Erfahrung mit einem Massenspender

Erfahrung mit einem Massenspender, planningmathilda

Inhaltsverzeichnis

Suche nach einem Co-Vater

Isa lebt in einem kleinen Dorf irgendwo hinter München. Sie ist Mitte 30 und möchte jetzt gerne Mutter werden. Da sie keinen Partner hat, möchte sie es mit einer Co-Elternschaft versuchen. Sie meldet sich bei familyship.org an. Direkt am ersten Tag bekommt sie eine wirklich nette und ausführliche Nachricht von einem Mann. Er klingt seriös, aber etwas unsicher, sieht nett aus, es scheint zu passen. Erstmal klingt alles sehr gut, der Mann berichtet ausführlich von sich und seiner Familie. Dass sie gerade auf einen Massenspender hereinfällt, ist ihr nicht bewusst.

Massenspender schreiben oft alle neuen Profile an, auf den Plattformen kann eingesehen werden, wer sich neu registriert hat. Da sie meist eher plump ihr Sperma anbieten, oft in Kombination damit, dass sie nur natürlich spenden, also auf Sex bestehen, sortieren sich viele gleich selber aus. Einige haben aber verstanden, wie sie vorgehen müssen, um eine Frau geschickt so zu manipulieren, dass ihre Motive nicht direkt auffallen. Dass Isa ganz neu auf dem Gebiet der alternativen Familienkonzepte unterwegs ist, ist nur Teil des Problems. Auf einen der Massenspender hereinzufallen, ist tatsächlich ganz einfach. Diese Männer kennen sich aus mit der Verzweiflung, die oft mit dem Kinderwunsch einhergeht. Und benutzen sie.

Denn obwohl Isa sehr genau in ihrem Profil erklärt, was ihr vorschwebt, kontaktiert sie dieser Mann, im Hinterkopf mit einer ganz anderen Vorstellung. Und versucht sehr charmant und durch das Auslassen der Tatsache, dass er schon zahlreiche Kinder durch Samenspende gezeugt hat, sie davon zu überzeugen, dass das, was er möchte, eigentlich auch ganz gut ist. Isa möchte eine Co-Elternschaft eingehen, mit einem Vater, der aktiv ist, Verantwortung übernimmt und das Kind auch regelmäßig betreut. Der Spender hat das natürlich nicht im Sinn, eher einen Besuch alle Jubeljahre mal. Isa erzählt, wie sie den Kontakt erlebt hat.

Isas Erfahrung auf einem Portal

Ich habe mich bei familyship angemeldet mit dem Gesuch: „ Ich würde gern mit einem Co-Vater im Wechselmodell auf freundschaftlicher Basis eine Familie gründen…“. Er schrieb mir direkt am ersten Tag eine lange Mail in der er sich ausführlich beschrieben hat: Karriere, Gesundheit (er bot freiwillig Testresultate zu allen gängigen Krankheiten an, außerdem ein Spermiogramm), nur Bechermethode, flexibel. Er stehe für eine Co-Elternschaft oder eine Samenspende zur Verfügung. Ich war natürlich skeptisch, da er eigentlich als Samenspender auftritt, habe aber gedacht auf Grund dieses Satzes, dass er wohl auch Co-Parenting machen möchte. Ich suche ja KEINEN Samenspender, das wird er ja wohl gelesen haben. Nun gut, ich bin ganz neu auf dem Gebiet, ich wollte offen bleiben.

Ich begann also, Fragen zu stellen nach seinen Motiven, warum er Samen spendet und ob bereits eine Co-Elternschaft besteht. Ich schrieb ihm, dass eine reine Samenspende für mich erstmal nicht in Frage kommt, ich möchte definitiv, dass mein Kind einen guten Kontakt zum Vater hat und auch ich möchte da ein freundschaftliches Verhältnis aufbauen. Meinen Standpunkt habe ich mehrmals klar gemacht. Dann ist er auf seine Familiengeschichte eingegangen, hat aber meine Fragen im wesentlichen nicht beantwortet, auch meine weiteren Fragen und Aussagen zur gewünschten Erziehung blieben unbeantwortet. Im Nachhinein sehe ich, wie wage er geblieben ist und dass ich das in meiner Euphorie nicht bemerkt habe.

