Solomama werden- Interview mit Katrin von Solomamaherz

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Ich habe mir vorgenommen, auf meinem Blog alle Arten des Mutterseins abzudecken, damit du so umfassend wie möglich informiert bist. Die Möglichkeiten sind nicht endlos, aber die bekannteste ist sicher die Samenspende. Auch ich habe am Anfang den Plan gehabt, ein Spenderkind zu bekommen. Einfach in Dänemark Sperma kaufen, Bechermethode nutzen und schwanger. Tadaaaa. Genau in diesem Prozess lernte ich die Co-Elternschaft und den Co-Papa gleich mit kennen und bog zu diesem Familienmodell ab. Solomama zu werden, dazu braucht man richtig viel Mut. Und da ich den nicht hatte, habe ich mit Katrin von Solomamaherz gesprochen. Auch sie hat ein Kind ohne Mann.

Solomama werden – Katrins Weg

Katrin, du bist Mutter eines 3jährigen Sohnes. Besonders daran ist, dass du Singlemom by choice bist, das Kind also mittels einer Samenspende bekommen hast. Mich interessiert natürlich dein Weg dahin. Wie bist du denn dazu gekommen, alleine ein Kind zu bekommen? 

Also, zunächst mal stolpere ich wie immer über Singlemom “by choice” 😉 Dieser Begriff ist vor allem im internationalen Gebrauch schon sehr etabliert. Allerdings klingt mir das immer sehr nach “Ich brauche keinen Mann, ich mache das einfach alleine.”

Aber so ganz freiwillig und gewollt war das bei mir gar nicht. Ich hätte mir tatsächlich ganz gut den klassischen Weg vorstellen können. Entzückende, pflegeleichte Kinder mit einem tollen Partner, der mich auf Händen trägt und mit mir total gleichberechtigt unser Leben wuppt.

Diese Vorstellung ist leider schon direkt am passenden Partner gescheitert. Ich musste mir mit Ende 30 also sehr ernsthaft überlegen, ob ich den Traum von den entzückenden Kindern ebenfalls an den Nagel hängen will. Und das wollte ich nicht! Ich hab mir so sehr Kinder gewünscht! Und als meine Frauenärztin meinte, ich solle es doch einfach allein probieren, fiel dieses gedankliche Samenkorn bei mir auf fruchtbaren Boden. Solomama werden! Für mich ein neuer Gedanke, aber mein Ausweg aus der Misere. Natürlich hofft man bis zum letzten Moment noch auf ein Happy End. Dass doch auf dem letzten Meter noch der Traumprinz angeritten kommt. Aber die finalen Dating-Versuche waren sehr frustrierend. Also habe ich den Weg eingeschlagen, der mich letztlich zur Solomama gemacht hat.

Wir sagen also lieber Solomama. Dein Kinderwunsch war sicher so groß wie meiner. Ich wollte nach dem Entschluss, es alleine zu machen, auch erst ein Spenderkind haben. Mir lief die Co-Elternschaft zufällig über den Weg. Ich war aber ehrlich gesagt heilfroh über diesen anderen Weg, denn es so ganz alleine zu machen, das ist ziemlich mutig. So richtig. Ich bin schon fast eingeknickt, als es darum ging, mich für einen Spender und eine Klinik und überhaupt zu entscheiden. Wie hast du den Mut gefunden, es alleine zu machen? 

Der Weg zur Solomama ist ein Prozess

Du entscheidest dich ja nicht heute und morgen nimmst du das Baby mit nach Hause. Alleine. Es ist sogar meistens ein sehr langer Prozess, zumindest kenne ich keine Solomama, die sich kurzfristig entschieden hat. Bei mir hat es ganze eineinhalb Jahre gedauert! Und wie bei vielen Dingen entwickelt sich der Gedanke, der anfangs sehr viel Respekt einflößt, irgendwann zu einer gesetzten Größe und es geht “nur noch” um das wie und wann. Natürlich macht man sich um das “alleine” viele Gedanken, aber es überwiegt der starke Kinderwunsch. Und zum Glück weiß man ja noch nicht so wirklich, was da auf einen zukommt 😉

Absolut! Wenn das Baby da ist, muss es klappen. Und das tut es ja auch. Oft ist es sogar ein Vorteil, mit Baby alleine zu sein, so habe ich es empfunden. Aber du hast Recht, der Prozess ist oft lang. Bei den meisten gärt der Gedanke zum Teil über Jahre. Bei mir waren es ganze 5 Jahre, unbewusst eher 10. Trotzdem hat mir der Gedanke, es ganz alleine zu machen, schon Angst gemacht.

