Mein Kind passt in keine Schablone

Eigentlich wollte ich einen liebevollen Geburtstagsbrief an meine Kleine schreiben, aber dann kam die U7. Und die hat mich wirklich aufgewühlt. Und sauer gemacht.

Kurz die Geschichte: mit 24 Monaten wird die U7 gemacht. Das Kind muss beim Kinderarzt ‚beweisen‘, dass es verschiedene Fähigkeiten erlernt hat.

Diese ungefähr. Oder ziemlich genau. Eigentlich eine gute Sache, auch um Kinder zu schützen, vor einem gewalttätigen Elternhaus zum Beispiel. Aber genau hier kommt der Druck. Großes Drama, durch die U gefallen, das habe ich schon öfter gehört. Eine Bemerkung im U-Heft, die später Ärger machen kann. Eigentlich verstehe ich den Sinn der Us, denn worum geht es eigentlich?

Bei jeder Früherkennungsuntersuchung wird das Kind auf mögliche schwerwiegende Erkrankungen hin untersucht und seine Entwicklung wird überprüft. Je nach Alter des Kindes liegen die Schwerpunkte hierbei auf unterschiedlichen Bereichen, zum Beispiel Beweglichkeit und Geschicklichkeit, Sprechen und Verstehen, soziales Verhalten usw. Dazu gibt es, abhängig vom jeweiligen Alter, noch zusätzliche Themen und Beratungsschwerpunkte, wie zum Beispiel Impfschutz, Vorbeugung des Plötzlichen Kindstodes, Unfallverhütung, Zahngesundheit, Fragen der Ernährung.

Auch mögliche Belastungen und Sorgen der Eltern, z. B. beim Umgang mit ihrem Kind, können bei allen U-Untersuchungen angesprochen und Lösungswege überlegt werden – zum Beispiel regionale Unterstützungsangebote (wie Eltern-Kind-Hilfen, Frühe Hilfen).

Wenn die Ärztin oder der Arzt eine Erkrankung oder Auffälligkeit feststellt oder Anzeichen für mögliche Störungen oder Entwicklungsverzögerungen vorliegen, werden die Möglichkeiten mit Ihnen besprochen und in Abstimmung mit Ihnen die erforderlichen Schritte zur genaueren Diagnose und anschließenden Behandlung in die Wege geleitet.

Kann man alles schön bei kindergesundheit-info.de nachlesen. Ergibt für mich auch total Sinn. Zum Wohle des Kindes. Wie kann man da durchfallen? Zeige ich euch gleich.
Was mich so nervt ist die Art, wie die Untersuchung durchgeführt wird, zumindest bei unserer Kinderärztin. Eine Fleischbeschau nach Schema F, ohne Rücksicht auf das Kind und dessen Stimmung, Angst oder Abwehr. Schon die erste hochgezogene Augenbraue, weil mein Kind weint, sobald die Arzthelferin reinkommt. Die mag sie nämlich nicht. Ich auch nicht. Kurzes Hin- und Her, die Kleine kooperiert nicht, klammert sich an mich, versteckt sich.
‚Kann Ihr Kind überhaupt sprechen?‘
‚Ja‘, sage ich, ‚aber sie will nicht mit Ihnen sprechen.‘
Augenbraue hoch.
‚Türme bauen?‘
‚Sie weint und ist von der Situation überfordert, jetzt wird sie das nicht machen.‘
Augenbraue hoch.
In herablassendem Ton wird weiter abgefragt und mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass die Frau mir kein Wort glaubt. Schließlich hat sie nichts bewiesen, die Kleine, nichts vorgeführt wie ein Zirkusäffchen, ist aus Schema F rausgefallen.
‚Warum weint sie denn immer noch?‘
‚Vielleicht, weil sie hier immer nur Spritzen bekommt, wenn wir zum Impfen kommen?‘
Oder weil keiner ein nettes Wort für das Kind übrig hat? Weil keiner sie direkt anspricht oder sie fragt, ob er sie anfassen darf oder erklärt, was er da gerade vorhat mit ihr? Vielleicht liegt es auch daran. Die Untersuchung bei der Ärztin ist dann genauso schlimm. Ich hatte eigentlich Hoffnung auf Besserung, nachdem die alte Ärztin in Rente gegangen ist, endlich, die mir noch mit den ganzen alten Mythen kam. Hier die Highlights:
  • Muttermilch enthält kein Eisen, das Kind braucht Fleischgläschen(hier eine Probe der Firma HIPP, die hier auch alles sponsort, auch die Fortbildungen der Ärzte und folgerichtig die Studien gleich noch mit)
  • Muttermilch verursacht Karies
  • Stillen nur alle 3 Stunden
  • bitte ab dem 4. Monat direkt zufüttern
  • Kind bitte oft ablegen, sonst gewöhnt es sich an zu viel Liebe und wird ein Tyrann

