Annabelles Weg zum zweiten Kind: Die Entscheidung
Ein Kind hat Annabelle schon, alleinerziehend mit abwesendem Vater. Jetzt plant sie ihr zweites Kind als Solomutter, per Samenbankspende. Wir begleiten sie auf ihrem Weg: wie sie zu dieser Entscheidung kam und auf welchem Weg sie schwanger werden möchte.
Meine gute Freundin, ich nenne sie Annabelle, hat sich vor einigen Jahren entschieden, ein zweites Kind zu bekommen, allein, per Samenspende. Sie wollte anonym bleiben, aber ihre Geschichte mit euch teilen. Aufgeschrieben habe ich sie nach ihren Erzählungen, in mehreren Teilen.
Bevor es um ihren eigentlichen Weg geht, beginnt ihre Geschichte mit ein bisschen Vorgeschichte, die zeigt, warum diese Entscheidung für sie so bedeutsam war.
Schwanger mit Anfang 20
Annabelle ist 22, als sie schwanger wird. Ungeplant natürlich. Antibiotika und die Pille, eine verhängnisvolle Kombination. Sie überlegt sehr lange, ob sie das Kind bekommen soll und entschließt sich zu einer Abtreibung. Gut fühlt sie sich mit dieser Entscheidung aber nicht. Als der Kindsvater, ihr ehemaliger Partner, das Kind unbedingt haben möchte und sie wieder zusammenkommen, entscheidet sie sich für das Kind. Die beste Entscheidung ihres Lebens. Ihre Tochter Finja wird ihr ganzes Glück. Trotzdem wird es kompliziert und sie muss über die Jahre über sich hinauswachsen, denn der Kindsvater, schon vorher ein extrem schwieriger Typ, entwickelt sich zunehmend zu einem unberechenbaren Narzissten, der ihr das Leben zur Hölle macht. Annabelle wird zur Löwenmama, kämpft unermüdlich für ihre Tochter. Den Kontakt zum Kind bricht der Vater ab, als die Kleine ungefähr 4 ist. Der Terror hört damit auf, für Annabelle eine Erleichterung. Doch Finja versteht nicht, warum ihr Papa sie nicht sehen will. Sie leidet.
Annabelle zieht vor Gericht, versucht, ihn zum Umgang zu zwingen. Nach 2 Jahren voller Gerichtstermine ist sie am Ende, weitere Verhandlungen kann sie sich nicht mehr leisten. Der Richter urteilt jedes Mal, dass der Vater nicht muss, wenn er nicht mag. Frustrierend. Um Unterhalt ging es ihr nie, sie wollte den Kontakt zwischen Vater und Tochter. Der weigerte sich aber konsequent. Erst als Annabelle für sich selber sagen konnte: „Ich habe alles getan, dass mein Kind seinen Vater sehen darf“, gibt sie auf. Der Kontakt zum Kindsvater hat sich damit erledigt. Finja ist nun 8 Jahre alt, an ihren Vater erinnert sie sich kaum und vermisst ihn auch nicht. Die zweite Bezugsperson ist ihre Oma, mittlerweile wohnen die beiden in der alten Heimat, einem kleinen Dorf, im eigenen Haus. Die Oma wohnt die Straße runter und betreut Finja, wenn Annabelle im Krankenhaus im Schichtdienst arbeitet.
Woher kommt das zweite Kind?
Zu zweit meistern sie ihr Leben, reisen viel, erleben viel. Einen Partner vermisst Annabelle nicht. Gelegentlich lernt sie Männer kennen, doch die stören sie eher, als dass sie Lust hat, sie wirklich in ihr Leben zu lassen. Wir sind uns ziemlich ähnlich, was das angeht. Was Annabelle allerdings zunehmend vermisst, ist ein zweites Kind. Das hat sie sich immer gewünscht. Doch welchen Weg soll sie gehen? Co-Elternschaft wie bei mir? Oder das zweite Kind als Solomama bekommen? Von mir kennt sie beide Konzepte natürlich gut.
Co-Elternschaft
Über eine Co-Elternschaft denkt Annabelle lange nach. Sie sieht ja, wie gut es bei uns läuft. Doch ein entscheidendes Argument spricht für sie dagegen: das zweite Kind hätte dann einen Vater, die Große nicht. Das kommt ihr ungerecht vor und Annabelle möchte es ihrer großen Tochter ersparen, die mit ihren acht Jahren die Situation natürlich komplett überblicken würde. Also Solomutter nach Samenbankspende werden.
Diese Wege kannst du gehen, um ein Kind alleine zu bekommen:
Kinderwunsch als Singlefrau: Wege und Möglichkeiten
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Dann stirbt plötzlich ihre Mutter. Die betreute bis jetzt Finja nach der Schule und während der Nachtschichten. Der Opa ist mit dem Kind überfordert und nicht zuverlässig, weitere Familienangehörige mit Zeit wohnen nicht in der Nähe. Was nun? Nachdem sie sich seit Jahren Gedanken darüber gemacht hat, Solomutter zu werden, handelt Annabelle genau jetzt. Sie bestellt sich Sperma in Dänemark. (Edit 2026: das geht schon seit mehreren Jahren nicht mehr, heute muss eine Kinderwunschklinik involviert sein). Da sie gerade 30 ist, braucht sie erstmal keine Kinderwunschklinik. Sie wird die Bechermethode benutzen. Erst wenn das nicht klappt, wird sie über eine künstliche Befruchtung nachdenken.
Warum genau zu diesem Zeitpunkt? Wo sich doch die Betreuungssituation so verschlechtert hat? Das frage ich sie. Die Antwort hat eine bestechende Logik: wenn Annabelle jetzt schwanger wird, wird sie im Krankenhaus so versetzt, dass sie geregelte Arbeitszeiten hat. Das ging damals Coronabedingt nicht anders. Nach der Geburt möchte sie zwei Jahren Elternzeit nehmen. Das Elterngeld wird sie aufteilen, durch das eigene Haus hat sie wenig Ausgaben und ihr Erspartes reicht für diese Zeit. Die Betreuung der Großen ist dann auch kein Problem mehr. Im Moment arbeitet sie mit verschiedenen Babysittern, die sie viel Geld kosten. Nach der Geburt wird sie nicht in den OP zurückkehren, sondern anderweitig arbeiten, bis beide Kinder größer sind. Durch die acht oder mehr Jahre Altersunterschied kann sie sich in ein paar Jahren sicher auf die große Schwester verlassen.
Das war Annabelles Entscheidung. Wie es für sie weiterging, mit der Insemination, der Auswahl eines Samenspenders und allem, was danach kam, erzähle ich dir in den nächsten Teilen ihrer Geschichte.
Annabelles Weg zum zweiten Kind: Die Insemination
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Jennifer Sutholt
Jennifer Sutholt ist psychologische Beraterin mit Schwerpunkt Co-Elternschaft, private Samenspende und alternative Familienmodelle. Sie lebt seit zehn Jahren selbst in einer Co-Elternschaft und begleitet Menschen seit acht Jahren auf dem Weg zu ihrem Wunschkind.
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