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Solomutterschaft

Annabelles Weg zum zweiten Kind: Die Auswahl des Samenspenders

ID-Release, Ähnlichkeit, Gesundheit: Annabelle erzählt, nach welchen Kriterien sie ihren Samenspender ausgewählt hat, und was dabei wirklich zählt.

Jennifer Sutholt
Jennifer Sutholt
Psychologische Beraterin & Mediatorin · in einer Co-Elternschaft seit 2016

Hinweis in eigener Sache: Ich verlinke in diesem Beitrag auf Inhalte und Produkte von mir, daher kennzeichne ich das als Werbung.

Update: Der Versand von Spendersperma an Privatpersonen für die Heiminsemination ist in Deutschland inzwischen weggefallen. Die Auswahlkriterien in diesem Artikel bleiben trotzdem zeitlos gültig, der Weg über eine Kinderwunschklinik ist heute der übliche.

An Annabelles Weg hat mich besonders die Auswahl des Samenspenders interessiert. Daran bin ich nämlich damals gescheitert. Ein Spenderkind mit gekauftem Sperma war nicht mein Weg. Aber damals gab es tatsächlich auch so wenig schön aufbereitete Erfahrungsberichte. Heute ist das anders. Wenn du Informationen brauchst, wende dich an den Verein Solomütter Deutschland e.V.

Aber wie wählst du nun einen Spender aus? Die Samenbank, bei der ich damals gelandet bin, ließ sich jedes Detail des Spenders extra bezahlen. Sperma kostete 200€, wenn ich dann aber Haarfarbe, Augenfarbe etc. wissen wollte, kostete das extra. Am Ende war ich bei über 3000€, da ich natürlich auch wollte, dass das Kind den Spender später kennenlernen kann.

Annabelles Auswahl des Samenspenders

Das Kennenlernen des Spenders war auch Annabelle am wichtigsten. ID-Release heißt das auf Neudeutsch. Es bedeutet, dass der Spender bereit ist, das Kind mit 18 kennenzulernen. Das ist vielen Solomüttern wichtig, damit ihr Kind die Möglichkeit hat, zu sehen, woher es kommt. Es gibt viele Geschichten von Spenderkindern, die sehr unter der Tatsache litten, dass sie nicht die Wahrheit gesagt bekamen, und als es dann doch rauskam, der Spender entweder nicht zu finden oder schon verstorben war. Die kennt Annabelle natürlich auch und möchte deshalb mit ihrem Kind so transparent wie möglich sein. Die neue Generation Solomütter geht zum Glück sehr offen mit der Herkunft um.

Medizinisch musste Annabelle auf nichts achten, es gibt keine Erkrankungen oder genetischen Defekte in ihrer Familie. Auf welche äußerlichen Kriterien hat sie bei der Auswahl des Samenspenders Wert gelegt? Annabelle hat bereits eine Tochter, Finja. Also hat sie den Spender nach der Ähnlichkeit zu Finjas Vater ausgesucht, in der Hoffnung, dass sich die beiden Kinder dann ähnlich sehen werden.

Die Gene

Manche Solomütter nehmen einen Mann, der ihnen selber ähnlich sieht, damit das Kind hoffentlich ihnen ähnlich wird. Andere nehmen einen Spender mit gegensätzlichen äußeren Merkmalen, um genetische Variation zu haben. Die Genetik spielt allerdings ihr eigenes Spiel. Ich kenne eine Solomutter, deren Kind ist ihr wie aus dem Gesicht geschnitten. Wahnsinn! Meine Tochter zum Beispiel sieht aus wie der Vater, zumindest als Baby und Kleinkind. Sie kam raus, und es war klar: Hier wird niemals ein Vaterschaftstest benötigt werden. Jetzt mit 4 wird sie mir immer ähnlicher. Gene sind unberechenbar!

Ein weiterer Ansatz ist es, nach dem eigenen Beuteschema zu gehen, in der Hoffnung, dass es dann genetisch passt. Die Natur denkt sich schließlich etwas bei unserem Geschmack. Wieder andere Frauen suchen den Spender aus wie einen Partner, haben also zum Beispiel Wert auf gemeinsame Interessen gelegt. Du siehst, die Ansätze sind sehr unterschiedlich.

