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Kinderwunsch ohne Partner: die Entkopplung von Kinderwunsch und Partnerwunsch

Kinderwunsch ohne Partner, Frau am Scheideweg mit I can und I can't Schild

Viele Personen stellen sich irgendwann die Frage: Will ich ein Kind oder nicht? und beantworten diese Frage für sich entweder sehr schnell oder sind sich jahrelang nicht sicher. Beide Gruppen stoßen dann auf ein Problem, wenn die passende Partnerperson ausbleibt. Kinderwunsch ohne Partner oder Beziehungsperson? Denn dann werden aus der einen Frage sehr viele Fragen:

  • Will ich Mutter oder Vater werden auch ohne Partner*in?
  • Will ich eine Familie oder ein Kind?
  • Ist mein Kinderwunsch stark genug, es alleine durchzuziehen?
  • Welchen Weg soll ich gehen?
  • Wer unterstützt mich?
  • Was denken die anderen?

Der Schritt, Kinderwunsch und Partner*innenwunsch voneinander zu lösen, gehört zu den ersten Schritten auf dem Weg in alternative Familienmodelle und ist gleichzeitig eine der schwierigsten Entscheidungen.

Warum Plan A so schwer loszulassen ist

Wenn eine alleinstehende Person sich entschieden hat, dass sie einen Kinderwunsch hat und sich diesen gerne erfüllen möchte, ist der nächste logische Schritt, eine*n Partner*in zu finden, um eine Familie zu gründen. Was aber ist, wenn das nicht möglich ist, sei es, weil keine Person zu finden ist oder weil aufgrund des Alters Eile geboten ist? Dann muss die Reihenfolge vertauscht werden. Erst Kind – dann Partner*in. Aber warum fällt das den meisten so schwer?

Gesellschaftliche Vorstellungen

Wenn wir an Familie denken, dann sehen wir hauptsächlich folgendes Bild vor uns: Mutter-Vater-Kind plus Haus und Hund/Katze. In unserer Gesellschaft, in Filmen, in Büchern, überall wird uns diese Kernfamilie als Goldstandard präsentiert. Dieses einzig gültige Bild von Familie verknüpft den Wunsch nach einem Kind automatisch mit dem Wunsch nach einer Partnerschaft. Selbst wenn wir wissen, dass es heute viele andere Familienmodelle gibt, wirkt diese Prägung weiter. Unser Bild von uns in der Zukunft sieht diese Familienform vor und ein anderer Weg fühlt sich fast wie ein Verrat an uns selber an. Wer keine*n Partner*in hat, hat versagt.

Romantische Liebe als Basis einer Familie

Wer keine*n romantischen Partner*innen gefunden hat, kann ja keine gutes Elternteil sein, oder? Warum das nicht stimmt, liest du im Artikel „Gute Mutter ohne Partner“. Die Idee, dass das Fundament der Familie die romantische Liebe sein soll, ist ziemlich neu. Dazu möchte ich ein Buch von Mariam Irene Tazi-Preve empfehlen: „Das Versagen der Kleinfamilie“. Absolut lesenswert, um herauszufinden, wo unser Prägung her kommt und wie wenig sie der Realität entspricht.

Die romantische Liebe ist in der Moderne ein Sehnsuchtsort. Sie führe angeblich zu einer lebenslangen Beziehung und die aus ihr hervorgehenden Kinder seien die „Frucht der Liebe“. Diese Botschaft wird unablässig transportiert, in Medien, in Filmen, im Alltag, aber auch in der Gesetzgebung. Mit ihr gehe angeblich auch die lebenslange Treue einher. Dieser Liebesmythos ist ein historisch junges Phänomen… Seit dem 20. Jahrhundert wird suggeriert, dass die romantische Liebe real wäre und in eine Ehe münden müsse. Diese Norm hält aber der Realität nicht stand, die von hohen Scheidungs- und Trennungsraten zeugt…

Quelle: Das Versagen der Kleinfamilie, Mariam Irene Tazi-Preve, Seite 19, Kapitel: Was hat die Liebe damit zu tun. Grundbegriffe und Theorie.

Die rationale Erkenntnis, dass unsere Traumfamilie eher eine Illusion ist, hilft leider meistens nicht weiter, um das innere Sehnen danach zu beenden. Welche Ängste gibt es noch, einen anderen Weg zu gehen? Den Klassiker natürlich:

Angst vor dem Urteil anderer

Schräg angeschaut, beurteilt, am Goldstandard gemessen und dann kritisiert wird bei uns eigentlich jede Familienform, die von der Norm abweicht, seien es klassische Alleinerziehende nach Trennung, Solomütter, Co-Elternschaften, Regenbogenfamilien, Leihmutterschaft und alle anderen unkonventionellen Familien. Einen guten Überblick über mögliche Wege als Frau zum Wunschkind finden sich hier: Kinderwunsch als Singlefrau und Kinderwunsch als alleinstehende Frau. Aber wie können wir uns von den Prägungen lösen, die wir alle haben?

