Ein Samenspender ist kein Co-Vater

Samenspender ist kein Co-Vater

Wenn du gerade dabei bist, alleine ohne Partner*in ein Kind zu bekommen, dann wirst du erstmal erschlagen von den ganzen neuen Begriffen. Und den möglichen Familienformen. Co-Elternschaft, Solomama, mit privater Samenspende oder von der Samenbank, es gibt mittlerweile viele alternative Familienformen. Solltest du dich für die Co-Elternschaft entscheiden, dann gilt: ein Samenspender ist kein Co-Vater. Ein wirklich echter Vater, wie ihn sich jede*r so vorstellt, nenne ich lieber Papa, so wie ein Kind das auch tun würde.

Was genau ist ein Papa?

Grundsätzlich ist natürlich jeder Mann erstmal Samenspender, auch der Ehemann. Bei dem wird allerdings automatisch davon ausgegangen, dass er auch der leibliche Vater ist und Papa sein möchte. Vater ist auch eine rechtliche Bezeichnung, Papa ist eher eine Bezeichnung für das Verhältnis von Kind und Vater. Damit du genau weißt, was ich meine, hier meine Definition von Papa:

Ein Papa ist der männliche Elternteil, der sich zusammen mit der Mutter gerne und intensiv um das Kind kümmert, der ihm immer gefühlsmäßig, mental, körperlich und finanziell zur Seite steht. Er begleitet das Kind durch sein Leben, liebt und unterstützt es. Er ist eine der Hauptbindungspersonen des Kindes. Ein Papa muss nicht automatisch der biologische Vater sein.

Ein biologischer Vater, der sich wenig, widerwillig oder gar nicht kümmert, läuft bei mir unter Erzeuger.

Ein privater Samenspender ist ein Mann, der gegen finanzielle Entschädigung oder auch nicht seinen Samen spendet und sich im besten Falle vertraglich absichert, dass er im Leben des Kindes eine festgelegte Rolle oder keine spielen wird. Im Alltag ist ein Samenspender nicht beteiligt. Dem Kind kann er als Erzeuger oder Vater bekannt sein, der Papa ist er aber eher nicht.

Und was ist ein Co-Vater?

Ein Co-Vater unterscheidet sich ganz wesentlich von einem reinen Samenspender. Ein Co-Vater möchte sowohl der leibliche Vater als auch der Papa des Kindes sein. In der Geburtsurkunde stehen. Mit allen Konsequenzen. Emotional, finanziell, ein Leben lang. Er möchte eine Beziehung zu dem Kind aufbauen und aktiv an dessen Leben teilhaben. Einer der Unterschiede zur klassischen Familie besteht darin, dass er mit der Mutter in keiner romantischen Beziehung steht. Und dass er in den meisten Fällen nicht mit in einer Wohnung wohnt. Ob er nun 20% oder 50% des Monats das Kind betreut, macht keinen Unterschied.

Wenn du also einen Co-Vater suchst, dann solltest du genau das suchen, einen Papa für dein Kind. Einen Mann, den du so gut kennst und so gerne magst, dass du ihm euer gemeinsames Kind gerne für ein paar Tage überlässt. Stell es dir so vor: dein Kind wird dein größter Schatz sein, dein Ein und Alles, deine ganze Welt. Dein Herz läuft auf einmal außerhalb deines Körpers herum. Und wer darf deinen größten Schatz berühren? Mitnehmen? Das MUSS doch eine Person sein, der du bedingungslos vertraust.

Ein Samenspender ist kein Co-Vater

Worauf ich hinaus möchte: wenn du als Frau eine Co-Elternschaft eingehen möchtest, also das Kind wirklich gemeinsam mit einem Mann aufziehen möchtest, dann lerne diesen Mann vorher kennen. Und vice versa. Und zwar so richtig.