Warum ich da immer noch hingehe? Weil ich das alles bis jetzt gut überhören konnte und mein Kind nur zu den Us und zum Impfen da ist, da sie so gut wie nie auch nur einen Schnupfen hat. Es zeigt aber sehr gut, wie wenig die Kinderärzte up to date sind mit ihrem Wissen und in alten Verhaltensmustern feststecken.

Aber weiter, die Alte ist weg und die Neue leider durch deren Schule gegangen. Von bedürfnisorientiertem Umgang mit dem Kind keine Spur. Sie hat sie abgehört, obwohl sie da schon so laut geschrieen hat, dass da sowieso nichts zu hören gewesen sein kann. Und sie hat auf die Untersuchung der Genitalien bestanden. Das nimmt mich am meisten mit, da habe ich versagt, ich hätte das unterbinden sollen. Dem kreischenden Kind wird die Hose runtergezogen, da kann ich so viel ‚Dein Körper gehört dir und nein heißt nein‘ beibringen, wie ich will, wenn das dann nicht respektiert wird und ich dabei zusehe(n muss), dann ist das doch Scheiße. Ich konnte zwei Tage nicht schlafen vor Scham, dass ich mein Kind nicht besser beschützt habe, dass ich nicht NEIN gesagt habe für sie. Warum eigentlich nicht? Weil man ja immer irgendwie Angst vor den Ärzten hat, man wird total überfahren, das wird jetzt so gemacht, Punkt. Ich kann mich da auch nicht freimachen. Gebracht hat das Zulassen auch nichts,  denn im Heft steht jetzt psycho-sozial auffällig. And who cares? ICH weiß, dass meine Kleine perfekt ist, also was interessiert mich das? Kann das wirklich Folgen haben? Hat da jemand Erfahrung? Schaut sich die Schule das U-Heft an und entscheidet sich dann gegen ein Kind? Ich frage das ernsthaft, hat das jemand erlebt? Bitte bei mir melden.

‚Liegt das an der Trennung, Frau Sutholt?‘ Augenbraue hoch.

Welche Trennung genau? Danke fürs zuhören. Und schön noch ein Vorurteil bedient. Mein Kind ist nicht auffällig, weil es sich von einer Fremden nicht anfassen lassen mag. Wenn es Angst vor ihr hat, weil es sie nur mit Spritzen in Verbindung bringt. Schon vor der Praxis hat sie gesagt: ‚Mama, ich will keine Spritze!‘ Und zwar zu recht, ich hasse die auch und sie tun weh. Deshalb ist man nicht auffällig, sondern von gesundem Menschenverstand. Hier tut mir jemand weh, hier will ich nicht sein.

Ein echtes Bild von meinem Kind hat sie sich auf jeden Fall nicht gemacht. Wie toll sie sprechen kann, wie fit sie geistig ist, wie weit, all das hat die Ärztin nicht gesehen. Dass sie ganze Sätze in der Ich- Form sprechen kann, mit kausalen Nebensätzen, dass sie bis 10 zählen kann, dass sie Sachen versteht, die ich einem so kleinen Kind nie zugetraut hätte, all das weiß die Ärztin nicht. Weil sie das Kind einfach übergangen hat, weil sie das auch gar nicht interessiert. Weil keine Zeit ist und kein Interesse besteht. Dabei ginge es doch auch anders. Warum also schaut sich die Ärztin die Kinder nicht mal im Wartezimmer an? Warum sagt sie nicht Hallo, stellt sich vor und erklärt, was sie da tut? Warum geht sie nicht respektvoll mit dem Kind um? Weil das leider immer noch nicht Gang und Gäbe ist, weil Kinder nicht als Menschen respektiert werden, weil sie immer noch einfach übergangen werden. Gruselig. Und schade. Hier wird ein Kind in ein Schema gepresst und was nicht reinpasst, ist auffällig. Wirklich eine Schande. Da wundern mich Filme wie ‚Die Elternschule‘ gar nicht. Zum Glück gibt es eine heftige Gegenbewegung gegen diese gezeigten und als Heilung gefeierten Misshandlungen. Wie man mit einem Kind umgeht: einfach mal bei geborgen-wachsen.de vorbeischauen, besonders gerne auch hier. Würde auch meiner Kinderärztin nicht schaden, das Video.

