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Private Samenspende in Deutschland

Private Samenspende in Deutschland, zeigt Eizelle aus Knete und Spermien aus Knete, die darauf zu schwimmen

Hinweis in eigener Sache: Ich verlinke in diesem Beitrag auf Inhalte und Produkte von mir, daher kennzeichne ich das als Werbung.

Eine private Samenspende kann eine Möglichkeit sein, sich den Kinderwunsch ohne Partner*in zu erfüllen. Im Gegensatz zur Samenbankspende fühlt sich dieser Weg für viele persönlicher und realistischer an. Doch so einfach, wie es im Internet oft klingt, ist dieser Weg nicht. Zwischen Vertrauen, Verantwortung und rechtlichen Grauzonen braucht es viel Vorbereitung.

Was ist eine private Samenspende?

Eine private Samenspende ist einer der Wege, um Solomutter zu werden. Dabei bekommt die Wunschmutter von einem Freund, Bekannten oder einer nur dafür kennengelernten Person, meist aus dem Internet, eine Samenspende. Diese wird oft per Becher weitergegeben und das Kind in Heiminsemination gezeugt. Manche Frauen entscheiden sich auch für Geschlechtsverkehr, wovon jedoch aus medizinischen und emotionalen Gründen abgeraten wird.

Die private Samenspende liegt auf dem Spektrum der Solomutterschaft irgendwo zwischen Co-Elternschaft in Onkelfunktion und Solomutterschaft. Der Spender steht dem Kind schon früher als bei einer Samenbankspende zum Kennenlernen zur Verfügung. Manchmal trifft er das Kind auch regelmäßig. Das ist für die meisten Mütter neben finanziellen Gründen der Hauptgrund, diesen Weg zu wählen.

Ist die private Samenspende in Deutschland erlaubt?

Ja, grundsätzlich ist sie das, aber hier ist das große Problem mit der privaten Samenspende:

In Deutschland haben die biologischen Eltern genau geregelte Rechte und Pflichten. Wer ein Kind zeugt, hat Verantwortung, die sich nicht abstreifen lässt. Kein Vertrag, den ihr schließt, kann den Spender von Unterhaltspflichten befreien. Keine Rechtsanwältin oder Notarin kann euch ein Schriftstück aufsetzen, das von elterlichen Rechten und Pflichten entbindet. Denn es wird als Recht des Kindes angesehen, Umgang mit beiden Eltern zu haben und von beiden finanziell unterstützt zu werden. Heißt: Es gibt keinen privaten Spender, nur einen zeugenden Vater.

Dazu ein kurzer Blick in den Gesetzestext:

§ 1592 Vaterschaft

Vater eines Kindes ist der Mann, 

  1. der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter des Kindes verheiratet ist,
  2. der die Vaterschaft anerkannt hat oder
  3. dessen Vaterschaft nach § 1600d oder § 182 Abs. 1 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit gerichtlich festgestellt ist.

Quelle: BGB

Das bedeutet:
Die Vaterschaft kann auch gegen eine getroffene Absprache von der Mutter, vom Spender oder später vom Kind angegeben oder eingeklagt werden. Sobald die Vaterschaft festgestellt ist, gelten automatisch alle Rechte und Pflichten, wie zum Beispiel Unterhalt.

Es ist bei der Vorbereitung einer privaten Samenspende unerlässlich, dass ihr gemeinsam eine Rechtsberatung wahrnehmt und euch genau erklären lasst, welche Konsequenzen auf alle Beteiligten zu kommen. Für grundsätzliche Informationen lest meinen Artikel „Co-Parenting Vertrag“, der hat einen ganzen Abschnitt zu privater Samenspende.

Wie läuft eine private Samenspende ab?

Die Spende erfolgt meist in Eigenregie, inseminiert wird zu Hause. Wichtig ist, auch hier medizinische Sicherheit herzustellen. Gesundheitsnachweise über mindestens folgende Krankheiten muss der Spender vorlegen: HIV, Hepatitis B/C, Syphilis, Chlamydien. Am besten befragt ihr dazu eure*n Frauenärztin*in. Ist Geschlechtsverkehr geplant, muss auch die Wunschmutter die Tests machen. Wie die Heiminsemination funktioniert, lest ihr hier:

Heiminsemination, Bechermethode

alle Informationen zur Heiminsemination

Von einer anonymen Spende sollte grundsätzlich abgesehen werden. Das Kind hat ein Grundrecht darauf zu wissen, wer sein biologischer Vater ist. Gut aufgeklärte Kinder vermissen meist keinen Vater im klassischen Sinn, sind aber oft neugierig, wer der zweite Elternteil ist. Das ist völlig normal und die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme sollte unbedingt ermöglicht werden.

warum Vorbereitung so wichtig ist

Eine private Samenspende muss intensiv vorbereitet werden. Es muss ein Vertrauensverhältnis zwischen Wunschmutter und Spender entstehen. Ihr zeugt ein Kind, einen lebenden Menschen, das kann nicht mal eben so in einem kurzen Hotelzimmerkontakt passieren.

Ihr müsst euch außerdem damit auseinandersetzen, dass sich die geplante Situation ändern kann und wie ihr damit umgeht.