Ich höre immer mal wieder von Frauen, die sich eine Co-Elternschaft vorstellen und dann aber schon beim ersten Treffen einen Versuch zur Zeugung des Kindes zulassen. Meine Damen, das ist KEINE Co-Elternschaft. Das ist eine private Samenspende und ich rate euch sehr sehr dringend, euch hier vertraglich sehr intensiv abzusichern. Mit Verträgen von eurem Anwalt, nicht mit Papieren, was er vielleicht mitbringt.Wenn ihr das nicht tut, kann es passieren, dass ihr in Teufels Küche kommt. Denn wenn es schwammig geregelt ist, kann der Mann von euch Unterhalt einklagen oder Kontakt zum Kind, den ihr nicht wollt. Also Achtung! Dazu gibt es bald einen ganzen Artikel zusammen mit Andreas Wucherpfennig, Anwalt für Familienrecht und auf genau solche Fälle spezialisiert. Er wird euch von Erbrecht, erzwungenen DNA-Tests und Unterhaltsklagen berichten.

Auch eine Co-Elternschaft bedeutet eine Beziehung, nur eben keine romantische

Und mal ganz unter uns: wie soll das gehen? Wie kann ich einem Mann, den ich nicht kenne, so sehr vertrauen? Wenn es wirklich darum geht, das Kind gemeinsam als Eltern großzuziehen, egal wieviel Prozent Betreuung der Vater übernimmt, dann will ich diesen Mann oder die Männer, falls ihr euch mit einem Paar zusammentut, doch gut kennen. Nicht nur von mehreren Telefongesprächen und/oder E-Mails. Er oder sie werden Teil deines Lebens. Unser Papa und ich telefonieren mehrmals pro Tag und schreiben hunderte Nachrichten, jede Woche. Solltest du nach ein paar Monaten merken, dass du den/die andere*n echt nicht magst, werden das nervige Jahre.

Deshalb rate ich ganz dringend: überlege dir als Frau sehr genau vorher, welchen Status der Samenspender haben soll. Soll es eine private Samenspende sein? Mit Kontakt oder ohne? Eine Co-Elternschaft? Eine Co-Elternschaft light? Und wenn du dann einen eventuell passenden Co-Vater gefunden hast, dann lernt ihr euch kennen, geht in Verhandlungen, arbeitet meine Checkliste ab. Sprecht über alles mögliche, Geld zum Beispiel. Sehr viel über Geld bitte. Da ist Ehrlichkeit unabdingbar, denn: vor dem Gesetz werdet ihr wie ein unverheiratetes Paar behandelt. Hat der betreuende Elternteil weniger Einkommen, kann er/sie Unterhalt einklagen. Sogar Betreuungsunterhalt. Und wird ihn wahrscheinlich bekommen. Werden Schulden vererbt, zahlt das Kind diese vielleicht sein Leben lang ab, wenn nicht bekannt war, dass das Erbe ausgeschlagen werden muss. Dem leiblichen Vater steht Kontakt zu, auch wenn dir schon bei dem Gedanken daran schlecht wird.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet, das gilt auch in einer Co-Elternschaft. Denn mit dieser anderen Person wirst du die nächsten 20 Jahre Kontakt haben, ihr teilt euch schließlich ein Kind, ihr seid Eltern. Und der Kontakt sollte doch lieber freundschaftlich entspannt sein, als ein regelmäßiges Treffen vor Gericht. Also lieber vorbereitet, aufgeklärt und informiert an die Sache herangehen, als sich vorschnell und naiv vom brennenden Kinderwunsch leiten zu lassen. Dass die Hormone dich verleiten, vorschnell zu handeln, das kann ich gut verstehen. Die haben mich damals auch sehr geplagt und getrieben. Aber: better safe than sorry.

Deshalb ist ein Mann, den ihr kaum kennt, aber als Erzeuger wählt, erstmal ein Samenspender, aber kein Co-Vater. Natürlich kann er es werden, aber das Risiko, einen fremden Menschen in dein Leben und an dein Kind zu lassen, wäre mir zu hoch.

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