Entspannte Nächte für Co-Eltern

Edit: entspannte Nächte schützen allerdings nicht vor akuter Stilldemenz. Die ganze Zeit dachte ich, hey, ich muss unbedingt den Artikel über das Übernachten schreiben, hab jetzt endlich einen schönen geschrieben. Jetzt machten mich freundliche Stimmen darauf aufmerksam, das hätten sie alles schon gelesen. Hmmm. Stimmt. Schön, wenn man sein eigenes Werk so gut kennt. Naja, ich lasse den mal stehen, auch damit jeder sieht: Stilldemenz ist wirklich ein Problem bei mir 😄.

Wir haben uns mit dem Übernachten bei Papa wirklich Zeit gelassen. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, es ist noch nicht so weit und da ich mich bei der Maus immer auf meine Intuition verlassen konnte, haben wir es auch hier so gemacht. Und dass, obwohl erste Stimmen laut wurden, ob es denn je passieren wird. Und dann kam mein Geburtstag und schon eine Woche vorher bei mir der Beschluss, dass es dann passieren wird und sie das gut macht. Alle Umstände waren denkbar ungünstig- Zähne, die drücken, eine Party am nächsten Tag, lieber Besuch der Perlen, generelles Klammern an mir- aber irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Zeit reif ist.
Und siehe da: Madame marschierte mit Papa los ohne zurückzuschauen. Ich selber hatte mir eine Riesen To-Do-Liste gemacht. Ein paar Stunden getrennt, das kannten wir ja schon, aber mehr als 6 waren es eben doch nie gewesen. Während sie erstmal auf den Spielplatz gingen, habe ich gewirbelt und gebacken und eingekauft, alle Zeichen auf Ablenkung. Um 20:00 kam die Nachricht, dass die Kleine anstandslos eingeschlafen ist und ab dem Zeitpunkt war ich komplett entspannt. Lag wahrscheinlich auch an der Badewanne, in der ich da schon schwamm. Das Schöne am Übernachten bei Papa ist ja, dass ich genau weiß, sie ist in Sicherheit, sie ist bei ihrer anderen Bezugsperson, es ist nur ein anderes Bett und die Umgewöhnung, dass ich nicht da bin. Ansonsten ist es wahrscheinlich ziemlich spannend für sie, ein Abenteuer, neue Spielsachen, andere Eindrücke und jemand, der gerne die ganze Nacht spielt, hust, hust. Ich glaube, für Papa war es insgesamt am aufregendsten, er war schon ein bisschen nervös, klar, auf einmal die ganze Verantwortung, keine Ahnung, wie die Maus reagiert, wenn es keine Milch gibt, im Zweifel Schlafmangel und eventuell jede Menge Geschrei. Weiß man ja nicht, wie sie es nimmt und für ihre Gelassenheit ist sie ja nun wirklich nicht bekannt. Zum Glück war alle Sorge unbegründet, sie hat wie ein Profi nicht mal mit der Wimper gezuckt, wollte keine Milch, sondern hat schön gefuttert, sie ist ja schließlich auch schon 1,5 Jahre alt, da ist die Milch eher noch Naschen und Liebe und Nervennahrung. Probleme mit der Milch hatte eher ich, ich kam mit dem Abpumpen gar nicht hinterher. Wenigstens hatte ich so einmal das Erlebnis, genug Milch pumpen zu können, das hat ja nie so wirklich geklappt. Ich war schon froh, wenn ich in 3x15min mal 100ml aus beiden Brüsten holen konnte. Damit war mein Traum vom Milchspenden auch dahin. In der ersten Nacht ohne Baby wurde ich um 05:00 also nicht von einem futternden Baby geweckt, sondern von entsetzten Brüsten, die fast platzten. Ich sage nur 250ml!!!
Das Wiedersehen mit der Maus war am Morgen auch entspannt, sie war völlig relaxt, auch als sie später wieder bei mir und dann gleich auf der Geburtstagsparty war. Alles no big deal. Allgemeine Erleichterung bei den Eltern, denn viel Zeit ist ja nicht mehr, bis ich wieder arbeiten muss, de facto sind es nur noch 2 Wochen, aber nun haben wir schon ein paar Nächte hinter uns und es passt immer noch sehr gut. Es lief auch schon mal schlechter und die Verzweiflung bei Papa stieg doch einmal ziemlich an, als das Kind dann doch mal untröstlich war, aber da war ich direkt um die Ecke und konnte zur Rettung eilen. Wenn ich dann einmal nicht verfügbar bin, dann klappt das aber sicher trotzdem gut, man geht ja mit einer ganz anderen Einstellung an die Sache heran, wenn eben keine Rettung in Sicht ist. Die Beiden kommen also super aus ohne mich und obwohl ich das gar nicht anders erwartet habe, so freut und entspannt es mich doch trotzdem sehr. Dank Pumpen hat Papa jetzt zumindest als mentalen Exit auch noch Muttermilch im Gefrierfach, falls mal alle Stricke reißen sollten. Im Moment sind wir ja im Urlaub, da haben die beiden nochmal ordentlich Zeit miteinander und danach geht es mit riesen Schritten an die ersten paar Tage ohne Mama, mein erstes Seminar ist Mitte Mai, da werde ich ganze 2 Nächte und 3 Tage weg sein. Ich werde berichten!
Und wie geht es mir damit? Ganz ehrlich? Ich finde es großartig! Mein Baby ist gut versorgt und glücklich und nach 1,5 Jahren ist eine kleine Pause als Mama doch auch mal ganz angenehm.

Alle so: ‘vermisst du die Kleine nicht ganz furchtbar?’
Ich: ‘äääh, ja total’
*tanzt mit Weinglas durchs Zimmer und schläft 8 Stunden am Stück*
Noch Fragen? Was es nämlich heißt, als Mama mal 24 Stunden in der eigenen Wohnung zu haben, ganz alleine und entspannt, ohne die horrenden Kosten eines Babysitters, ohne das nagende schlechte Gewissen, weil nun Oma nicht schlafen kann oder sonst irgendetwas, ohne das Gefühl, das Baby zu vernachlässigen- das verstehen nur Mamas.

Verfasst von

35, alleinstehend, mit Kinderwunsch. Da diese Kombination so ziemlich jeden Mann verschreckt, habe ich mich entschlossen, alleine ein Kind zu bekommen. Über diese Reise werde ich schreiben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.