Mich lässt diese Erfahrung auch eine Woche später nicht los. Was ich jetzt machen werde? Ja, den Arzt wechseln, das haben mir viele geraten, aber sind die wirklich besser oder ist es ein generelles Problem? Was ich auf jeden Fall machen werde: ich werde die Ärztin alleine aufsuchen und ihr mal ein Kundenfeedback geben. Kennt sie bestimmt nicht. Macht ja auch keiner, man will es sich ja nicht verscherzen. Warum eigentlich nicht? Was will sie denn machen? Mich auf die schwarze Liste setzen? Bitte schön.

Ganz vielleicht hat sie es aber auch noch nie so gesehen, aus Kundensicht. Vielleicht findet sie ja ein Feedback erhellend? Wer weiß. Ich werde berichten. Auf mir sitzen lassen kann ich es auf jeden Fall nicht. Ich für mich habe als Mama versagt, ich habe meine Tochter in der für sie schlimmen Situation nicht unterstützt, ich stand nicht hinter ihr und habe sie nicht beschützt und das muss ich korrigieren. Wenn auch nur für mich.

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

15 Kommentare zu „Mein Kind passt in keine Schablone

  1. Die Problematik und auch die Fragen, die man sich stellt, kenne ich zu gut. Wenn es geht wechseln. Es gibt da draußen wirklich noch gute Kinderärzte. Vielleicht mal nach einer Gemeinschaftspraxis schauen und ggf. auch etwas weiter fahren. Wenn das nicht geht, auf die nächste U vorbereiten. Bilder/Videos machen, schauen, was „abgefragt “ werden könnte und entsprechende Toleranzrahmen (meist ist ja mind.eine Toleranz von +- 6 Monaten gegeben) raussuchen. Argumentieren, nicht diskutieren. Und bei vielem wirklich einfach auf Durchzug stellen. Dein Kind, Du weißt um seine Entwicklung. Wird leider noch öfter passieren, dass jemand versuchen wird Deine Maus in ein Schema zu stecken. Unsere Gesellschaft funktioniert leider in vielen Bereichen nur noch so. Da hilft nur eine Balance zwischen Krallen ausfahren und „Lächeln und Arschloch denken“ finden. Eine Ex-KiÄ wollte mal, dass ich Madam (damals grad 6 Monate), zum impfen ablege, damit sie sie mit einer Schwester fixieren kann. Bei mir auf dem Arm könnte sie sich verstechen. Naja, mit einem Löwen sollte sich keiner Anlegen. Ich habe ihr die klare Ansage gemacht, auf dem Arm oder gar nicht.
    Meine Madame fällt in Größe und Gewicht aus dem Rahmen. Im Verhältnis bzw. ihrer Kurve passt es. Interessiert Ärzte, die nicht in der Lage sind, das ordentlich zu lesen, nicht. Oben genannte Ärztin schickte uns, weil sie meinte Madam wäre unterentwickelt, das JA vorbei. Die beiden Damen fühlten allerdings reichlich veralbert, als sie ein vollkommen normal entwickeltes Kleinstkind vorfanden
    Es hat lange gedauert bis wir einen guten Arzt gefunden hatten. Mal sehen, wie es jetzt mit der neuen vor Ort wird (als wir jetzt wegen krank zum ersten Mal da waren, war sie sehr nett und ist gut auf Madam eingegangen).

    1. Vielen Dank für deine detaillierte Antwort. Du bist ja aufgestanden für deine Maus und ich hab das nicht gemacht. Ich glaube noch nicht mal, dass die Ärztin das irgendwie böse meint, sie macht sich so gar keine Gedanken, dass man mit Kindern auch anders umgehen kann. Das nervt mich noch am meisten, dass es so normal ist, Kinder so zu behandeln.