Ich muss gestehen, dass mir im Gegensatz zu dir der Gedanke an einen Co-Vater tatsächlich viel mehr Angst eingeflößt hat als das alleine zu wuppen. Den richtigen Co-Vater zu finden wäre mir viel schwerer gefallen, weil ich mit diesem Menschen ja tatsächlich für die nächsten mindestens 18 Jahre an einem Strang ziehen oder mir im Streitfall zumindest einig werden muss. Dagegen war die Wahl eines Spenders ja ein Klacks 🙂

Das verstehe ich total, hätte ich explizit einen Co-Vater suchen müssen, wäre mir das auch sehr schwer gefallen. Das Vertrauen muss ja wahnsinnig groß sein. Der entscheidende Punkt bei mir war die Tatsache, dass wir den gleichen Arbeitgeber haben. Das hat mir Sicherheit gegeben. Apropos Sicherheit, wie hast du dich denn sonst noch vorbereitet? Hast du deine Familien eingeweiht? Dir schon im Vorhinein ein Sicherheitsnetz geschaffen?

Die Familie mit einbeziehen oder nicht?

Ja und nein. Ich habe meine Eltern und meine Schwester vorher eingeweiht. Meine beste Freundin wusste es natürlich schon ungefähr ab dem Zeitpunkt, wo ich mich im Geiste das erste Mal gefragt habe, ob ich das auch alleine schaffe. Und ihr war im Gegensatz zu mir eigentlich sofort klar, dass ich diesen Weg dann auch gehen werde.

Ob du deine engere Familie schon vorher einweihen möchtest, hängt sicherlich sehr von der persönlichen Situation ab. Ich hatte mich auf Empfehlung der Ärzte dazu entschieden, vor Start der Kinderwunschbehandlung eine Bauchspiegelung machen zu lassen. Es wurde in einer kleinen OP unter Vollnarkose gecheckt, ob die Eileiter durchgängig sind. Das ist die organische Voraussetzungen, um mit einer IUI, also der Insemination, Erfolg zu haben. Sind die nicht gegeben, muss gleich auf eine IVF, also die externe Zeugung in der Petrischale, ausgewichen werden. Im Krankenhaus unter Vollnarkose eine OP machen zu lassen, ohne dass meine Familie davon wusste, das wollte ich nicht. Also hab ich unter vielen Tränen erzählt, was ich da vorhabe. Meine Eltern haben ganz, ganz toll reagiert, mit mir geweint, mir ihre Unterstützung zugesagt. Und von dem Moment an ganz fest mit mir gehofft, dass sie doch noch Großeltern werden.

Jetzt war ich kurz irritiert wegen der Bauchspiegelung, das ist aber keine Voraussetzung, oder? Warum wurde das bei dir gemacht?

Ich habe Morbus Crohn, eine chronische Vorerkrankung, die ein paar Jahre vorher eine sehr aufwändige OP nötig machte. Dadurch war die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich im Bauchraum irgendwelche Verwachsungen haben könnte, die die Empfängnis beeinträchtigen könnten. Hatte ich zwar nicht, aber es wurde eine leichte Form von Endometriose festgestellt, die bei dieser Gelegenheit gleich behandelt wurde. Insofern war es für mich der richtige Schritt, ich wusste, dass ich organisch fit war und bin mit IUIs in die Kinderwunschbehandlung gestartet. Aber nein, eine Voraussetzung ist es nicht grundsätzlich. Es kann aber helfen, wenn Zweifel bestehen. Denn bevor man endlos/erfolglos IUIs probiert und Geld ausgibt und Zeit verschwendet, obwohl es körperlich nicht funktionieren kann, ist eine Bauchspiegelung der schnellere Weg, um Klarheit zu bekommen. 

