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Co-Elternschaft und Beziehung gleichzeitig suchen: Warum das keine gute Idee ist

Co-Elternschaft und Beziehung gleichzeitig, Paar Händchenhaltend

Hinweis in eigener Sache: Ich verlinke in diesem Beitrag auf Inhalte und Produkte von mir, daher kennzeichne ich das als Werbung.

Solltet ihr nach einer Co-Elternschaft und einer Beziehung gleichzeitig suchen? Auf Plattformen wie familyship.org können beide Formen der Familiengründung angekreuzt werden. Auf den ersten Blick wirkt das praktisch. Vielleicht ergeben sich dadurch mehr Matches. Vielleicht findet sich schneller eine passende Person. Vielleicht entwickelt sich aus einer Co-Elternschaft doch noch eine Beziehung oder aus einer Beziehung eine Co-Elternschaft.

Die kurze Antwort lautet trotzdem: Nein.

Wenn du gleichzeitig nach einer Co-Elternschaft und einer Beziehung suchst, machst du dir die Suche meistens schwerer statt leichter.

Der erste Schritt: Kinderwunsch und Partnerwunsch entkoppeln

Wer sich ursprünglich eine klassische Familie vorgestellt hat, muss oft zuerst Abschied von diesem Plan nehmen. Das ist nicht einfach. Viele Menschen trauern um den Wunsch nach Partner*in, gemeinsamer Schwangerschaft und Familienleben zu dritt. Diese Trauer darf da sein. Sie ist normal. Welche Schritte dich zur Entkopplung leiten, liest du hier:

Kinderwunsch ohne Partner, Frau am Scheideweg mit I can und I can't Schild

Entkopplung von Kinderwunsch und Partnerwunsch

Problematisch wird es, wenn du versuchst, den Kinderwunsch und den Partnerwunsch weiterhin gleichzeitig zu verfolgen. Dann bleibst du oft in einer Wartehaltung. Vielleicht hoffst du insgeheim doch noch auf die richtige Beziehung. Vielleicht vergleichst du jede Person, die du für eine Co-Elternschaft kennenlernst, mit der Vorstellung einer romantischen Partnerschaft. Dadurch gibst du möglichen Co-Eltern oft gar keine echte Chance.

Eine Co-Elternschaft braucht einen anderen Blick. Du suchst keinen Menschen, in den du dich verliebst. Du suchst jemanden, mit dem du Werte, Verantwortung, Kommunikation und Vorstellungen von Elternschaft teilen kannst. Erst wenn du den Wunsch nach Beziehung und den Wunsch nach Kind sauber voneinander trennst, kannst du dich wirklich auf ein alternatives Familienmodell einlassen.

Warum eine eindeutige Suche eher zu Ergebnissen führt

Wenn du nach einer Co-Elternschaft und einer Beziehung gleichzeitig suchst, sprichst du oft nicht das richtige Publikum an. Menschen, die eine Beziehung suchen, möchten meistens etwas anderes als Menschen, die gezielt eine Co-Elternschaft suchen. Wer beides gleichzeitig anbietet, wirkt schnell unklar. Die einen haben das Gefühl, nur zweite Wahl zu sein, falls keine Beziehung entsteht. Die anderen hoffen vielleicht, dass aus der Co-Elternschaft irgendwann doch noch mehr wird. Dadurch ziehst du oft Menschen an, die etwas völlig Unterschiedliches suchen. Eine eindeutige Suche führt deshalb meist schneller zu passenden Kontakten.

Wenn du eine Co-Elternschaft suchst, dann sage genau das. Menschen, die ebenfalls eine Co-Elternschaft suchen, fühlen sich davon angesprochen. Ihr könnt euch direkt mit den wirklich wichtigen Fragen beschäftigen:

  • Welche Werte habt ihr?
  • Wie stellt ihr euch die Elternrolle vor?
  • Wie wichtig sind Nähe, Alltag und gemeinsame Zeit?
  • Wo soll das Kind leben?
  • Wie wollt ihr Entscheidungen treffen?
  • Welche Rolle sollen weitere Partner*innen später spielen?

Diese Fragen gehen oft unter, wenn gleichzeitig noch offen ist, ob ihr vielleicht auch eine Beziehung miteinander wollt. Lies mehr zu den Verhandlungen in einer Co-Elternschaft hier:

Verhandlungen Co-Elternschaft, Händedruck Frau und Mann

Wie unterscheiden sich die Verhandlungen von Co-Eltern von dem Beginn einer Beziehung?

Co-Elternschaft bedeutet keine Beziehung

Co-Elternschaft bedeutet, dass zwei oder mehr Personen ein gemeinsames Kind großziehen ohne in einer romantischen Beziehung zu sein oder gewesen zu sein.

Diese Definition ist wichtig. Sie bedeutet nicht nur, dass ihr kein Paar seid. Sie bedeutet auch, dass ihr euch bewusst gegen die Vermischung von Elternschaft und Beziehung entscheidet. Genau das macht eine Co-Elternschaft oft stabiler. Wenn von Anfang an klar ist, dass ihr keine romantische Beziehung wollt, könnt ihr euch auf das konzentrieren, worauf es ankommt: Eltern werden und Eltern sein.

Sobald die Beziehungsebene offen bleibt, verändert sich die Dynamik. Vielleicht hofft eine Person auf eine Liebesbeziehung, während die andere nur ein gemeinsames Familienmodell möchte. Vielleicht stimmt jemand einer Co-Elternschaft nur deshalb zu, weil die Person glaubt, dass daraus später doch noch eine Partnerschaft entstehen könnte. Diese Erwartungen werden häufig enttäuscht.