Telefongespräch mit dem potentiellen Vater

Wir verabredeten uns zu einem Telefongespräch. Dieses fing eher schüchtern von ihm an: „Ich weiß nicht was ich sagen soll, was erzählt man in so einem Gespräch? Ich bin schon länger dort angemeldet, aber wenn man nicht schreibt, passiert auch nichts“ – klingt ja erst mal nicht schlimm! Auch als ich mich beschwerte, dass mich diverse Massensamenspender angeschrieben hätten, kam keine Reaktion, die mich darauf hätte hinweisen können. Stattdessen erzählte er ziemlich schwammig von seinem beruflichen Alltag. Er sprach auch viel von zwischenmenschlichen Beziehungen, die das Leben bereichern. Als ich ihn dann fragte wie er sich die Co-Elternschaft vorstellt, kam raus, dass er eigentlich nur Samenspender ist. Aber weiterhin sagte er, er wäre an einer Co-Elternschaft interessiert.

So wie er sich gab, schüchtern und zurückhaltend, habe ich ihm abgenommen, dass er sowas auch noch nicht gemacht hat.

Isa im Interview

Ich fragte: „Was bekomme ich von Dir?“ Antwort: „Meinen Samen“. Ich habe dann gesagt: „Aber was ist mit Deiner Zeit, wie möchtest Du teilhaben? Kommst Du regelmäßig ein paar Tage aufs Land? Oder holst das Kind tageweise zu Dir?“ Und da merkte ich, dass er nur der Onkel sein will, der zweimal im Jahr zum Kaffee trinken kommt. Darauf angesprochen hat er sich raus geredet, dass er mit einem Baby nichts anfangen kann, beruflich eingespannt ist und nicht weiß, wie lange er jeweils in München ist. Ich möchte ausdrücklich sagen, dass ich private Samenspender nicht verurteile oder grundsätzlich schlecht finde. Ich suche zur Zeit einfach etwas anderes. ABER: Zu keiner Zeit hat er mir gesagt, dass er schon einige Spenderkinder hat! Die Tatsache, dass jemand Massenspender ist, sollte offen kommuniziert werden!

Verbale Manipulation

Er ist sehr intelligent und redet sehr viel und weiß genau, was er wie formulieren muss, um unangenehme Fragen zu umgehen. Nach dem Telefonat wusste ich zwar, dass er nur Samen spenden will (obwohl er das nicht explizit gesagt hat), aber dass da eine Masche dahinter steckt und wer weiß wie viele Kinder von ihm schon existieren, oder auch nicht, war mir nicht bewusst. Das habe ich erst in der Gruppe von Jennifer erfahren und irgendwie fühle ich mich total belogen und betrogen.

Ich weiß, es gab Anzeichen und rote Flaggen, vielleicht bin auch nur zu leichtgläubig und naiv, aber wenn ich sage, ich suche einen Co-Vater und er führt die Kommunikation fort, dann denke ich, dass er dem zustimmt. Und das ist hier nicht der Fall und das ärgert mich SEHR!!! Ich denke solche Männer haben doch irgendwie einen Gott-Komplex und wollen einfach ihren Samen möglichst weit verbreiten und das möchte ich nicht für mein Kind nutzen. Obwohl ich ihn nach dem Telefonat direkt als Co-Vater ausgeschlossen hatte, hat es mich getroffen, dass ich so belogen wurde.

Massenspender im Internet

Isas Erfahrung zeigt deutlich, wie vorsichtig besonders Frauen sein sollten. Das Phänomen des Massenspenders ist auch für mich schwer greifbar. Die Motivation ist wahrscheinlich Narzissmus, vielleicht positiver ausgedrückt die Angst, zu vergehen ohne etwas hinterlassen zu haben? Da die meisten Frauen an eine Elternschaft komplett anders herangehen, fällt es schwer, zu sehen, dass es Männer gibt, die einfach nur ihren Samen möglichst weit streuen möchten.

Einen Einblick gibt der Samenspender, der mir seine Sicht geschildert hat. Auch er ist mit Vorsicht zu genießen, denn er besteht auf die natürliche Methode. Ein Massenspender ist per se kein Problem, solange er offen damit umgeht. Wenn eine Frau oder ein Paar eine private Spende möchte und die gesamten Rechte am Kind behalten will, ist es ein guter Weg, denn der Massenspender ist sicher nicht daran interessiert, das Sorgerecht einzuklagen. Die ethische Frage, ob die vielen anderen Kinder stören, muss jede Person für sich entscheiden.