Hat die IUI denn funktioniert? Das ist ja quasi die Bechermethode deluxe, das Sperma wird direkt in die Gebärmutter eingeführt.

Die IUI hat leider nicht funktioniert-IVF allerdings beim ersten Versuch

Ich war zwar schon fast 40, hatte aber noch nie probiert, schwanger zu werden. Daher kam es mir logisch vor, erst mal mit der “natürlichsten” Methode zu starten und die Samenprobe einfach nur mit klinischer Hilfe dahin bringen zu lassen, wo sie hin muss. Quasi die ärztliche Heiminsemination. Nach drei leider erfolglosen IUIs haben wir dann stärkere Geschütze aufgefahren und sind zur IVF übergegangen – und da hat dann glücklicherweise der erste Versuch gleich geklappt. Dazu muss ich ergänzen, dass IUIs auch günstiger sind als IVs. Das war ein weiterer Grund, warum ich erstmal mit dieser Methode starten wollte.

Die mentale Belastung während einer Kinderwunschbehandlung ist wirklich enorm.

Wow, das klingt nach wahnsinnig viel Stress. Ich war ja schon nach einem halben und einem erfolgreichen Versuch fertig mit den Nerven. 

Die Belastung wirkt sich sowohl körperlich als auch seelisch aus. Zum einen war ich bis unter die Hutschnur mit Hormonen vollgepumpt, über Monate. Daher habe ich nicht immer so rational reagiert, wie ich das im Normalzustand vielleicht getan hätte. Zum anderen ist es wirklich sehr zermürbend. Nach jedem Versuch zwei Wochen lang in sich reinzuhorchen, ob schon irgendwo was zwickt oder zwackt oder ob es einen Einnistungsschmerz oder sonst was gibt. Und dann natürlich die steigende Aufregung, wenn ich nach zwei Wochen Zittern einen Schwangerschaftstest gemacht habe. Und dann doch wieder ein negatives Ergebnis in Händen hielt.

Noch belastender fand ich es, wenn ich kurz vor Ende der zwei Wochen plötzlich meine Tage bekam. Die Enttäuschung erschütterte mich jedes Mal bis ins Mark. Gleichzeitig sollte ich bei einem Familienfest gute Miene machen oder einen schönen Abend im Restaurant mit einer guten Freundin verbringen. Ist beides passiert und es stürzt dich einfach in totale Verzweiflung. Du weißt ja nicht, ob es jemals klappt! Und mit jedem gescheiterten Versuch nimmt die Dringlichkeit von wirklich essentiellen Fragen zu: “Wie lange kann und will ich das machen? Wie lange halte ich das psychisch durch? Und vor allem, wie lange kann ich mir das leisten?”

Zusätzlich also die Sorge um die Finanzen

Apropos Finanzen! Die sind ja mein Herzensthema. Lass uns also über Geld sprechen. Ich habe jahrelang gespart, um mir den Kinderwunsch alleine zu erfüllen, wie war das bei dir?

Jaaaaa, also. Das war bei mir definitiv ein heikles Thema, weil ich keine Rücklagen hatte. Ich hatte gut eineinhalb Jahre vor Start der Kinderwunschbehandlung eine dreimonatige Weltreise gemacht. Und hatte eigentlich den Gedanken, dass ich danach mit meinem damaligen (on/off) Partner eine Familie gründe. War super blauäugig im Nachhinein, aber ich hatte eben Torschlusspanik. Und für diese Weltreise ging im Prinzip alles drauf, was ich an Erspartem hatte. Als mein Kinderwunsch mit Partner den Bach runter ging und die Kinderwunschbehandlung alleine konkreter wurde, hab ich natürlich sofort angefangen, Geld zur Seite zu legen. Außerdem konnte ich immer einen Teil der Kosten mit den monatlichen Einkünften und den mickrigen Rücklagen, die ich hatte, abdecken. 

