nicht einfach. Ganz und gar nicht. Ich erzähle dir mal, wie es bei mir war.

Mit 25 habe ich es geschafft, mich aus meiner zweiten schlimmen Beziehung zu befreien. Habe ich gedacht: „Ok, das läuft hier irgendwie nicht so, ich suche mir einen anderen Weg, auf dem ich ein Kind bekommen kann?“ Natürlich nicht! Ich bin fast daran verzweifelt, herauszufinden, was mit mir nicht stimmt. Was an mir so falsch ist, dass ich keine Beziehung hinbekomme. Warum ich nicht liebenswert bin. Warum mir dieses kleine bisschen Glück nicht zusteht. Und warum mein einziger Wunsch, ein Kind, sich nicht erfüllen darf. Ich habe getrauert, geflucht, es wieder versucht mit einer Beziehung.

Kam irgendwann der Tag, an dem die Erleuchtung mich heimsuchte und ich einfach beschloss: „Mache ich es halt allein!“ Absolut nicht. Es war ein schleichender Prozess, verbunden mit so vielen Tränen, dass ich sie nicht zählen möchte, so viel Trauer, so vielen Gefühlen des Verlustes. Ich habe mich betrogen gefühlt um meinen Wunsch nach einer eigenen Familie, war sauer, enttäuscht. Und das alles sicher nicht by choice.

Aber ganz langsam und leise kam die Stimme dazu, die mir sagte: „Du kannst das auch alleine. Mach es einfach.“ Das war für mich der zweite Schritt zur Solomutter.

Das macht sich aber nicht mal eben einfach so

Die Entscheidung für ein Kind ist mit ganz viel Verantwortung verbunden. Und wenn sich der Gedanke, es alleine zu machen, ein bisschen festigt, dann stürzen sofort unglaublich viele Zweifel auf dich ein. „Darf ich das? Bin ich egoistisch? Ist das überhaupt erlaubt? Wie geht das? Welchen Weg nehme ich? Welche Klinik behandelt mich? Was sagt das Internet? Wer hat das auch gemacht? Wo sind die anderen Frauen?“

Heute gibt es zum Glück genug Infos ( diesen wertvollen Artikel auf kiwu-beratung.de zum Beispiel), das war damals anders. Trotzdem hat wahrscheinlich jede Frau tausend Fragen im Kopf. Die die meisten dann für sich alleine lösen. Das ist der zweite Schritt auf dem Weg zur Solomutter. Über die ganzen Zweifel hinwegzukommen. Und nicht doch wieder auf die tückische Hoffnung zu hören, die wispert: „Jetzt muss er doch kommen, der Traummann, jetzt wo ich mich schon fast entschieden habe. Jetzt ist der Hollywood Moment, ich muss nur noch ganz kurz warten.“

Es war nicht meine Entscheidung

Also ja, die letzte Entscheidung, den Plan durchzuziehen, die war meine. Aber alle anderen davor, die habe ich nicht getroffen, weil ich es wollte, sondern weil ich keine andere Möglichkeit hatte. Ich habe mich nicht empowered gefühlt auf meiner Reise, ich habe mich wie die letzte Versagerin gefühlt. Ich habe das nicht selbstbestimmt durchgezogen, ich hatte keine andere Wahl.

Und auch wenn jetzt im Nachhinein alles gut ist, ich weder mein Kind missen möchte, noch den Weg, den ich gegangen bin, ich hätte auf die ganzen Qualen trotzdem gut verzichten können. Ja klar, ich habe viel gelernt, über mich und das Leben, aber zwischendurch war es auch einfach nur alles scheiße! Das darf auch jede*r gerne wissen!

Ich möchte nämlich kein verklärtes Bild entstehen lassen, von der selbstständigen, unabhängigen Frau, die das alles gerne alleine gemacht. Ja, ich bin stark und unabhängig GEWORDEN, eben durch den ganzen Schmerz. Aber ich hätte auch gut ein kleines romantisches Märchen mit Traumprinz und einem Kind der Liebe leben können. Das war nämlich mein Plan A.