Auch bei lesbischen Paaren, die eine Stiefkindadoption wünschen, wird der Massenspender wahrscheinlich keine Steine in den Weg legen. Sicher ist aber auch das nicht, also am besten immer Verträge aushandeln und unterschreiben lassen. Selbst wenn die nicht rechtskräftig sein sollten, können sie doch vor Gericht beweisen, dass klare Abmachungen getroffen wurden.

So wird betrogen

Eine andere Motivation der Massenspender ist Geld. Sie lassen sich das Sperma bezahlen und anscheinend gibt es Männer, die daraus sogar ein Geschäftsmodell gemacht haben. Richtige Maschen haben sich manche überlegt, einer tritt sogar mit Partnerin auf, die seine Seriosität bestätigen soll. Er spendet angeblich öfter am Tag. Und dann wird irgendwie betrogen, denn dieser Massenspender zeugt keine Kinder, es bleibt bei Versuchen. Vielen. Wenn pro Spende zum Teil viel Geld gezahlt werden und auch der 8. Versuch nicht funktioniert, wird es teuer für die Empfänger. Die Spenden dieses Mannes sind vielleicht manipuliert, Kinder entstehen keine. Er vertraut darauf, dass der unerfüllte Kinderwunsch Paare und alleinstehende Frauen so blind macht, dass er nicht auffliegt. Und schiebt den Frauen die Schuld zu, dass es nicht klappt mit einer Schwangerschaft.

Doch in den Samenspende Foren wird miteinander geredet und so flog zumindest Isas Massenspender als Betrüger auf. Die Kabeleins Sendung „Achtung, Abzocke“ zeigte dazu einen Beitrag. Er ist zwar eher reißerisch aufgemacht, aber anschauen lohnt sich, um eine Ahnung zu bekommen, wie getrickst wird.

Auch in der New York Times gibt es einen spannenden Artikel über einen Massenspender. Er ist in den einschlägigen Foren bekannt, es gibt sogar extra Gruppen für Frauen, die Kinder von ihm haben. Über den Holländer kannst du auch hier bei echtemamas.de nachlesen. Wird nicht offen kommuniziert, dass es viele Kinder gibt, kann es für die Mutter ein böses Erwachen geben. Ein Risiko bleibt bei der Privatspende also immer. Wenn die finanzielle Möglichkeit gegeben ist und du dir Rechtssicherheit wünschst, dann bleibt nur der Weg über die Samenbank. Wenn du eine Co-Elternschaft wünschst, dann hilft dir nur die Zeit, um dir sicher zu sein, dass der Mann es ehrlich meint. Lernt euch richtig kennen. Lieber länger als kürzer. Lügen lassen sich über einen langen Zeitraum schlechter aufrecht erhalten.

Wie du dich schützen kannst

Wo du einen Co-Vater findest, habe ich schon beschreiben, den richtigen auszuwählen, ist aber eine extrem individuelle Sache. Wichtig ist, klar zu kommunizieren. Schreibe nicht nur, dass du eine Co-Elternschaft möchtest, sondern sehr detailliert, wie du dir die Betreuung vorstellst, Finanzen, Wohnort, alles was dir vorher wichtig ist. Raum für Kompromisse ist immer, aber je offener du beschreibst, was du dir vorstellst, umso mehr Männer wirst du zwar abschrecken, aber die hätten ja eh nicht gepasst. Nutze meine Checkliste für Co-Eltern, um dir über einzelne Aspekte selber klar zu sein.

