Was bedeutet Co-Elternschaft oder Co-Parenting eigentlich genau?

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Wer auf der Suche nach alternativen Familienmodellen ist, meist, weil es mit dem klassischen Modell nicht geklappt hat und die Verzweiflung groß ist; weil man das vielleicht auch einfach gar nicht möchte oder aus welchen Gründen auch immer, der landet irgendwann beim Co-Parenting oder Co-Elternschaft. Deshalb bist wahrscheinlich auch du hier gelandet. Willkommen erstmal, es geht sofort los.

Ich werde den Begriff Co-Elternschaft benutzen, denn das neudeutsche Co-Parenting beschreibt zwei sehr unterschiedliche Ansätze, einmal das hier vorgestellte Familienmodell ‚Freunde bekommen ein Kind zusammen‘, aber eben auch eine Art des Elternseins bzw einen Erziehungsstil unter Paaren und Expaaren. Wer sich dafür interessiert, hier entlang oder ganz wissenschaftlich und auf englisch bei Mark Feinberg. Mir geht es in diesem Artikel nur um ersteres, Freunde als Eltern.

Erstmal schauen, was Wikipedia dazu zu sagen hat:

‚Unter Co-Parenting (also Co-Elternschaft) (zusammengesetzt aus der lateinischen Vorsilbe co = zusammen und dem englischen Wort parenting = Elternschaft) versteht man eine postmoderne Form der Familiengründung, bei der eine Frau und ein Mann sich gezielt zusammentun, um (meist ohne Sex) ein Kind zu zeugen und dann in enger Abstimmung arbeitsteilig aufzuziehen, wobei die Eltern in der Regel in getrennten Haushalten leben. Die Idee besteht darin, es auch solchen Menschen zu ermöglichen, ein biologisch eigenes Kind zu haben und aufzuziehen, die mit dem anderen Elternteil zwar dauerhaft einvernehmlich auskommen, aber nicht in einer Partnerschaft leben wollen. Die Kontaktanbahnung erfolgt meist über einschlägige Webseiten. Einige Frauen berichten, dass es auch hier schwer sei, einen geeigneten männlichen Partner zu finden.‘ Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Co-Parenting

Das fasst es schonmal ganz gut zusammen, finde ich, wobei es darüber hinausgeht, nicht in einer Partnerschaft leben zu wollen, sondern oft genug auch einfach nur darum, dass sich der richtige Partner noch nicht gefunden hat, die biologische Uhr aber tickt. Oder man zeitnah Mutter bzw. Vater werden möchte, beispielsweise weil man sich schon sehr viel Zeit gelassen hat und es bald nicht mehr möglich ist. Bei mir hat der Traummann ja auch beträchtliche Verspätung, weshalb ich ihm die Rolle als Vaters des Wunschkindes einfach weggenommen habe. Wer zu spät kommt und so… Denn wie soll ich ihn in Ruhe finden, wenn meine Eierstöcke und Gebärmutter hysterisch ihre Wünsche im Gehirn anmelden? Da kann sich doch keiner konzentrieren, wenn einem beim Anblick jedes Babys die Tränen in die Augen schießen, weil man so neidisch und sehnsüchtig ist.

Ich fasse es mal in meine eigenen Worte, beschränke mich aber hier auf die Konstellation Singlefrau und Co-Vater aus Sicht der Frau, denn da kenne ich mich aus: Voraussetzung ist ein starker Kinderwunsch, der erfüllt werden soll. Und damit meine ich stark! Ungefähr so stark. In dieser Situation kann Frau zwischen mehreren Szenarien wählen.

  • Schnellstmöglich einen Partner finden, der nur darauf wartet, mit seiner absoluten Traumfrau, auf die er seit Jahren wartet um ihr die Welt zu Füßen zu legen, jetzt sofort ein Baby zu machen
  • Eine Affäre haben, ganz zufällig schwanger werden und ihn vor vollendete Tatsachen stellen
  • Eine Affäre haben, ganz zufällig schwanger werden und es ihm nicht sagen
  • Einen guten Freund fragen, ob er sich bereit erklärt, zu spenden
  • Sperma kaufen
  • Co Elternschaft

Wie das Gedankenspiel bei mir lief? Schaut mal bei Wo kommen die Babys her? nach. Punkt 1-4 fielen für mich weg, Kind ohne Mann, also nur Sperma, meist dänisches, war bei mir schwierig, da mein Beruf als Flugbegleiterin eine Betreuung des Kindes über mehrere Tage erfordert. Wie das elegant und entspannt geht mit dem Spenderkind, das kann man sehr schön bei Hanna von Solomamapluseins nachlesen. Für mich blieb also Co-Elternschaft.