Unterschiedliche Erwartungen führen fast immer zu Konflikten

Wenn zwei Menschen nicht dasselbe suchen, entstehen schnell Missverständnisse. Vielleicht denkt eine Person:

„Wir lernen uns erst einmal als Co-Eltern kennen und dann schauen wir, ob mehr daraus wird.“

Die andere Person denkt vielleicht:

„Ich möchte ganz sicher keine Beziehung mit dieser Person. Ich suche nur eine Co-Elternschaft, das sage ich aber nicht explizit, um mir die Chance auf eine Co-Elternschaft nicht zu nehmen“

Am Anfang wird darüber oft nicht offen gesprochen, weil beide Angst haben, die andere Person zu verlieren. Statt Offenheit gibt es Andeutungen, Hoffnungen und unausgesprochene Erwartungen. Später wird daraus oft ein Konflikt. Vielleicht fühlt sich eine Person zurückgewiesen. Vielleicht entsteht Eifersucht. Vielleicht wird Druck aufgebaut. Vielleicht beginnt eine Person, die gemeinsame Planung an Bedingungen zu knüpfen. Je weiter die Planung schon fortgeschritten ist, desto schwieriger wird es, diese Dynamik wieder aufzulösen.

Deshalb ist es wichtig, von Anfang an ehrlich zu sein.

Wenn du dir eigentlich eine Beziehung wünschst, dann suche eine Beziehung. Wenn du eine Co-Elternschaft möchtest, dann suche eine Co-Elternschaft.

Beides gleichzeitig zu suchen klingt offen und flexibel, führt in der Praxis aber oft dazu, dass niemand genau weiß, woran er oder sie ist.

Unklare Situationen können ausgenutzt werden

Die offene Suche nach Beziehung und Co-Elternschaft macht dich auch verletzlicher. Gerade Menschen mit großem Kinderwunsch sind oft bereit, Kompromisse zu machen, die sie sonst nie machen würden. Genau das können andere ausnutzen. Manche Personen halten die Beziehungsebene bewusst offen.

Sie sagen Dinge wie:

  • „Mal sehen, was sich entwickelt.“
  • „Ich könnte mir vielleicht mehr vorstellen.“
  • „Lass uns nichts ausschließen.“

Das klingt harmlos, schafft aber oft eine Situation, in der du hoffst und wartest. Manche Menschen nutzen diese Hoffnung gezielt aus. Sie versprechen Nähe, eine mögliche Beziehung oder romantische Gefühle, um schneller Vertrauen, Bindung oder Sex zu bekommen. Vor allem bei privaten Samenspendern und manchen Co-Vätern kann das problematisch werden. Wer nicht klar sagt, dass nur eine Co-Elternschaft gesucht wird, läuft Gefahr, an Menschen zu geraten, die in Wirklichkeit etwas ganz anderes möchten. Warum Sex nie zur Zeugung in einer Co-Elternschaft oder privater Samenspende genutzt werden sollte:

Samenspende mit natürlicher Methode, Paar im Bett mit verschränkten Händen

Deshalb solltet ihr nie Geschlechtsverkehr zur zeugung in erwägung ziehen

Saubere Grenzen schützen deshalb nicht nur deine Gefühle, sondern auch deine Entscheidungsfreiheit.

Warum aus einer gescheiterten Beziehung meist keine gute Co-Elternschaft wird

Manche Menschen denken: Wir versuchen erst eine Beziehung. Wenn das nicht klappt, machen wir eben eine Co-Elternschaft daraus. In der Realität funktioniert es aber selten. Wenn eine Beziehung scheitert, bleiben fast immer verletzte Gefühle zurück. Enttäuschung. Wut. Trauer.

Diese Gefühle verschwinden nicht automatisch, nur weil ihr euch entscheidet, trotzdem gemeinsam ein Kind zu bekommen. Aus einer gescheiterten Beziehung entsteht deshalb meist keine Co-Elternschaft im klassischen Sinne. Es entstehen getrennte Eltern, die ein Kind miteinander haben.

Das kann funktionieren. Viele getrennte Eltern finden mit der Zeit gute Wege. Aber es ist etwas anderes als eine Co-Elternschaft.

Eine Co-Elternschaft ist von Anfang an auf klare Absprachen, bewusste Rollen und eine stabile Zusammenarbeit ausgelegt. Bei getrennten Eltern steht dagegen oft zunächst die Trennung im Raum und die Frage, wie mit den Folgen der Beziehung umgegangen werden kann.

Wenn ihr zuerst eine Beziehung versucht und diese scheitert, startet ihr nicht bei null. Ihr startet mit Konflikten, Verletzungen oder offenen Fragen.

Das macht die Elternschaft meistens schwerer.

Saubere Grenzen schützen alle Beteiligten

Je klarer du von Anfang an suchst, desto besser. Wenn du eine Co-Elternschaft suchst, dann suche ausschließlich danach. Sage offen, dass du keine Beziehung suchst. Besprecht früh, welche Erwartungen ihr habt. Sprecht darüber, wie ihr euch Elternschaft vorstellt und welche Grenzen euch wichtig sind. Gerade diese klare Trennung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass die spätere Zusammenarbeit funktionieren kann.

Hast du Erfahrungen mit der vermischten Suche? Hat das bei dir funktioniert oder nur für Chaos gesorgt? Schreib deine Erfahrung gerne in die Kommentare.

Unterschrift Jennifer Sutholt


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