Cryos Samenbank – mein Erfahrungsbericht

Kooperation mit der Cryos Samenbank

Mein erster Kontakt mit einer Samenbank

Ich habe schon ziemlich oft über Sperma und Samenspende geschrieben. Von meiner ersten Auseinandersetzung mit dem Kauf von Sperma bei einer Samenbank bis zu Annabelle, die versucht hat, mit einer Samenspende schwanger zu werden. Als ich mich vor 5 Jahren erstmals damit auseinander setzen musste und die Website irgendeiner Samenbank besucht habe, ohne Plan, ohne Ahnung, wie das gehen soll, war das mein Eindruck:

Man kann sich sogar sein Sperma nach Hause schicken lassen, in praktischen Röhrchen zur Heiminsemination (geht heute so nicht mehr). Was erstmal schön einfach und billig klingt (Sperma schon für 219€), wird relativ schnell eine komplizierte und teure Angelegenheit. Man möchte ja für sein Kind nur das Beste und natürlich soll es mir ja auch so ähnlich wie möglich sehen. Außerdem kommen ganz neue zu bedenkende Faktoren hinzu. Wie sieht es mit der Anonymität aus? Hatte ich mir gar keine Gedanken drum gemacht. Hat mein Kleines nicht das Recht, irgendwann doch seinen Erzeuger kennenzulernen? Welche psychischen Schäden provoziere ich hier? Identitätskrise vorprogrammiert? Das böse Internet macht mir gleich ein ganz schlechtes Gewissen, also schnell nochmal die Kriterien geändert. Jetzt bin ich bei mehreren Tausend Euro für mein Sperma. Wow. Und immer noch ohne Ahnung, ob das alles so richtig ist.

Ich selbst, 2015

Große Verunsicherung

Ich fühlte mich so unsicher und so geht es sicher ganz vielen Frauen. Als sich die Erkenntnis einstellte, dass es im Moment nicht klappt mit der klassischen Konstellation, kamen bei mir Gefühle wie Panik, Schock, Unsicherheit, Verzweiflung und Angst auf. Entweder alle auf einmal, dann wieder nur eins, abgewechselt mit der winzigen Hoffnung, dass es doch noch klappen kann, der Prinz bald kommt, das Pony nur einen Platten hatte. Alles in allem keine besonders schöne oder mental stabile Zeit für mich. Nach der oben beschriebenen Erfahrung mit einer Samenbank Website habe ich 2 Tage lang geweint. Ich war so krass überfordert.

Ich habe mich damals für eine Co-Elternschaft entschieden. Aber nicht für alle Frauen ist das der Weg. Mit einer Samenspende Solomama werden ist ein genauso toller Plan B. Es muss für dich passen, für niemand anders. Ich möchte heute den Prozess mit dir zusammen nochmal durchlaufen und sehen, wie es heutzutage ist, sich eine Samenbank auszusuchen. Gemeinsam mit der Cryos Samenbank werde ich den Prozess der Auswahl des Spenders bis zur Bestellung durchgehen. Denn in den letzten Jahren hat sich einiges geändert. Die Banken sind wesentlich nutzer*innenfreundlicher geworden und tun alles, um dich bei deiner Entscheidung zu unterstützen. Der Markt boomt, denn immer mehr Frauen entkoppeln den Kinderwunsch vom Wunsch nach einem Partner und erfüllen ihn sich selbstbestimmt.

Die Cryos Samenbank

Die Cryos Samenbank ist eine internationale Samenbank, die in über 100 Länder liefert und außerdem die weltweit größte Auswahl an Spendern hat. Die Website des Unternehmens ist gut übersetzt und hält Informationen zu allen wichtigen Fragen bereit. Am besten liest du dir die FAQs in Ruhe durch, damit hast du einen guten Leitfaden, wie der ganze Prozess ablaufen wird und hoffentlich nimmt dir das einen Teil der Unsicherheit. Es gibt außerdem einen schönen Text für alleinstehende Frauen, der dir sicher Mut macht. Zu Wort kommt auch Susan Golombok, die Expertin für moderne Familienkonzepte.

Cryos ist sehr um Aufklärung bemüht, die findest ausführliche Erklärungen zur Samenspende generell, aber auch zu den wichtigsten Begriffen wie Spermienqualität und MOT und die Methoden IUI oder ICI. Wenn sich noch mehr Fragen ergeben, kannst du entweder mit einem Mitarbeiter chatten oder ein kostenloses Telefongespräch buchen. Alles in allem ist die Cryos Samenbank sehr kunden*innenorientiert und bietet wirklich viele Informationen.