Das sieht dann so aus:

Frau und Mann tun sich zusammen, allerdings nicht auf romantischer Ebene, sondern nur zum Elternsein. Wie sich das en Detail gestaltet, bleibt eigentlich jedem Coelternpaar selber überlassen. Alle Details zu unserem Abkommen, unseren Ansprüchen und unserer Realität findet ihr hier. Meist wohnen die Eltern in getrennten Wohnungen, das Kind pendelt. Wie bei einem getrennten Paar auch. Nur fällt eben der ganze emotionale Ballast weg. Keine Trennung, keine Enttäuschung, keine verletzten Egos, kein Hass. Im Idealfall. Natürlich bekommen auch viele Paare eine saubere und würdevolle Trennung hin, stellen das Wohl des Kindes über alles, verstehen sich gut und sind am Ende auch Co-Eltern, aber meistens hört man doch eher von Rosenkriegen, Schlammschlachten und für alle Beteiligten anstrengenden Trennungen. Da Co-Eltern nie himmelhochjauchzend verliebt waren, fällt das ZuTodebetrübt auch weg. Klar gibt es auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber eben unter Freunden, da wird es meistens nicht so hässlich. Oder sollte es zumindest nicht. Bei uns klappt das ziemlich gut, Streit hatten wir genau einmal, wegen irgendeinem Quatsch, nicht der Rede wert. Auch im Alltag hat Co-Elternschaft einige Vorteile. In unserem Agreement sehen die so aus:

  • Wir sind zwar beide über mehrere Tage alleine mit dem Kind, aber auf gar keinen Fall alleinerziehend, man dümpelt eher an einer langen Rettungsleine als allein im Ozean zu schwimmen. (Wie anstrengend, fordernd und auch wunderbar das Leben als Alleinerziehende ist, das beschreibt die Perlenmama ganz bezaubernd und anschaulich.) Ja, nachts um 02:00, wenn das Kind spielen will und er/ich auf gar keinen Fall, dann muss er/ich da durch, aber im Zweifel kann er/ich am nächsten Tag ausschlafen, weil sie dann bei mir/ihm ist. Wenn alle Stricke reißen, dann kann er/ich auch mal nachts rumkommen und einspringen. Wenn man von vornherein weiß, nur ich muss mich kümmern in der Nacht, dann habe zumindest ich das als gar nicht mal so stressig empfunden. Es ist halt so und dann geht es auch. Diese mentale Entlastung hat man als AlleinerziehendeR nicht. Außerdem tragen wir die geteilte Verantwortung, nichts liegt schwerer auf den Schultern als die alleinige Verantwortung für ein Kind. Große Entscheidungen treffen wir zusammen, da sind wir Partner in crime.
  • Finanziell ist es zu zweit auch gleich eine ganz andere Geschichte. Ich bekomme Unterhalt (und zwar freiwillig) als Lohnausgleich, die laufenden Kosten teilen wir. Für Pony, erstes eigenes Auto und Eigentumswohnung ist auch der Papa zuständig, bei Gelegenheit sage ich ihm das vielleicht schonmal.
  • Im ersten Jahr war die Kleine komplett bei mir, das haben wir so festgelegt, wegen des Stillens etc., man kann es aber auch ganz anders machen. Für mich war das ein ganz besonderes Jahr, ich habe eine sehr intensive Beziehung zu meiner Tochter, sie muss mich mit niemandem teilen und auch ich muss meine Zeit nicht zwischen mehreren aufteilen. Ich habe viel weniger Rollen: ich bin ich, ich bin ihre Mutter und das wars. Wenn sie um 18:00 ins Bett wollte, konnte ich entspannt mit, weil sowieso keiner auf mich gewartet hat und enttäuscht war, weil Qualitytime als Paar zu kurz kam. Wir haben zusammen in den Tag hineingelebt und das war natürlich auch nur deshalb möglich, weil wir einen tollen, flexiblen Papa haben, der sich eingefügt hat, wo es passte. Er war fast jeden tag zu Besuch und konnte seine Tochter intensiv kennenlernen, aber da musste ich nicht dabeisein, sondern konnte haushalten, duschen, schlafen. Kurz gesagt, für mich fiel die komplette Paararbeit weg, die Neuaufstellung als Eltern(Paar), das Ankommen zu dritt ist sicherlich viel Arbeit.
  • Ein Punkt, den Mamas sicher am besten verstehen: ich habe kinderfreie Tage! Regelmäßig. In meiner eigenen Wohnung, zum Sachenmachen, entspannen, arbeiten gehen. Oder einfach zum Schlafen, lesen, Nichtstun, zum einfach mal kurz nicht Mamasein. Klingt irgendwie gemein? Frag mal jede Mama auf der ganzen Welt, wie schön das mal kurz ist, wie sehr das die Akkus auflädt und wie toll es ist, sein Kleines nach zwei Tagen des Entspannens und Vermissens wiederzusehen. Wieviel Geduld man mit kindlicher Wut/Langsamkeit/Unordnung/Bockigkeit/Wiederholung und Lärm hat, wenn man vorher mal zwei Tage darauf verzichten durfte.

