Privater Samenspender

Privater Samenspender, planningmathilda

Luisa ist 36 und kommt aus Berlin. Ihr Weg zum Wunschkind zeigt besonders gut die Vielfalt, die die neuen alternativen Familienmodelle bieten. Denn Luisa hat eine Form gewählt, die irgendwo mitten drin ist auf der Skala von Solomama zu Co-Mama: der Vater ihrer Tochter ist ein privater Samenspender. Sie haben losen Kontakt, das Kind kennt den Mann als seinen Vater, aber im täglichen Leben spielt er keine Rolle. Co-Elternschaft extra light, könnte man sagen. Oder Solomama mit bekanntem Spender? Die Definition ist nicht einfach, bleibt aber am Ende der Mama selber überlassen. Auf jeden Fall ist Luisa Teil von uns Solomüttern und ich freue mich, dass sie ihre Geschichte erzählt.

Kinderwunsch von Anfang an ohne Partner

Mein Wunsch nach einem Kind besteht eigentlich seit ich denken kann. Gleichzeitig schon immer der Wunsch nach einem Kind ohne Partner. Das habe ich tatsächlich schon ganz früh gedacht. Als der passende Partner dann auch wirklich ausblieb, habe ich mehr oder weniger erfolgreich versucht, meinen Kinderwunsch zu verdrängen. Ich habe mir alle möglichen Gründe gesucht, dass das Leben doch ohne Kind viel leichter ist. Bis mir im Sommer 2016 ziemlich schlagartig und sehr intensiv klar wurde: ja, vielleicht ist es ohne Kind „leichter“, aber ich werde nie glücklich sein. Es ist schlicht nicht wahr, dass ich kein Kind möchte. Im Gegenteil, ich wünsche mir nichts sehnlicher!

Anfangs hat mich dieser Wunsch extrem belastet. Kein Partner, nicht mal der Wunsch nach einem Partner und von den Möglichkeiten einer Solomutterschaft per Samenspende wusste ich sehr, sehr wenig. Geschweige denn von der Möglichkeit, dass ein privater Samenspender bereit ist, lockeren Kontakt zum Kind zu halten. Das änderte sich jedoch recht schnell, als ich bei meiner Recherche auf den Begriff Co-Elternschaft stieß. Ich las viel über Heiminsemination, also einer Befruchtung ohne Sex und trotzdem komplett ohne medizinische Unterstützung. Co-Elternschaft im eigentlichen Sinn kam für mich nie in Frage. Ich konnte mir nicht vorstellen, einen Menschen nicht über Jahre zu kennen und trotzdem gemeinsam ein Kind groß zu ziehen. Sich mit einem Bekannten die Verantwortung, die Entscheidungen, das Sorgerecht etc zu teilen, das wollte ich nicht.

In einem Forum fand ich meinen privaten Samenspender

Mir war (und ist) aber extrem wichtig, dass es auch über die Spende hinaus Kontakt gibt. Ich wollte, dass mein Kind seinen Vater kennenlernen kann, weiß, wo seine Wurzeln liegen und jederzeit Kontakt aufnehmen kann. Tja, und was soll ich sagen: bei familyship.org habe ich recht schnell den Vater meiner heute 3jährigen Tochter gefunden. Uns war eigentlich von Anfang an klar: das passt! Die Chemie stimmte auf Anhieb und er konnte mit meinen Wünschen und Vorstellungen total mitgehen. Dennoch haben wir uns einige Male getroffen und kennengelernt, ehe es zur Spende kam. Ich glaube, es war der 26. November 2016, an dem er abends zu mir kam und wir den ersten Versuch per Bechermethode starteten.

Obwohl es zwei Tage später noch einen Versuch gab, bin ich ziemlich sicher, dass ich gleich beim 1. Mal schwanger geworden bin. Am 16. Dezember hielt ich dann den positiven Schwangerschaftstest in der Hand! Das Gefühl lässt sich nicht in Worte fassen. Zwar kannte ich zu dem Zeitpunkt schon einige Geschichten von geglückten Heiminseminationen. Trotzdem mir kam das alles so unwirklich und auch unglaublich vor, dass sowas überhaupt funktioniert. Das ist übrigens bis heute so. Ich finde es nach wie vor unglaublich und absurd, dass sowas funktioniert, aber meine Tochter ist jeden Tag aufs Neue der beste Beweis dafür! 