Single Mother not by Choice

Ja, ich bin eine Solomutter ohne Partner und ich bin unfassbar stolz darauf. Aber ich bin es nicht by choice, denn das verneint das, was ich jahrelang durchgemacht habe. Es verneint meine Entwicklung, den Prozess. Und es ist der Prozess, der mich zu der gemacht hat, die ich heute bin. Die stark und stark und verrückt genug war, die letzte Entscheidung selbstbestimmt zu treffen.

Es ist nämlich total ok, auf etwas stolz zu sein, was nicht explizit geplant war. Hätte jede*r immer nur das gemacht, worauf sie/er Lust hatte oder was der Plan war, dann wäre die Menschheit sicher nicht viel weiter gekommen als vom Baum in die Höhle. Wenn überhaupt.

Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe, besonders, weil ich es mir nicht ausgesucht habe, diesen steinigen Weg zu gehen. Aber mein Weg, der gehört zu mir und den möchte ich auch zeigen. Und auf ihn stolz sein dürfen, denn das war der härteste Teil. Und heute kämpfe ich für dich um mehr Sichtbarkeit, mehr Normalität, mehr Anlaufstellen, damit dein Weg vielleicht etwas einfacher ist.

Verfasst von

Ich bin psychologische Beraterin. Ich berate und unterstütze dich auf deinem Weg zum Wunschkind.

2 Kommentare zu „Keine Single Mother by Choice – 3 Schritte zur Solomutter

  1. „by choice“….da steckt viel drin… Sprachempfinden ist unterschiedlich.

    A
    Ist damit gemeint, dass jemand eine Wahl hatte?

    Je nach Lebenssituation zwischen
    Kinderlosigkeit und Solomutterschaft (ich meine damit die Solomutterschaft nach Horn & Sutholt, 2021)
    oder sogar zwischen
    Kinderlosigkeit und Solomutterschaft und einer Version
    von Klischee-Kind-in-Beziehung und so weiter (sorry für den Flaps).

    Wahl ist: 2 oder mehr Optionen haben.

    Und definiert sich dieses „die Wahl haben“ rational oder (auch) nach empfundener Wahlmöglichkeit?
    Rational hattest Du die Wahl zwischen 2 Optionen.
    Emotional nicht.

    Und ja, ich weiß, Du musstest Dir der Existenz der Option „Solomutterschaft“ erst richtig bewusst werden, da haben es – nicht zuletzt dank engagierter Persönlichkeiten wie Dir – die Menschen inzwischen zunehmend leichter.
    Das kommt als weiterer Faktor des „by choice“ hinzu: Kennt man überhaupt alle Optionen?

    B
    Ist damit gemeint, dass ein Mensch sich für eine Elternschaft gemäß Definition der Solomutterschaft nach Horn & Sutholt entscheidet?

    Dann ist „by choice“ die begriffliche Abgrenzung zu jenen Single Mothers, die durch Umstände wie Beziehungsende, Tod, Vergewaltigung usw. zu Single Mothers wurden.

    Wenn ich „single mother by choice“ höre, denke ich eher an B.
    Aber es kann eben auch A beinhalten.
    Bestimmt gibt es auch ein C….
    Und es kann eben auch Emotionen wecken.
    Denn nicht erst seit Watzlawik und Schulz von Thun wissen wir….. da gibt es wohl noch mehr . ..

    Darf oder muss das Emotionale mit rein?

    Im Definitionsversuch der Solomutterschaft steht „die einen […] Weg […] wählt.“
    Wenn die Emotion „ich hatte keine andere Wahl“ mit berücksichtigt werden soll (da der Satz emotional wie „by choice“ aufgefasst werden kann) wäre mein Vorschlag „die einen […] Weg […] geht.“ oder „plant“ oder anderes.

    Eines eint hoffentlich alle: sie sind auf ihrem Weg zur Soloelternschaft ihrem Herzen gefolgt…. und wenn das so war, dann hatten sie tatsächlich nie eine Wahl 🙂

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