Aber die Gesamtkosten sind wirklich nicht ohne, gerade, wenn man Hormone spritzt und dann eben auch auf die IVF umsteigt. Da hab ich mir gesagt: Okay, es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder, ich lasse diesen Traum am Geld scheitern, oder ich nehme einen Kredit auf.

Wenn es klappt, war es das alles wert und ich bin gerne bereit, mich dafür hinterher einzuschränken, um den Kredit abzubezahlen. Und wenn es nicht klappt, kann ich ein Leben lang weiterarbeiten wie ne Verrückte und zahle den dann auch erst recht einfach ab.

ABER, das muss ich dazu sagen, das ist sicher nicht für jede der richtige Weg. Denn natürlich hat die finanzielle Last die Zweifel nach jedem Fehlversuch extrem gesteigert. 

Also hattest du eine doppelte Belastung, die finanzielle und du hast dir sicher viele Gedanken gemacht in dieser stressigen Zeit. Zweifel, ob das alles der richtige Weg ist, hattest du die? Oder eher die Angst, dass es nicht klappt? Bei mir war es so, ich wusste, wenn ich es nicht schaffe, Mutter zu werden, wäre ich nie wieder glücklich geworden. Ich wollte das schon immer so sehr. Ich bin zum Beispiel nachts aufgewacht und hatte richtige Panikattacken, dass ich diesen Wunsch nicht erfüllt bekomme und ohne Kind leben muss. 

Es ist eigentlich sogar noch mehr als eine Doppelbelastung

Denn zusätzlich zu den Riesensorgen, ob es klappt und der finanziellen Belastung, musste ich ja mein Alltagsleben auch noch einigermaßen “normal” über die Bühne bringen. Konkret meine ich damit, dass ich in dieser Zeit wirklich ständig in die Kinderwunschklinik gerannt bin. Per Ultraschall wurde der perfekte Zeitpunkt für die Insemination bestimmt. Vor der Arbeit, in der Mittagspause, manchmal aber auch mitten am Tag, wenn es zeitlich nicht anders geht.

Das ist eine zusätzliche Belastung. Ich habe zum Glück Gleitzeit und konnte meinen Plan, Solomama zu werden, einigermaßen kaschieren. Aber ich hatte ja zumindest die Bauchspiegelung mit zwei Wochen Krankschreibung. Trotzdem habe ich jederzeit damit gerechnet, dass mal ein Kollege oder gar mein Arbeitgeber fragt, ob denn so grundsätzlich alles okay ist, wenn ich ständig zum Arzt muss. 

Dennoch hat natürlich die Sorge darum, ob es denn überhaupt jemals klappt, alles andere bei weitem überwogen. Diese Angst, kinderlos zu bleiben, obwohl es der allergrößte Herzenswunsch ist und du dich so sehr danach sehnst, dein eigenes Baby im Arm zu halten, verzehrt dich von innen! Daher verstehe ich deine Panikattacken absolut. Richtig panisch war ich zwar nicht, aber ich habe sehr viel geweint in dieser Zeit. Es ist einfach die reinste Achterbahn! Nach jedem neuen Versuch war ich mega euphorisch und optimistisch und voller Hoffnung. Nach jedem Fehlversuch am Boden zerstört und total verzweifelt. Klar wusste ich, dass ich so entspannt wie möglich bleiben sollte, damit es klappt. Genau. Aber das ist leichter gesagt als getan, und ich fühle von Herzen mit allen Frauen mit, die gerade in dieser Phase sind. Solomama werden ist wahnsinnig anstrengend.

Am Mindset arbeiten

Ein Knackpunkt war für mich allerdings der Wechsel zur IVF. Ich habe mich vorher hingesetzt und mir ausgemalt, wie mein Leben aussehen würde MIT Kind. Auch, wie es wäre, wenn mein Wunsch nicht klappt. Ich hab mir eine Liste mit Dingen gemacht, die ich dann machen würde. Und für mich war klar, ich hätte alle Sicherheitsnetze über Bord geworfen, meinen Job gekündigt, mich ans Ende der Welt verkrümelt und am Strand Yoga unterrichtet. Oder hätte als Skipper Schiffe über die Weltmeere überführt oder sowas in der Art.