Wie du dich Schritt für Schritt lösen kannst

Die Entscheidung, den Kinderwunsch vom Partner*innenwunsch zu trennen, geschieht selten auf Knopfdruck. Sie ist ein Prozess, der Zeit braucht und in dem du dir immer wieder reflektieren darfst, was du wirklich möchtest. Wichtig ist, dass du dir erlaubst, langsam und in kleinen Schritten vorzugehen. Das gesellschaftlich vorgegebene Konstrukt in deinem Kopf kann nicht in einem Tag zu Fall gebracht werden. Ein Kinderwunsch ohne Partner*in sollte nicht überstürzt umgesetzt werden. Vielleicht helfen dir die folgenden Schritte:

1. Motive bewusst machen

Frag dich: Warum wünsche ich mir ein Kind?
Geht es eigentlich um den Wunsch nach einer Familie, nach Nähe, nach Verantwortung oder um den Wunsch, ein Kind auf seinem Weg durchs Leben zu begleiten? Diese Unterscheidung ist zentral, weil sie dir zeigt, was du wirklich suchst. Ein Kind sollte ohne den Auftrag auf die Welt kommen, das Leben der Eltern besser zu machen.

2. Eigene Werte klären

Schreib dir auf, welche Werte dir in deinem Leben wichtig sind: Stabilität, Selbstbestimmung, Unabhängigkeit, Geborgenheit, Sicherheit. Dann überlege, wie du diese Werte auch ohne Partnerschaft leben kannst. Es muss nicht EINE Person geben, die dir alles gibt. Wer kann welche unterstützende Funktion in deinem Leben einnehmen: mit sehr guten Freund*innen kannst du deine beruflichen und finanziellen Entscheidungen besprechen und vice versa, vielleicht gibt dir deine Familie die Sicherheit, die du brauchst. Mit einer anderen Person telefonierst du häufig, da kommt emotionale Unterstützung her.

Wenn die Grundbedürfnisse auch ohne Partnerschaft erfüllbar sind, dann bist du vielleicht bereit für ein alternatives Familienmodell.

3. Alternativen kennenlernen

Sobald du weißt, dass dein Kinderwunsch für dich Priorität hat, eröffnen sich verschiedene alternative Wege zu einer Elternschaft:

  • Co-Elternschaft, wenn du die Verantwortung teilen willst.
  • Solomutterschaft, wenn du die Hauptrolle allein übernehmen möchtest.
  • Private Samenspende, wenn du den Mittelweg gehen möchtest.

Je besser du diese Optionen kennst, desto leichter fällt es dir, einen Schritt ins Handeln zu machen. Informiere dich zu den oben genanten Optionen hier: 

Reflexionsübung: Zwei Szenarien vergleichen

Nimm dir ein Blatt Papier und schreibe zwei kurze Geschichten über deine Zukunft:

Szenario A: Du hast ein Kind ohne Partner*in.

  • Wie sieht dein Alltag aus?
  • Wer unterstützt dich?
  • Welche Gefühle tauchen auf, wenn du dich in dieses Leben hineindenkst?

Szenario B: Du hast kein Kind, wartest aber weiter auf eine Partnerschaft.

  • Wie stellst du dir dein Leben in fünf oder zehn Jahren vor?
  • Welche Chancen und Freiheiten erkennst du darin?
  • Welche Gefühle entstehen, wenn du dich dort hineinversetzt?

Vergleiche anschließend die beiden Szenarien. Welches fühlt sich lebendiger, realistischer oder stimmiger für dich an? Diese Übung ersetzt keine endgültige Entscheidung, aber sie zeigt dir, wohin dein Bauchgefühl dich zieht.

Erfahrungsberichte – wie andere Personen diesen Schritt gegangen sind

Viele Frauen berichten, dass sie lange gezögert haben, bevor sie den Kinderwunsch vom Partner*innenwunsch getrennt haben. Für manche war es ein schmerzhafter Abschied vom Plan A, für andere eine befreiende Entscheidung. Gemeinsam ist allen: Mit jedem Schritt in die neue Richtung wächst die Sicherheit.

Ein persönlicher Einblick: die Geschichten dieser Frauen zeigen, wie sich dieser Weg konkret anfühlen kann.

Dein nächster Schritt: Vernetzung

Nichts unterstützt dich auf deinem Weg so sehr, wie die Gemeinschaft, die Erfahrungen, die Erkenntnisse und die Erfolgsgeschichten anderer Frauen. Nicht nur als Blogartikel, sondern in Online- oder Face-to-Face Treffen. Suche dir jetzt direkt ein für dich passendes Vernetzungstreffen aus. Sie sind inklusiv und offen für alle Phasen der Vorbereitung und können auch direkt am Anfang der Recherche besucht werden.

Fazit

Die Entscheidung, Kinderwunsch und dem Wunsch nach einer Partnerschaft voneinander zu lösen, ist kein Zeichen von Resignation oder Versagen sondern von Selbstbestimmung. Es bedeutet, dass du deinen Wunsch nach Elternschaft ernst nimmst, auch wenn der klassische Weg nicht möglich ist. Zweifel gehören dazu. Doch Klarheit entsteht, wenn du dir Alternativen anschaust und Schritt für Schritt deinen eigenen Weg gehst.

Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst: Eine Beratung kann dich auf deinem Weg begleiten.


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