Beispiele:

  • Der Spender möchte doch mehr Kontakt, nachdem er das Kind kennengelernt hat
  • Die Mutter kommt in eine finanzielle Schieflage und braucht staatliche Unterstützung wie Bürgergeld oder Wohngeld. Gebt ihr den Spender nicht als zeugenden Vater an, könnt ihr diese Leistungen nicht beantragen.
  • Das Kind möchte den Kontakt intensivieren
  • Medizinische Gründe machen einen Austausch von der medizinischen Historie des Spenders unbedingt nötig.

Solche Situationen sind nicht selten. Je besser ihr vorbereitet seid, desto stabiler bleibt euer Umgang miteinander.

Vereinbarung zur privaten Samenspende

Egal, aus welchen Gründen eure Planung über den Haufen geworfen wird, ihr solltet darauf vorbereitet sein. Die beste Vorbereitung ist das gemeinsam Ausarbeiten einer schriftlichen Vereinbarung. In dieser haltet ihr alle wichtigen Punkte fest und wie ihr euch dazu geeinigt habt. Auch wenn diese rechtlich nicht bindend ist, bildet sie doch ein Fundament eurer Elternschaft und dient als Nachschlagewerk, wenn ihr euch uneins seid, wie etwas geplant war. Für diese Vereinbarung kann es keine Vorlage geben, da die Vorraussetzungen bei jeder privaten Samenspende anders sind.

  • Ihr könnt Fremde sein, die sich gerade kennenlernen und bei denen kein Kontakt zum Kind geplant ist.
  • Ihr könnt beste Freund*innen sein, die sich vorstellen, dass das Kind den Spender regelmäßig trifft.
  • Ihr könnt entfernte Bekannte sein, die planen, dass Kind und Spender sich einmal pro Jahr sehen.
  • Es kann passieren, dass ihr von einer privaten Samenspende in eine Co-Elternschaft mit wenig Beteiligung oder sogar viel Beteiligung übergeht und es ist gut, darauf vorbereitet zu sein

Ihr könnt diese Vereinbarung selbstständig erstellen, mit einer Rechtsanwältin oder geführt mit meiner Checkliste private Samenspende.

Checkliste private Samenspende Cover

Checkliste private Samenspende

Bereite dich auf deine private Samenspende vor. Mutter und weitere Elternteile plus Spender können gemeinsam alle Eckpunkte der Spende festlegen und ihre Vereinbarung über alle wichtigen Themen schriftlich festhalten.

Eine schriftliche Vereinbarung hilft, Erwartungen und Grenzen festzuhalten. Sie kann Themen enthalten wie:

  • Häufigkeit und Art des Kontakts
  • Umgang mit finanziellen Fragen, besonders mit Hinblick auf staatliche Leistungen
  • Offenlegung gegenüber Familie und Freundeskreis
  • Verhalten bei Meinungsverschiedenheiten

ALternative: Die Exklusivspende

Aktuell scheint es nur den Weg über eine Exklusivspende bei einer Samenbank zu geben, um die private Samenspende rechtlich abzusichern. Dabei wird der Spender über eine Samenbank registriert, aber die Spende steht nur einer bestimmten Person zur Verfügung. So bleibt die Spende persönlich, aber rechtlich sicherer, da der Spender durch das Samenspenderregistergesetz nicht rechtlicher Vater des Kindes werden kann. Mit dieser Option sollte ihr euch unbedingt auseinandersetzen.

Im Interview mit Constanze Bleichrodt von der Cryobank München könnt ihr dazu alle Details nachlesen. Dort findet ihr auch die passende Checkliste Exklusivspende, die euch bei deren Vorbereitung unterstützt.

Fazit: Die private Samenspende in Deutschland

Die private Samenspende kann eine gute und kostengünstige Alternative zur Samenbankspende sein. Dazu muss sie gut vorbereitet und auf ein Fundament aus Vertrauen und Offenheit gestellt werden. Sonst wird sie aufgrund des Verzichtes auf alle nachrangigen staatlichen Leistungen für die Mutter schnell zum kostspieligsten Weg zum Wunschkind.

Wer sich als Frau für diesen Weg entscheidet, sollte ihn gemeinsam mit einem gut aufgeklärten Spender und mit professioneller Begleitung gehen. Eine Rechtsberatung ist unerlässlich, eine Beratung zum Familienmodell und zur Vorbereitung kann für alle Beteiligten mehr Sicherheit und Überblick schaffen. Wenn du Unterstützung möchtest, buche dir hier ein kostenloses Kennenlerngespräch:


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2 Gedanken zu „Private Samenspende in Deutschland“

  1. Ich wollte eigentlcih eine private Samenspende machen, aber jetzt bin ich mir total unsicher. Das klingt alles ziemlich riskant. Ich dachte, wir machen einen vertrag und dann bin ich sicher.

    1. Liebe Bettina,

      Leider sind die Risiken der privaten Samenspende oft noch unbekannt. Es klingt so einfach, kann sich aber als richtig kompliziert herausstellen. Und große Gefahren bergen. Auch darf immer das Kind mitbedacht werden, du möchtest ihm ja Kontakt ermöglichen, daher muss der Spender extrem gut ausgesucht und kennengelernt werden. Komm gerne in unser Vernetzungstreffen für Solomütter vor oder nach privater Samenspende, um dich mit anderen Frauen auszutauschen, die diesen Weg schon gegangen sind. Du findest alle Infos dazu hier: https://planningmathilda.com/vernetzung-co-eltern/

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