Spenderkind

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Ich habe schon immer meine Gedanken in die Welt getragen und so habe ich es auch gemacht, als ich anfing, mich mit dem Thema Kind ohne Mann zu beschäftigen. Meine erste Idee war ein Spenderkind mit gekauftem Sperma. Durch Zufall lernte ich mitten in der Recherche dazu eine Kollegin kennen, die mir das Konzept der Co-Elternschaft näherbrachte, für die ich mich dann auch entscheiden habe.

Kennt man das, ein Spenderkind?

Mein Beruf ist für ein Abklopfen von Meinungen und Einstellungen auch gerade zu prädestiniert. Das Fliegervolk ist eine bunte Mischung aus Menschen, die wirklich aus jeder Richtung der Welt, Gesellschaft und Kultur kommen. Wenn man eine Umfrage machen möchte, dann hier. Und so habe ich immer wieder das Gespräch auf mein Anliegen gebracht, in wirklich ganz verschiedenen Zusammenhängen und Personenkreisen. Ich stelle eigentlich immer die gleichen Fragen und gebe selber immer die gleichen Statements ab. Ein Kind abgekoppelt von Beziehung, Mann, klassischer  Familie, alleinerziehend, mit Hilfe der Oma, vom Samenspender. Ein Spenderkind.

Die allererste Reaktion, die ich bekam: ‚Ist das erlaubt?‘

Das sagte eine recht junge Frau zu mir, die einer Generation angehört, die es eigentlich schon besser wissen sollte, so hatte ich doch immer gehofft. Anscheinend ist das nicht der Fall. Man liest ja immer wieder von der neuen Spießigkeit, aber dass die Gerüste im Kopf noch oder wieder so klassisch sind, hatte ich nicht erwartet. Dabei sind sie sogar noch starrer, als man in seiner hübschen Berlin-Hipster-neues Bildungsbürgertum-Green Smoothie-Veggie/Vegan-Öko-Verständnis für alles-Gutmenschen-Blase mitbekommen möchte. Tatsächlich ist die Frage zwar unbedacht aber nicht unberechtigt.

Das Gesetz hat sich 2018 geändert

Die meisten, die ich gefragt habe, stehen dem Konzept des Spenderkindes skeptisch gegenüber. Eine Behandlung in einer Kinderwunschklinik ist zwar mittlerweile möglich, aber noch nicht so wirklich angekommen in der Gesellschaft. Adoptionen sind zwar faktisch erlaubt, aber praktisch nahezu unmöglich. Die Kriterienliste ist unfassbar lang, die Warteliste auch und einfach alle verheirateten Paare stehen vor einem an. Ausserdem möchte ich persönlich wirklich gerne ein leibliches Kind.

Ich lasse den folgenden Abschnitten in Klammern trotzdem im Artikel, denn damals war es so und trug zu meiner Entscheidung für die Co-Elternschaft bei. Mittlerweile kann man auch in deutschen Kliniken als alleinstehende Frau Spendersperma bekommen. Da ich diesen Weg nicht gegangen bin, werde ich dazu nicht mehr viel schreiben. Wen das mehr interessiert, der ist sicher bei Hanna von Solomamapluseins gut aufgehoben, sie hat das nämlich so gemacht und ist mit ihrem Spenderkind überglücklich.

(Es gibt Richtlinien der Bundesärztekammer, die grob umschrieben besagen, dass eine künstliche Befruchtung nur bei verheirateten Paaren durchgeführt werden soll. Das ist schwammig und beinhaltet folgendes Problem für Ärzte: Der Verursacher einer Schwangerschaft ist unterhaltspflichtig und wenn der Spender anonym ist, wer hat denn nun im Falle einer Klage die Schwangerschaft verursacht? Vor möglichen Unterhaltszahlungen wollen sich viele Ärzte schützen, daher führen sie die Behandlung bei ledigen Frauen nicht durch. Scheint ja ein großartiger Weg zu sein, ‚geschiedene‘ Arztgattin zu werden. Aber heutzutage gibt es ja alles und nichts und ich verstehe die Zurückhaltung eines Arztes unter diesen Bedingungen. Frauen, die tatsächlich Unterhalt vom Arzt einklagen, verstehe ich aber nicht. Denn worum geht es mir denn? Wenn Unterhalt auch nur einmal in meinen Überlegungen als Kriterium vorkommt, stimmt die Grundeinstellung nicht.)

Urlaub mit Befruchtung

Der einfache und wie in allem schnörkellose Weg sind die Dänen, die nicht nur in Mode und Design Vorreiter sind, sondern auch was die Kindersache angeht. Dort ist eine künstliche Befruchtung einer ledigen Frau kein Problem. Urlaub in Kopenhagen. Tag 1 Tivoli und Nationalmuseum, Tag 2 im Krankenhaus, als Mitbringsel ein skandinavisches Kinderbett. Positiver Schwangerschaftstest an Tag 20, Problem gelöst. Als Lösung im Hinterkopf gespeichert, aber so richtig reizvoll klingt das für mich auch nicht. Ich habe mich ja in die Sachlage eingelesen und sofort scheint mir die praktische Umsetzung schwierig, die manchmal sogar künstlich stimulierte Eisprünge, Medikamente und ein minutiöses Timing beinhaltet. Aber gut zu wissen, dass es gehen würde.

Sehr viele meiner Freunde, Kollegen und Menschen die ich irgendwie, ein bisschen oder gar nicht kenne, finden meinen Ansatz aber toll, mutig, feministisch, unabhängig und realistisch bzw. realisierbar. Freundinnen mit Kindern oder ohne haben mir liebe, aufmunternde Nachrichten geschrieben und insgesamt fühle ich mich bestärkt, dass meine Idee nicht vollkommen hirnrissig ist.

Kind und Beziehung trennen

Es gibt natürlich auch Menschen, die mich völlig entgeistert ansehen und einfach nicht verstehen können , warum ich das machen will. Die in glücklichen Beziehungen sind und einfach nicht finden, dass es noch andere Arten von Familie geben sollte oder könnte. Ich verstehe das sogar, denn das Ideal einer Familie mit Vater-Mutter-Kind habe ich schließlich auch jahrelang angestrebt, nur eben nicht erreicht. Noch vor kurzer Zeit hätte ich gesagt, ich wünschte so sehr, ich hätte genau das.

Mittlerweile sehe ich das entspannter und habe mir mein vermeintliches Versagen vergeben. Ich gönne es jedem, aber neide es niemandem mehr. Ich habe für mich das Prinzip Kind in meiner aktuellen Situation von einer Beziehung losgelöst und seit dem fühle ich mich viel freier und nicht mehr so unter Druck gesetzt von mir selber und meinen eigenen Erwartungen an mich und mein Leben.

Ein Spenderkind kommt nach langem Hin- und Herüberlegen für mich aber nicht in Frage.

3 Kommentare zu „Spenderkind

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