Zum Vater haben wir sporadischen, aber sehr freundschaftlichen Kontakt. Leider lebt er nicht mehr in Berlin, arbeitet viel und Corona tut das Übrige, dass wir uns mittlerweile fast ein Jahr lang nicht mehr gesehen haben. Er hat im Januar geplant zu kommen, aber das ist ja leider alles ungewiss in Moment. Meine Tochter weiß ganz klar, dass er ihr Vater ist. Obwohl ich ihn nur beim Vornamen nenne, redet sie seit Kurzem immer wieder von „meinem Papa“. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das auch im direkten Kontakt täte, aber wer weiß. Für ihn wäre das okay, für mich auch, weil ich verstehe, dass sie mit den anderen Kindern einfach „mithalten“ möchte. Seine Rolle wird sich dadurch nicht ändern. Für mich ist ein Papa an sich etwas anderes als „nur“ ein Vater. 

Das Model privater Samenspender basiert auf großem Vertrauen

Beide Seiten müssen darauf vertrauen, dass der andere keine Forderungen stellt, was zum Beispiel Sorgerecht oder Unterhalt angeht. Auch in der Geburtsurkunde taucht er nicht auf, so dass er von amtlicher Seite nicht ausfindig gemacht und belangt werden kann. Dieses Vertrauen birgt natürlich auch ein hohes Risiko, dessen waren wir uns beide bewusst. Und doch war uns klar, dass wir dieses Vertrauen haben können. Ich habe ihm zugesichert, dass er die Regelmäßigkeit des Kontaktes selbst bestimmen kann. Wenn er die Kleine öfter sehen möchte, stehe ich dem nicht im Weg, wenn er das nicht möchte, ist mir einfach wichtig, dass wir in lockerem Kontakt stehen und er bereit ist, wenn sie es eines Tages einfordert.

Natürlich hat meine Tochter lebenslang das Recht, den Unterhalt sogar noch nachträglich einzufordern. Das ist das größte Risiko, das ein privater Samenspender trägt. Auch wenn ich mir von Herzen wünsche, dass sie das nicht tut und selbst alles dafür tue, dass sie das nicht braucht. Aber es ist letztlich allein ihre Entscheidung und ihr gutes Recht. Dieses Risiko wird für ihn bleiben. 

Kontakt zu den Geschwistern

Der Vater hat noch an zwei weitere Mamas gespendet, eine Singlemama und ein lesbisches Paar. Insgesamt gibt es 3 weitere Kinder, die wir alle kennen und mit dem lesbischen Paar und den zwei Söhnen hat sich eine tolle Freundschaft entwickelt. Die großen Kinder sind nur 2 Monate auseinander und ein Herz und eine Seele. Meine Tochter weiß, dass sie den gleichen Vater haben. Dass das bedeutet, dass sie dadurch Geschwister sind, versteht sie natürlich nicht und ich rede über die zwei auch nicht als Halbbrüder. Mir ist wichtig, sie in nichts anzulügen; was sie fragt, bekommt sie beantwortet und ich erzähle ihr alles, was ich in ihrem Alter für wichtig halte.

Bisher fragt sie nichts. Ich glaube, es gibt für sie auch einfach keine Fragen, weil es von Anfang an keine Geheimnisse gibt. Das war und ist für mich ein Punkt, der mir extrem wichtig ist und ganz klar für eine offene Spende spricht! Damit will ich die anonyme Spende in keinster Weise abwerten, auch die hat natürlich Vorteile (zB die rechtliche Absicherung). Das muss jede Frau abwägen, was für sie ganz persönlich der richtige Weg ist. Ich für mich kann sagen, dass mein Weg für mich der richtige war und er mich bis heute und sicher auch in Zukunft sehr glücklich macht! Ein privater Samenspender war für mich genau die richtige Entscheidung.

Hast du Fragen an Luisa? Dann folge ihr doch auf Instagram. Dort erzählt sie aus ihrem Leben als Solomama. Oder du kommentierst diesen Artikel, ich leite das dann gerne weiter.

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2 Kommentare zu „Privater Samenspender

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