Wie kannst du dich in das Thema weiter einarbeiten? Die Arbeit nehmen ich dir hiermit gerne zumindest etwas ab:

Dass das Konzept auch von heterosexuellen Singlefrauen gerne angestrebt wird, ist ein eher neuer Trend, in den USA gibt es das schon länger, Vorreitern ist dort Rachel Hope, über sie gibt es einige Artikel, hier und  hier. Seinen Anfang hat das Konzept aber eher in der Lesben- und Schwulenszene genommen, wo es ausser Adoption und Samenspende eine weitere gute Möglichkeit zur Gründung einer Regenbogenfamilie ist. Einen schönen Artikel gibt es in der faz und aus den Niederlanden hier. So einige schöne Erfolgsgeschichten kann man ebenfalls im Netz nachlesen, mittlerweile berichten doch einige Frauen darüber (auf zeit.de zum Beispiel), leider meist anonym, von meiner Wenigkeit mal abgesehen, ich hoffe, ich kann mit meiner Geschichte unserer Co-Elternschaft anderen Frauen Mut machen, es auch zu probieren. Spannend ist natürlich der Blickwinkel eines Co-Vaters, unser Papa bleibt ja lieber im Hintergrund, aber Jochen König berichtet sehr informativ aus seiner Sicht. Mehr Artikel gibt es bei Wegweiser Kinderwunsch und über Christine Wagner zum Beispiel hier und in der SZ-online.

Die einzelnen Portale zum Finden eines Co-Vaters hat auf meinem Blog sehr schön ein potentieller Spender aufgelistet, zusammengefasst und bewertet. Vielleicht schreibe ich dazu nochmal gesondert einen Artikel.

Moment, schreit jetzt der geneigte Leser, was ist denn mit dem Kind? Die total egoistischen Eltern haben wir behandelt, aber was ist mit den Kindern? Wie geht es denen? Meins kann ich dazu noch nicht befragen, aber ich sehe, wie sehr sie ihren Papa liebt, wie gerne sie bei ihm ist und wie mühelos sie von einem Elternteil zum anderen wechselt. Sie kennt es nur so und für sie scheint es gut zu sein. Was sie in ein paar Jahren dazu sagt, das kann ich nur mutmaßen. Was für mich das wichtigste ist: sie ist ein absolutes Wunschkind, von uns beiden. So sehr herbeigewünscht, mit Liebe überschüttet von beiden Eltern und zwei überglücklichen Großelternpaaren. Was kann sich ein Kind mehr wünschen? Liebe lernt man vom Geliebtwerden, nicht weil man sieht, dass sich die Eltern lieben. Sonst könnten wirklich sehr viele Menschen der Vergangenheit nicht geliebt haben, denn das Modell einer Familie aus Vater und Mutter, die sich wirklich lieben und deshalb ein Kind haben, das ist noch nicht besonders alt. Meine Eltern haben aus Liebe geheiratet, meine Großeltern nicht. Die wurden verheiratet. Also ja, ich glaube, ich habe nichts falsch gemacht, habe meinem Kind die unter den Umständen beste Lebenssituation geschaffen, die mir mir möglich war und hoffe sehr, dass sie das irgendwann genauso sieht. Der Experte Dr Matthias Reinhold sagt in hallo deutschland, dass erebenfalls wenig Probleme sieht.

Dir fehlen noch Infos? Du hast Fragen? Mehr Zeitungsartikel über mich habe ich noch im Angebot, wenn du noch etwas findest, dann melde dich gerne bei mir. Ich beantworte emails zwar nicht zeitnah, aber doch zuverlässig.

planningmathilda@gmail.com

Oder du schaust uns in den üblichen sozialen Medien beim Elternsein zu:

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Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

Ein Kommentar zu „Was bedeutet Co-Elternschaft oder Co-Parenting eigentlich genau?

  1. Interessantes und für mich absolut neues Thema. Hatte bisher nie von einer solchen Konstellation gehört.
    Schön dass für dich eine tolle Möglichkeit jddtmddm hast. Weiterhin viel Spaß und Freude mit dem Nachwuchs.

    Viele Grüße
    Heike

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