Aber “normal” hätte ich nicht weiterleben können, wenn ich diesen Lebenstraum hätte begraben müssen.

Da das alles aber auf jeden Fall nur halb so gut klang wie Solomama zu werden, habe ich mich voll darauf konzentriert, mir das Leben mit Kind vorzustellen und das zu visualisieren. Aber ich hatte Plan B zumindest mal durchdacht. Trotzdem kann ich nicht verhehlen, dass der finanzielle Druck mich schon auch nervös gemacht hat. Mehr als ein, zwei weitere Versuche hätte ich mir wohl nicht leisten können.

Es lesen sicher Frauen mit, die noch am Anfang stehen. Magst du Zahlen nennen, was du alles in allem ausgegeben hast? Damit ein Eindruck entsteht, was auf einen zukommen kann.

Ich weiß es tatsächlich nicht mehr ganz genau, aber ich glaube, es waren so 10.000-11.000 Euro. Solomama werden kann extrem teuer sein.

Also ungefähr 10k für 3 IUI und eine IVF. Viel Geld. Aber weisst du, ganz ehrlich, ich hätte das auch gezahlt, wenn ich gemusst hätte. Auch mit Kredit, denn wie du schon sagst, es nicht versucht zu haben, das hätte ich mir mein Leben lang nicht verziehen. Ich würde gerne noch wissen, wo du dich behandeln lassen hast. Bist du extra nach Dänemark oder hast du von der Gesetzesänderung 2018 profitiert, dass alleinstehende Frauen auch in Deutschland eine Samenspende erhalten dürfen?

Behandlung in Deutschland

Als ich anfing, mich mit dem Gedanken auseinander zu setzen, habe ich noch in Frankfurt gewohnt und meiner Recherche nach gab es nur die Möglichkeit, sich in Dänemark behandeln zu lassen. Ich hatte auch bereits Kontakt zu einer Klinik aufgenommen und per Skype das “Aufnahmegespräch” absolviert. Kurz danach bin ich berufsbedingt wieder zurück nach Berlin gezogen. Ich habe mich im SFMK-Forum angemeldet, dem größten deutschsprachigen Internetforum für Singlefrauen mit Kinderwunsch. Dort erfuhr ich, dass ich mich auch in Berlin behandeln lassen könnte!

Ich war so erleichtert, denn die zeitlichen Abstimmungen bei einer Behandlung in Dänemark sind ungleich schwieriger. Ich hab ja berichtet, dass ich ständig  zum Ultraschall gerannt bin. Das muss bei einer Behandlung in Dänemark in Kooperation mit dem Frauenarzt hier in Deutschland laufen. Kurz bevor es soweit ist, muss die hoffnungsvolle Solomama in spe dann Richtung Dänemark losdüsen. Sehr stressig alles. Zu dieser Zeit waren die Berliner Kliniken, die Singles überhaupt behandelten, trotzdem noch sehr vorsichtig.

Ich bin glücklicherweise an die Kinderwunschklinik an der Gedächtniskirche geraten. Dort sind die Ärzte der Meinung, dass jedes Baby das Recht hat, geboren zu werden. Ganz unabhängig davon, ob die Mutter in einer klassischen Paarbeziehung ist, Solomama werden möchte oder ein lesbisches Paar sich ein Kind wünscht. Dort konnte ich mich ohne irgendwelche rechtlichen Formalitäten auch als Single behandeln lassen, die in vielen anderen Kliniken Standard waren. Ein wahrer Glücksgriff! 

Eine letzte Frage noch: Was würdest du einer Frau mitgeben, die sich gerade dafür entschieden hat, Solomama zu werden? Ein guter Rat aus deinem Erfahrungsschatz.

Mein Rat, wenn du Solomama werden willst: Bleib stark

Und suche dir Unterstützung. Es werden richtig schlimme Momente kommen. Du wirst zweifeln und trauern und enttäuscht sein und verzweifelt wie noch nie zuvor. Aber du hast dich nach langem Überlegen für diesen Weg entschieden und du möchtest dein Wunschbaby in den Armen halten. Also versuche, positiv zu bleiben und Rückschläge nur als temporäre Steine im Weg zu sehen. Geh einfach weiter. Wer es noch nicht kennt, sollte sich im eben schon erwähnten SFMK-Forum anmelden. Die Frauen dort sind eine unfassbar wertvolle Unterstützung bei wirklich jeder Frage und in jeder Situation. Bei mir sind durch dieses Forum Freundschaften fürs Leben entstanden. Und es gibt Schicksale, die wirklich Mut machen und einen selbst bestärken. 