Nachdem wir uns mit den grundlegenden Informationen versorgt haben, interessiere ich mich natürlich am meisten für die Spender und die Bestellung, also schauen wir uns da um.

ID Release

Die Cryos Samenbank bietet Spender mit und ohne ID Release an. ID Release bedeutet, dass der Spender zustimmt, dass das Kind später seine Kontaktdaten haben darf und so die Möglichkeit hat, ihn kennenzulernen. Von einer Umfrage in meiner Community weiß ich, dass das 80% der Frauen super wichtig ist.

Prinzipiell liegt die Entscheidung bei dir, aber wenn du mit einer deutschen Klinik zusammenarbeiten möchtest, dann brauchst du einen ID Release Spender. Das Samenspenderegistergesetz legt das genau fest, denn in Deutschland haben Kinder aus einer Samenspende das Recht, mit 16 (in Ausnahmefällen auch früher), die Kontaktdaten des Spenders zu bekommen und ihn zu kontaktieren. Auch wenn du in Dänemark oder einem anderen Land behandelt werden möchtest, solltest du dir zum ID Release Gedanken machen. Warum genau und wie wichtig die Aufklärung des Kindes ist, dazu sprechen wir noch mit Katharina Horn, zertifizierte Kinderwunschberaterin und Solomama.

Wir suchen uns also einen Spender mit ID Release. Um die Profile sehen zu können, reicht eine Anmeldung bei Cryos. Die Spendersuche ist ziemlich einfach, du hast die Möglichkeit, über einen Filter die Auswahl einzuschränken. Würde ich eine Samenspende in Anspruch nehmen, ich würde einen Spender suchen, der mir ähnlich sieht, um die Chancen auf eine Ähnlichkeit zwischen mir und meinem Kind zu erhöhen.

Ich habe dir das mal simuliert, da die Daten der Spender natürlich geschützt sind. Eine Anmeldung ist aber unkompliziert. So sieht das Ergebnis meiner Spendersuche aus:

Bilder des Spenders

Mit meinen Kriterien bleiben 6 Spender zur Auswahl. Das Erwachsenenfoto schränkt die Auswahl ziemlich ein, ohne diese Option wären es 22 Spender. Aber das Aussehen wäre mir superwichtig. Die 250€ für die Fotos finde ich zwar viel, aber ohne würde ich mich unsicher fühlen. Und immerhin schalten sie mir für 3 Monate alle Erwachsenenfotos frei. Von meinen Gesprächen mit Frauen auf dem Weg zum Kind aus einer Samenspende weiß ich, dass das Aussehen für die meisten einer der wichtigsten Punkte ist. Cryos ist eine der wenigen Samenbanken, die überhaupt Erwachsenenbilder anbietet. Noch dazu professionell Bilder aus einem Shooting und nicht verwackelte unscharfe Aufnahmen aus den 80ern. Ok, so alt sind die meisten Spender gar nicht, aber ihr wisst, was ich meine.

Auch bei der Auswahl des Co-Vaters war es mir wichtig, dass er mir gefällt und ich mir vorstellen könnte, das Kind auf natürlichem Wege zu zeugen. Das geht sicher den meisten Frauen so und ist meiner Erfahrung nach einer der Hauptgründe, warum Frauen sich für einen privaten Spender entscheiden.

Private Samenspende

Da eine private Spende viele rechtliche Fallstricke enthalten kann, empfehle ich den Weg über die Samenbank. Auch wenn es sehr teuer ist, schützt dich hier das Gesetz vor Unterhalts-, Umgangs- oder Sorgerechtsansprüchen des Spenders. Und den Spender vor deinen.

Ist das Kind durch eine ärztlich unterstützte künstliche Befruchtung in einer Einrichtung der medizinischen Versorgung im Sinne von § 1a Nummer 9 des Transplantationsgesetzes unter heterologer Verwendung von Samen gezeugt worden, der vom Spender einer Entnahmeeinrichtung im Sinne von § 2 Absatz 1 Satz 1 des Samenspenderregistergesetzes zur Verfügung gestellt wurde, so kann der Samenspender nicht als Vater dieses Kindes festgestellt werden.