Diese Punkte können dir helfen, einen Betrug auszuschließen:

  • Seine Mail kommt direkt nach der Anmeldung auf einer Seite? Dann vorsichtig, manche Spender schreiben einfach alle neuen Profile an, egal, was drin steht.
  • Seine Mail klingt beeindruckend, fast zu schön, um wahr zu sein, ist perfekt formuliert, aber auch so, als mache er das zum ersten Mal? Dann zumindest gut nachfragen.
  • Er besteht auf die natürliche Methode? Aussortieren! Sex bietet weder bessere Chancen, schwanger zu werden (was viele erzählen), noch sollte er Bedingung für eine Co-Elternschaft sein.
  • Nur, weil er selbst auf die Bechermethode besteht, hat er nicht automatisch gute Absichten. Die meisten stellen sich als einzige Motivation der Spender schnellen Sex vor. Diese Männer gibt es natürlich, lassen sich aber schnell erkennen und aussortieren. Es kann aber auch eine ganz andere Masche geplant sein.
  • Bereite dich gut vor, also sei dir über die meisten Punkte schon vorher im Klaren. Nutze dazu meine Checkliste für Co-Eltern. Je ausführlicher dein Gesuch ausformuliert ist, desto weniger Bewerber wirst du haben, aber dafür vielleicht den Richtigen.
  • Bestehe von Anfang an darauf, alles schriftlich festzuhalten, am besten mit Notar oder Anwalt, aber auch ohne. Ausgedruckt und von beiden Seiten unterschrieben. Solche Verträge sind zwar nicht bindend, können aber vor Gericht beweisen, dass ihr euch abgesprochen habt und beide wussten, worauf sie sich einlassen. Auch bei Streit unter Co-Eltern kann ein Schriftstück helfen, zu erkennen, wo man herkommt und wie die Elternschaft eigentlich gedacht war.
  • Gib dir Zeit. Du hast dich für das Modell der Co-Elternschaft entschieden, dein Kinderwunsch ist soooo groß, am liebsten wärst du schon schwanger? Verstehe ich total, aber das lässt dich unvorsichtig werden. Hormone verschleiern dir den Blick, es kann schwer sein, darüber hinwegzusehen. Also lieber 12 als 6 Monate lang kennenlernen. Fahrt zusammen in den Urlaub, lerne seinen Freundeskreis kennen, besuche ihn auf der Arbeit. Alles, was dich sicher werden lässt, dass hier nicht gelogen wird.
  • Vernetze dich. Es gibt einige Gruppen auf Facebook. Wenn du den Suchbegriff Samenspende eingibst, findest du sie alle. Oft geht es dort aber recht wild zu und es herrscht ein rauer Ton. In meiner Gruppe „Co-Mamas im Austausch“, exklusiv nur für Frauen, findest du einen geschützten Raum für deine Fragen. In Katharina Horns Gruppe „Solomütter – Info, Support und Vernetzung“ genauso. Isa hat bei mir ihren Massenspender auch entlarvt.

Das Gleiche gilt übrigens für Männer. Auch Frauen haben unlautere Motive. Auch sie können betrügerische Absichten haben, nämlich, dich als Mann nach der Geburt komplett auszuschließen, obwohl du aktiver Vater sein wolltest. Oder doch Unterhalt einzuklagen, obwohl das anders abgesprochen war.

Melde dich bei mir

Hast du eine ähnliche Erfahrung mit einem Massenspender gemacht? Oder hast du dich aktiv für einen Massenspender entschieden? Schreib mir dazu in die Kommentare oder eine email, wenn du anonym berichten möchtest. Das Kontaktformular findest du in der Seitenleiste.

Ich freu mich, von dir zu hören

3 Kommentare zu „Erfahrung mit einem Massenspender

  1. Erst einmal vielen Dank für das Teilen all der Informationen. Ist immer hilfreich, zu hören, wie andere an das Thema herangehen. Ich glaube, ich weiß, von welchem Mann die Rede ist. In dem Gespräch, das wir hatten, war von Anfang an, alles klar. Ich empfehle: direkte Fragen stellen! Dann erhält man direkte Antworten. Das mit der Zahl der Kinder … verstehe, dass es neugierig macht. Andererseits: Frauen, die ihre Eizellen spenden, verraten es auch nicht. Kliniken ebensowenig. Insofern muss man, denke ich, mit gleichem Maß messen.

    1. Ich glaube, es werden viele Frauen überrascht, wie “hart” oder “krass” das Business mit der Samenspende in den Foren/Portalen ist. Besonders, wenn sie gedanklich auf eine Co-Elternschaft eingerichtet sind. Dass sich trotzdem die Massenspender melden, ist sicher für einige ein Schock.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.