Generelle Auswahlkriterien

Die Sache ist wirklich individuell, besprich dich am besten mit deiner Ärztin, auf welche medizinischen Aspekte du gegebenenfalls Rücksicht nehmen solltest. Am wichtigsten ist, dass du dich mit deiner Auswahl wohl fühlst. Gedanken dazu könnten sein:

Anzahl der freigegebenen FamilienJede Samenbank legt selbst fest, für wie viele Familien ein Spender maximal freigegeben wird, das kann von Bank zu Bank stark variieren. Manchen Frauen ist eine niedrige Zahl wichtig, damit das eigene Kind nicht zu viele Halbgeschwister hat.

KörpergrößeManche Frauen orientieren sich bei der Körpergröße bewusst an sich selbst, um keine zu großen oder zu kleinen Unterschiede zu haben.

Gesundheit und FamilienanamneseWer sich zunächst stark aufs Aussehen konzentriert, übersieht leicht die Krankengeschichte. Erbliche Vorbelastungen in der eigenen Familie oder beim Spender lohnen sich, vorab genau zu prüfen.

Aussehen und persönlicher EindruckUnter den gesundheitlich unbedenklichen Kandidaten entscheiden am Ende oft das äußere Erscheinungsbild und der persönliche Gesamteindruck aus Beschreibung und Interview.

CMV-StatusFür CMV-negative Frauen kann der CMV-Status des Spenders relevant sein. Wer selbst CMV-positiv ist, muss darauf nicht achten.

Wie du heute vorgehst

Da der Versand von Spendersperma an Privatpersonen in Deutschland inzwischen weggefallen ist, läuft der Weg zur Samenbankspende heute über eine Kinderwunschklinik. Die Kriterien für die Spenderauswahl, wie oben beschrieben, bleiben aber die gleichen, ob du sie direkt bei einer Samenbank oder über deine Klinik einsiehst.

So läuft die Spenderauswahl bei den meisten Samenbanken ab

Egal bei welcher Samenbank du landest, der grundsätzliche Ablauf ist meist sehr ähnlich. Um dich überhaupt umzuschauen, musst du zunächst ein Profil anlegen, meist reicht dafür eine E-Mail-Adresse und ein Passwort, unverbindlich und kostenlos.

Bei den meisten Samenbanken wirkt die Auswahl der Spender sehr sorgfältig. Viele Männer werden aus dem Wunsch heraus Spender, anderen wirklich zu helfen, häufig sind sie zusätzlich auch Blutspender. Die Spender werden in der Regel gründlich gescreent und medizinisch getestet, die Standards für Tests auf Infektionskrankheiten und genetische Erkrankungen liegen bei seriösen Banken meist über den gesetzlichen Mindestanforderungen. Auch eine ID-Freigabe, also die Bereitschaft, das eigene Spenderkind mit 18 Jahren kennenzulernen, gehört bei vielen Spendern zum Standard.

Sobald du ein Profil angelegt hast, bekommst du meist Zugriff auf ausführlichere Informationen zum jeweiligen Spender, oft in dieser Form:

Babybilder des Spenders

Handgeschriebener Spenderbrief

Kurzbeschreibung und persönlicher Eindruck des Personals

Ausführliches Profil mit Interessen, Familiengeschichte und persönlichen Antworten des Spenders

Im ausführlichen Profil findest du meist zusätzlich Angaben zu Stärken, Schwächen, Hobbys, Familienhintergrund und teils sogar zum Stammbaum des Spenders. Wie detailliert das Angebot letztlich ausfällt, unterscheidet sich von Samenbank zu Samenbank, das lohnt sich also, vorab zu vergleichen.

Annabelle hatte ihren Spender gefunden, ihr Sperma war bestellt. Wie es für sie weiterging, ob die Insemination geklappt hat, erzähle ich dir im nächsten Teil ihrer Geschichte.

Annabelles Weg zum zweiten Kind: Ein negativer Schwangerschaftstest

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Jennifer Sutholt

Jennifer Sutholt

Jennifer Sutholt ist psychologische Beraterin mit Schwerpunkt Co-Elternschaft, private Samenspende und alternative Familienmodelle. Sie lebt seit zehn Jahren selbst in einer Co-Elternschaft und begleitet Menschen seit acht Jahren auf dem Weg zu ihrem Wunschkind.

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