      1. Es ist auch nicht immer leicht und bei Ärzten ist man doch immer im Zwiespalt zwischen Vertrauen und was soll der Kram?? Ich finde Informationen und darauf basierende Argumente sehr hilfreich. Wissen kann in solchen Fällen Selbstvertrauen geben.

        Ich habe selbst schon genug Massen-/Schemaabfertigung selbst erlebt und mich dagegen wehren müssen. Vielleicht fällt es mir deswegen „leichter „, was zu sagen. Du musst Dich sicher nicht schlecht fühlen, weil Du vom Verhalten der Ärztin überrumpelt warst und nichts gesagt hast. Vielleicht ist es auch eine Option, dass die nächste U der Papa Macht?

        Falls Deine Maus schon kleinere Rollenspiele macht, kann ein Arztkoffer helfen. Sowohl zum Erklären, aber auch zum Aufarbeiten. Der Umgang geht auch an den Kleinen nicht spurlos vorüber. (Falls sie schon Fernsehen darf, es gibt eine großartige Kinderserie dazu.)

        Böse meinte es die Ärztin sicher nicht. Empathie ist leider nirgendwo wirklich Thema. Dann vielleicht noch etwas übereifrig, je nachdem, wie lange die junge Nachfolgerin fertig ist mit dem Studium.

  2. Liebe Jennifer,
    das ist ja wirklich “unter aller Sau” was Ihr da durchgemacht habt.
    Ich kann Dich sehr gut verstehen.
    Und ich möchte Dir sagen, dass das Verhalten Eurer Kinderärztin und der Arzthelferin auf keinen Fall normal und zu dulden ist.
    Wir haben eine tolle Kinderarztpraxis, zwar auch ein ganz kleines bisschen alte Schule, aber sehr liebevoll mit den Kindern.
    Und mein Sohn hatte dort nie Angst, trotz der ganzen Spritzen in der Vergangenheit.
    Wir fahren, seit wir umgezogen sind, immer noch dort hin- durch die halbe Stadt. Ich war schon als Kind in dieser Praxis bei dem Vater des heutigen Arztes.
    Wenn Du magst, schreibe ich Fir gerne den Namen der Praxis.

  3. Liebe Jennifer,

    eins schon mal vorweg: die Schule wird das U-Heft niemals sehen, wir mussten es nur zur Schuluntersuchung mitbringen und die macht das Gesundheitsamt.
    Meine Tochter hat sich bei ihrer U7 ziemlich ähnlich verhalten und der Kinderarzt meinte, das wäre in dem Alter normal. Stichwort: Autonomieentwicklung. Sie ist geflüchtet, hat sich versteckt und den Arzt und mich angeschrien. Dieser meinte daraufhin: ,,Ich sehe- motorisch und sprachlich ist sie ganz fit.“ In ihr U-Heft hat er geschrieben:,, Top fit und sehr energisch.“

    Ein Jahr später war es übrigens überhaupt kein Problem mehr. Bis heute geht sie gerne zum Kinderarzt und ihr haben die folgenden U-Untersuchungen sogar Spaß gemacht. Unsere KiA Praxis ist aber auch einfühlsam und kindgerecht organisiert.
    Es ist wirklich traurig zu lesen, was dir und deiner Tochter widerfahren ist…

    1. Liebe Eli,

      Danke für deine Aufmunterung, es ist wirklich schön zu hören, dass es auch anders gehen kann. Hoffentlich finde ich auch einen entsprechenden Kinderarzt.
      Liebe Grüße

    2. Liebe Eli,

      Genau so einen Arzt wünsche ich mir, jemand, der versteht, dass Kinder eben Kinder sind und sich nicht nach Schema F bewerten lassen. Ich hoffe darauf, dass meine Maus auch das nächste Mal entspannter sein kann. Ich werde mir etwas einfallen lassen um es für sie einfacher zu machen, sei es ein Arztwechsel oder irgendeine Art von Vorbereitung.
      Liebe Grüße
      Jennifer

  4. Liebe Jennifer,

    Es tat mir beim Lesen weh, was euch da passiert ist. Ich kann deine Gefühle total nachvollziehen. Das Gespräch zu suchen, ist bestimmt eine gute Idee. Ich bin gespannt, was die Ärztin dazu sagt. Auch ich hätte wahrscheinlich wie in Schockstarre daneben gestanden.

    Aber ich möchte dir auch Mut machen.