Ich wünsche dir, die du das gerade liest, wirklich von ganzem Herzen alles Glück dieser Welt und die Erfüllung deines Herzenswunsches! Bleib stark!

Katrin, vielen Dank für deine Antworten, ich hoffe sehr, dass sich Frauen von dir inspiriert fühlen und aus deiner Geschichte Kraft und Stärke ziehen können.

Du hast noch Fragen an Katrin? Dann schau dir ihre Website solomamaherz.de an. Dort kannst du sie auch kontaktieren. Außerdem zeigt sie auf Instagram ihr buntes Leben mit ihrem zauberhaften Sohn.

6 Kommentare zu „Solomama werden- Interview mit Katrin von Solomamaherz

  1. Tolles Interview, vielen Dank. Es spricht mir in vielerlei Hinsicht aus der Seele. Habe ähnliche Erfahrungen mit (vier mal) Insemination gemacht. Den Schritt zur Befruchtung in der Petrischale sind wir dann nicht gegangen, hatten ihn aber im Visier nach einer längeren Pause. Mein Mann und ich waren/sind beide körperlich ein bisschen beeinträchtigt.
    Letztlich hat es bei uns dann doch noch auf normalem Wege bzw. dank Bechermethode geklappt. Nun haben wir zwei Kinder.
    Aber die psychische und nicht zuletzt die finanzielle Belastung während der Kinderwunschbehandlung ist enorm. Besonders, wenn zu selben Zeit noch sämtliche Freundinnen ringsherum plötzlich schwanger werden, die es selbst auch schon länger probieren.
    Toll, dass es nun auch Single-Frauen in Deutschland möglich ist, sich behandeln zu lassen. Zu „meiner Zeit“ (2015-2017) war das noch nicht möglich.
    Uns hat ebenfalls geholfen, einen Plan B zu entwickeln, der auch ein Leben ohne Kinder vorsah. Das Thema Ausland spielte dabei für mich auch eine Rolle. Wenigstens für eine vorübergehende Zeit.
    Ich finde, in jeder Kinderwunschklinik sollte ein Psychologe arbeiten, der die Frauen begleitend betreut, wenn sie wollen.

    1. Liebe Greta,

      vielen Dank für dein Feedback und deine eigene Geschichte. Ich freue mich so sehr, dass es bei dir/ euch auch mit den Kindern geklappt hat!

      Ich gebe dir absolut recht, dass die psychische Komponente eine ganz, ganz große Rolle spielt und finde deinen Vorschlag mit der psychologischen Begleitung richtig. Dazu muss ich sagen, dass für Single-Frauen mit Kinderwunsch eine psychologische Beratung vorab verpflichtend ist. Das soll bei der mentalen Vorbereitung helfen und tut es auch, aber man weiß ja vorher trotzdem nicht, was einen erwartet und wo man da durch muss.

      Zum anderen hat die Kinderwunschklinik an der Gedächtniskirche, wo ich in Behandlung war, tatsächliche eine Psychologin an der Hand. Ich bin allerdings ehrlich gesagt überhaupt nicht auf die Idee gekommen, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen (bin auch nicht sicher wegen der Kosten, mein Fokus lag darauf, jeden Cent in die KiWu-Behandlung an sich zu stecken). Als Hintergrund vermute ich, dass ich mich selber nicht wirklich als „Härtefall“ empfunden habe. Im oben genannten Forum für Singlefrauen hab ich ganz andere Schicksale mitbekommen, jahrelange Behandlung, unzählige Fehlgeburten, usw., dagegen ging es mit 4 Versuchen bei mir ja tatsächlich sehr schnell. Und wenn man mittendrin ist, geht man da ja irgendwie durch. Erst hinterher ist mir so richtig bewusst geworden, welche Kräfte mir die Behandlung psychisch und physisch abverlangt hat.