§ 1600d, Absatz 4

Eine private Samenspende beruht vor allen Dingen auf Vertrauen. Spendet ein langjähriger Freund, ist das sicher nochmal etwas anderes, als wenn ein fast Fremder aus einem Forum im Internet der Spender sein soll. Entscheidest du dich für eine private Samenspende von einem Fremden, kommen auch Kosten für Spermiogramm (falls gewünscht), Tests auf die verschiedenen Krankheiten, Vertrag beim Anwalt etc. auf dich zu. Wenn es dir also nur um einen besseren Eindruck vom Spender geht, so hast du bei der Cryos Samenbank einige Möglichkeiten.

Du kannst dir die Stimme anhören, Babybilder sehen, einen handgeschriebenen Brief lesen, eine Einschätzung der Mitarbeiter*innen einsehen und ziemlich viele Antworten auf einen Fragenkatalog bekommen. Außerdem eine sehr genau Beschreibung des Gesichtes.

Die Auswahl meines Spenders

Meine erste Wahl war Bert, ausgewählt anhand des Babyfotos, aber ich mochte seine Stimme nicht und habe das Profil direkt ausgeschlossen. Schon krass, was eine kurze Aufnahme bewirken kann. Meine zweite Wahl war Aaron.

Aaron also. Ich klicke auf das Profil und sehe auch gleich, wieviel Aaron Junior mich kosten würde, das finde ich gut. Ich lade mir sein PDF runter und lese es komplett durch. Jetzt weiß ich mehr über Aaron, als über eigentlich jeden meiner früheren Partner. Oder weißt du, an welcher Krankheit die Oma mütterlicherseits gestorben ist. Nein? Ich auch nicht. Auch über Haardicke, Bartfarbe oder Augenbrauen habe ich mir bisher wenig Gedanken gemacht. Aber wenn du keine Erwachsenenfotos sehen möchtest, sind das gute Anhaltspunkte, wie der Mann aussehen könnte. Vielleicht magst du ihn dir lieber vorstellen, als ihn wirklich zu sehen? Darauf geht die Samenbank ein, indem sie dir unfassbar viele kleine Informationen über den Spender gibt. Du bekommst genug Details, mit denen deine Fantasie das Bild selber entstehen lassen kann. Auch das ist total ok und richtig.

Es geht um deine Gefühle

Denn die Auswahl eines Samenspenders ist nicht einfach, löst oft Verunsicherung aus und kann auch Schuld-und Versagensgefühle erneut triggern. Vielleicht bist du schon als egoistisch bezeichnet worden, weil du das alleine durchziehen möchtest? Oder hast gerade das Gefühl, dir dein Designerbaby per Katalog zu bestellen? Bitte denk daran, bei der Auswahl eines Spenders geht es um dich. Du musst dich gut fühlen und dir sicher sein, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Natürlich sind Erbkrankheiten, CMV Status und andere Kriterien wichtig, die besprichst du am besten mit deiner Kinderwunschklinik. Aber am wichtigsten ist, dass du das Gefühl hast, für dein Kind die beste Wahl getroffen zu haben.

Dazu ist es wichtig zu wissen, dass dein Weg richtig ist. Er ist selbstbestimmt, unabhängig und mutig. Und er schadet deinem zukünftigen Kind nicht. Du hast dir sicher schon viele Gedanken gemacht, vielleicht seit Jahren. Deine Vorbereitung ist gut. Du schaffst das.

Trotzdem möchte ich dir noch mehr Sicherheit geben, daher spreche ich mit Katharina Horn, zertifizierte Kinderwunschberaterin und Solomama.

Interview mit einer Kinderwunschberaterin

Katharina, ich höre immer wieder, dass die Frauen Angst haben, dass das Kind später wütend, unglücklich, gestört, was auch immer sein wird über ihre Entscheidung, zu einer Samenbank zu gehen. Wie siehst du das?

Die Sorge höre ich immer wieder von meinen Klient*innen. In aller Kürze: Kinder aus einer Samenspende entwickeln sich ganz normal, wenn und solange rechtzeitig aufgeklärt wird. Ja, das Kind kann später einmal vielleicht als Teenager der Mutter gegenüber den Vorwurf bringen. Aber das ist ganz normal, denn Identitätsthemen gehören ja genau in dieses Alter. Ich halte es für wahnsinnig wichtig, offen und ehrlich von Anfang an über die Entstehung mit dem Kind zu sprechen, Normalität vermitteln. Keine große Sache daraus machen. Es gibt viele Wege, eine Familie zu gründen. 