    Niemanden geht der Inhalt des U Heftes etwas an. Keine KiTa, keine Schule – niemand darf Einsicht verlangen. Du entscheidest, wer sich das Heft ansehen darf.

    Es gibt sie auch, die guten Ärzte. Manchmal muss man sie ein bisschen Suchen und es braucht mehrere Anläufe, aber sie sind da.
    Wir haben einen ganz tollen Kinderarzt, zu dem wir für die US fahren. Er ist respektvoll, freundlich und geht direkt aufs Kind ein und redet mit ihm.
    Auch unsere Ausweichen Ärztin, zu der wir bei den Aktien Erkrankungen gehen, ist ein wahrer Schatz. Sie ist total entzückt, freundlich und macht immer ganz viel Quatsch mit dem Padawan.

    Hör dich vielleicht mal im Bekannten oder Freundeskreis um – aber bestimmt hast du das schon getan.

    Ich hoffe für dich, dass du die schlimmen Erinnerungen an die Untersuchung irgendwie verarbeiten kannst und ihr wieder „gerne“ zum Arzt gehen könnt.

    Alles Liebe,
    Vanessa

    1. Liebe Vanessa, danke für deine Worte! Ich freue mich immer zu hören, dass es auch noch gute Ärztin gibt, das macht mir Hoffnung. Ich höre mich gerade um im Bekanntenkreis, hier im Umkreis ist es ziemlich schwer, jemand zu finden, ich werde aber ab morgen hausieren gehen.
      Liebe Grüße aus Berlin
      Jennifer

  5. Ich habe mir schon vor der Geburt meines Sohnes (jetzt 2) darüber Gedanken gemacht, zu welchem Kinderarzt ich gehen soll. Wir haben hier aber auch praktisch keine große Auswahl (2 Praxen, beide ohne besonders guten Ruf). Die Lösung war dann der (junge) Hausarzt, selbst 4-facher Vater, der das wunderbar macht. Mit meiner Tochter (7 Monate) gehe ich nun ebenfalls dort hin. Kein Zwang, keine Schubladen, kein Schema. Was ich aber wichtig finde zu wissen: es muss nicht zwingend ein Kinderarzt/-ärztin sein, das kann auch der Hausarzt bzw. die Hausärztin!

  6. Eins vorweg: Du hast nicht „versagt“. Die Frau hat als Mensch und Ärztin versagt. Du warst völlig überrumpelt, wie vermutlich beinahe alle Menschen (die nicht von vorneherein auf Konfrontation aus sind). ICH wäre genauso baff gewesen. Wie schon bei Instagram geschrieben, ich kenne das so wirklich nicht. Wir hatten inzwischen zwei Kinderarztpraxen (umzugsbedingt) und nein, sowas ist mir noch nie unter gekommen. Der erste Kinderarzt hatte zwar andere Ansichten zu Fremdbetreuung und Essen, allerdings waren die nie übergriffig und ich blieb immer unverbindlich mit „hm“ zum Thema Fleisch, KiTa ab 1 etc.. In beiden Praxen wird mit dem Kind geredet, Smalltalk gemacht und überhaupt sind beide offensichtlich selbst Eltern. Da wundert sich keiner über die „Schrei-U“ (im Gegenteil). Unser Großer hat als Kleinkind auch grundsätzlich nicht mit den Ärzten geredet, er verstummte im Raum. Da man dort aber immer zuletzt im Flur wartete, haben sie ihn eben im Vorbeigehen reden gehört und das auch wahr genommen (!). Er war eben schüchtern. Unser jetziger Kinderarzt sieht vieles extrem locker, „isst er was?“, als ich nach fragte, weil unser Mittlerer absolut kein Obst und Gemüse essen wollte (auch mit 3 noch), ebenso entspannt, er würde das irgendwann tun, kein Kind erleide hier einen Mangel. Genauso fragt er wegen Windel, sah darin aber überhaupt kein Problem, betonte extra, man solle daraus kein großes Thema machen. Zu ihm (im Star Wars Shirt des Bruders) meinte er nur, ob er schon einen Jedi mit Windel gesehen habe.
    Ich finde Deine Konsequenz richtig und gut, Gespräch suchen und dann wechseln. Allerdings vermute ich, dass das Feedback nichts bringen wird, denn jemand, der Menschen nicht respektiert, wird vermutlich da nichts drauf geben und wenns bei Euch ähnlich ist wie bei uns, werden sowieso alle Praxen überfüllt sein (hier ist überall Aufnahmestopp). Jedenfalls wünsche ich Dir und Euch, dass Ihr eine gute, menschliche und empathische Praxis findet! Das ist so wichtig, denn vielleicht hat das Kind wirklich mal was. Ich fühlte und fühle mich in beiden Praxen nämlich ernst genommen (mit dem Mittleren war ich mal dort „mein Baby schreit, mein Baby schreit sonst nicht“, es war nichts zu finden, sie glaubten mir aber. Am nächsten Morgen war der Mund voller Aphten). Ich wünsche Euch alles Gute! Und bitte mach Dich nicht fertig. Du reagierst JETZT und mit sowas wie der Ärztin kann man meiner Meinung nach vorher nicht rechnen.