      Aber ja, ich stimme dir absolut zu: eine psychologische Unterstützung wäre ganz toll, wenn sie unaufdringlich und ohne hohe Zugangsbarriere (hohe Preise, lange Wartelisten) für die Frauen in Behandlung „mitlaufen“ würde. Ich habe keine Ahnung, wie man das organisieren soll, aber vielleicht ist das ja ein Zukunftsmodell 🙂

      Alles Gute, liebe Greta!

      Viele Grüße, Katrin (Solomamaherz)

    2. Liebe Greta,
      Danke für deine Geschichte, toll, dass es bei dir dich noch geklappt hat.
      Und du hast absolut recht, die Belastung ist enorm. Wie Katrin schon sagt, gibt es eine Beratung. Zum Glück gibt es zum Beispiel Kinderwunschcoaches, die auf genau diese Situation spezialisiert sind. Einige Frauen lassen sich schon bei der Entscheidungsfindung begleiten, allerdings ist das dann eine private Leistung.
      Ich finde aber auch sehr wichtig, in so stressigen Zeiten die eigene Seele nicht zu vergessen.
      Liebe Grüße
      Jennifer

  2. Zum Glück hat sich einiges getan mittlerweile, was die psychologische Betreuung der Paare angeht.
    Wir unternahmen Ende 2014 zwei Versuche mit Insemination, Anfang 2015 noch mal zwei. Der zweite Versuch endete in einem frühen Abgang. Als es zu bluten begann, dachte ich, es sei die Regel. Die Ärzte sagten damals sinngemäß, dass auch das ein Erfolg sei. Immerhin könne ich schon mal schwanger werden.
    Von entsprechenden Coaches habe ich damals nichts mitbekommen. Meine Freundin, mit der ich sonst über so etwas rede, kam leider auch nicht als Ansprechpartnerin infrage, da sie selbst gerade schwanger war. Ich zog es vor, mich eine Weile von ihr zu distanzieren. War zu dieser Zeit besser für mein Seelenheil. Nach ein paar Monaten fanden wir aber wieder zusammen. Und sie verstand es.
    Mir half ein Gespräch mit meiner damaligen Frauenärztin. Sie bietet zusätzlich in einem gewissen Rahmen psychologische Beratung an. Ich erinnere mich daran, dass sie sagte, es sei wichtig, für sich einen Endpunkt zu definieren. Bis wohin ist man bereit, zu gehen? Wie viele Versuche möchte man noch machen? Was macht das alles mit einem?
    Sie verglich die Situation mit der von Eltern, die ein Kind verloren haben. Was ja das Schlimmste ist, was einem passieren kann. Diese haben in der Regel einen Ort zum Trauern, wo sie hingehen können. Das würde es erleichtern, den Verlust zu akzeptieren. Außerdem werden sie durch ein gewisses Netzwerk aufgefangen. Es ging halt darum, dass die standardisierte psychologische Betreuung für Paare, die versuchen schwanger zu werden, einfach fehlte zu dieser Zeit. Zumindest in unserer Stadt. Umso schöner, wenn sich jetzt etwas tut.

    Wie gesagt, wir haben nach den vier Inseminationen eine Pause eingelegt von mehreren Monaten, um den Geist frei zu bekommen. Der Termin für das Vorgespräch zur künstlichen Befruchtung war schon gesetzt, als es plötzlich klappte mit Kind Nummer eins.

    1. Liebe Greta,
      Danke nochmal für deinen ausführlichen Bericht. Ich denke auch, dass Frauen, die in diesem Prozess sind, begleitet werden sollten, leider muss das selber bezahlt werden. Allerdings ist mir das auch ein Anliegen, ich habe mit einer Kinderwunschberaterin gesprochen, das Interview findest du hier:

      https://planningmathilda.com/vorbereitung-auf-ein-kind-als-solomama/
      Hast du dir so was vorgestellt? Sag mir doch mal deine Meinung.
      Liebe Grüße
      Jennifer

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