Was kann ich denn konkret bei der Auswahl des Spenders tun, damit ich für mein Kind jetzt schon die beste Entscheidung treffe?

Nun ja. Heute kannst Du aus vielen Samenbanken und Kliniken auswählen. Die Wahl sollte auf jeden Fall auf einen Spender fallen, der seine Kontaktdaten später freigibt. Denn wir wissen, Kinder aus einer Samenspende erachten es als ihr Recht, zu erfahren, von wem sie abstammen. Wir wissen nicht, wie es dann später beim eigenen Kind ist. Deshalb können und sollten wir zumindest bei der Auswahl des Spenders diesen Weg ermöglichen. 

Was empfiehlst du, soll ich Halme reservieren? Was ist das übliche Prozedere? Oder entscheidet das die Klinik?

Das Problem: wir können nicht in die Zukunft sehen. Wir wissen nicht, wann, ob oder nach wie vielen Versuchen es klappt. Ein Blick ins IVF-Register verschafft Dir einen statistischen Überblick, aber das sind am Ende auch nur Zahlen. Ich empfehle: Lass Dich von der Klinik beraten, von Deinen Ärzt*innen und informiere Dich. Hole Dir so viele Informationen ab, wie nötig. Lieber einmal mehr fragen. Denn am Ende musst Du abwägen. Finanzen sind das Eine. Die Wahrscheinlichkeit versus Optimismus – dies ist häufig Thema der Beratung. Vielleicht gelingt es Dir, das voneinander zu trennen. Du musst Deinen Optimismus nicht aufgeben, wenn Du gleich mehrere Halme reservierst.

Höre auf Deinen Bauch, bespreche das Thema mit einer Person. 

Du bist selber Solomama, welchen Tipp hast du für Frauen, die gerade dabei sind, einen Spender auszuwählen?

Noch mal – und das gilt für den gesamten Kinderwunschweg: Höre auf Deinen Bauch. Mache nichts, was sich nicht gut anfühlt. Jedes Kriterium ist ok, wenn es für Dich wichtig ist.  

Liebe Katharina, danke dir für deine Worte.

Die Bestellung

Und jetzt bestellen wir unser Sperma. Zumindest hypothetisch. Ab in den Warenkorb mit 1 Halm für den direkten Gebrauch und zwei weiteren für später. Hinzu kommt eine Quotenreservierung von etwas mehr als 400€. Was ist das denn? Wird mir aber auch gleich erklärt.

In den meisten Ländern gilt eine maximale Quote pro Spender. Diese legt fest, für wie viele Schwangerschaften oder Familien ein Spender höchstens genutzt werden darf. Dies wird Schwangerschaftsquote genannt. Für einige Länder müssen Sie zwingend über eine Quotenreservierung verfügen.

cryos samenbank

Ok. Das kann ich nachvollziehen. Ich finde es gut, dass die Anzahl der Kinder pro Spender gedeckelt ist. Dass die Quotenreservierung bezahlt werden muss, ist halt so. Immerhin bekommst du das Geld zurück, wenn du das Sperma verbraucht hast und keine Schwangerschaft entstanden ist. Aber dann doch lieber schwanger sein, oder?

Mein Fazit zur Cryos Samenbank

Alles in Allem bin ich von der Aufmachung der Website ziemlich begeistert. Du bekommst hier einen guten ersten Eindruck. Ich höre immer wieder von Frauen, dass sie als ersten Schritt zum Wunschkind die Seite einer Samenbank besuchen und nicht als erstes eine Kinderwunschklinik suchen. Von Cryos wirst du direkt gut abgeholt und rundum informiert. Du bekommst alle wichtigen Begriffe erklärt, die FAQs sind wirklich ausführlich und du hast jederzeit die Möglichkeit, mit Mitarbeiter*innen zu sprechen, wenn du dich unsicher fühlst. Die Spender werden ausführlich beschrieben, jeder Spender gibt eine Stimmprobe ab. Mein größtes Plus ist, dass du aktuelle Bilder des Spenders sehen kannst. Ich als Kontrollfreak könnte ohne Bild kein Sperma bestellen.

Wenn du also gerade auf dem Weg zur Solomama mit einer Samenspende von einer Samenbank bist, dann bist du bei Cryos auf jeden Fall gut aufgehoben.

Wie hast du deinen Spender ausgesucht? Oder würdest ihn aussuchen? Was wäre dein wichtigstes Kriterium?

Ein Kommentar zu „Cryos Samenbank – mein Erfahrungsbericht

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