  7. Hallo Jennifer,

    ich bin durch eine Verlinkung durch Runzelfüßchen auf FB zu diesem Artikel gekommen.
    Erst einmal muss ich sagen: Danke für diesen offenen, ehrlichen Bericht. Du hast Fehler zugegeben, sie erkannt und auch davon erzählt. Und weißt du was? Du bist damit nicht allein.

    Diese Ärztin klingt für mich nach typischer DDR-Schule. Kinder hatten zu funktionieren, so wenig Arbeit wie irgend möglich zu machen und ein eigener Wille war in Wahrheit natürlich nur Trotz oder Bosheit des manipulierenden Kindes. Sofern das in Berlin überhaupt geht würde ich wechseln. Wie weiter oben schon gesagt wurde kann auch mal was mit dem Mäuschen sein (auch wenn wir das natürlich nicht hoffen) und dann ist es gut, wenn es Vertrauen zur Ärztin oder zum Arzt hat. Außerdem soll Gesundheitsfürsorge auch nicht als etwas ganz Schreckliches erlernt werden.

    Wir sind mit unserem Arzt sehr zufrieden, er nimmt sich Zeit und nimmt uns als Eltern ernst. Wenn sich die Maus weigert, weil sie einen schlechten Tag hat, ihr etwas weh tut oder sie sich einfach nicht wohl fühlt, dann bleibt ihm auch nichts anderes übrig. Es gibt also noch Hoffnung, dass ihr einen guten Anlaufpunkt für euch findet. Alles Gute für euch!

    Ich hoffe auch, dass Du über Deine Schuldgefühle hinweg kommst.

    Liebe Grüße,
    Nickel

    1. Vielen Dank für deine lieben Worte. Ich finde es schon wichtig, eigene Fehler einzugestehen und zuzusehen, wie man das korrigiert. Vielleicht liest das hier ja jemand, der auch ein schlechtes Gefühl hat und sich damit alleine fühlt

  8. Ich kann dich gut verstehen – ich finde, in solchen Situationen ist man einfach immer komplett überrumpelt.

    Wir sind umgezogen und die Kinder waren, als sie kleiner waren, gern am Mittwoch Nachmittag krank, wenn man zum Bereitschaftsarzt muss. Deshalb haben wir einiges gesehen an Kinderärzten. Was du beschreibst, geht aber einfach gar nicht. Nach dem Umzug hatten wir eine, die dauernd mit Pflänzchen und Wässerchen kam, das war mir zu esoterisch. Bei der jetzigen ist es stark von der Tagesform abhängig, manchmal ist sie einfach super gestresst – aber alles im Rahmen und verständlich.

    Ich persönlich finde, das Kind muss mitentscheiden. Das heißt nicht, dass ich den Arzt danach aussuche, ob es Süßes nachher oder tolles Spielzeug im Wartezimmer gibt. Ich meine, die Chemie zwischen Praxispersonal/Arzt und Kind muss einigermaßen stimmen. Wenn das so ist, kann ich als Erwachsener auch mal fünfe gerade sein lassen bzw. muss nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen (das ist keine Kritik an deinem Erlebnis!).

    Das seltsamste Erlebnis war mal ein älterer Vertretungsarzt, der die knallbunt lackierten Nägel meiner 6-jährigen (vor ihr) mit den Worten kommentierte: „Lassen Sie das, das ist ein Sexualblinker (?!)“. Der praktiziert aber nicht mehr… 😉

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