5 Gründe, die gegen eine Co-Elternschaft sprechen

Gründe gegen eine Co-Elternschaft, planningmathilda

Die Vorteile einer Co-Elternschaft habe ich dir schon aufgeschrieben. Jetzt andersrum. So schön eine Co-Elternschaft als Plan B ist, es gibt auch einige Gründe, die gegen eine Co-Elternschaft sprechen. Das hier ist die Women Edition. Über die männliche Seite kann ich wenig sagen, die reden eher selten mit mir. Alles, was ich euch aufschreibe, weiß ich aus eigener Erfahrung oder aus meinen Vernetzungstreffen und Beratungen. Es gibt also heute wirklich nur die rein weibliche Sicht. Als Mann darfst du dich aber gerne auch angesprochen und mit gemeint fühlen.

Die meisten Frauen brauchen viel Zeit, oft Jahre, um sich von ihrem Idealbild ihrer Familie zu lösen. Es ist ein Prozess. Der Verlust des eigentlichen Traumes, Ehemann+Haus+Kind, muss betrauert werden. Wenn diese Zeit nicht bleibt, weil die Erkenntnis zum Beispiel erst mit Anfang 40 kommt, kann es schwierig werden. Meiner Erfahrung nach ist es für diese Frauen wie ein Schock, zu erkennen, dass sich ihr Zeitfenster schließt und sie schnell handeln müssen. Und dann kann es passieren, dass vorschnelle Entscheidungen getroffen werden.

Was sind also die Gründe, die gegen eine Co-Elternschaft sprechen?

  1. Du hast das Gefühl, nicht mehr genug Zeit zu haben und willst jetzt sofort starten
  2. Du hast Kinderwunsch und Wunsch nach einem Partner noch nicht entkoppelt
  3. Du hast die gleichen Erwartungen an eine Co-Elternschaft wie an eine romantische Beziehung
  4. Du möchtest es eigentlich alleine machen, aber es gibt Gründe wie Finanzen oder ähnliches, die dir das nicht möglich machen
  5. Du machst zu viele Kompromisse

Gehen wir die einzelnen Gründe gemeinsam durch.

1. Lass dir so viel Zeit wie möglich

Ich verstehe die Panik, die sich auf einmal einstellte, wenn plötzlich die Erkenntnis kommt, das der „normale“ Weg nicht funktioniert. Während sich bei mir über Jahre angedeutet hat, dass es nicht klappen wird mit einer Beziehung und Familie, erkennen viele Frauen erst mit Ende 30 plötzlich, dass sie einen Plan B brauchen. Vielleicht, weil sich der Partner endlich klar äußert und sie nicht mehr hinhält oder weil sie selber merken, dass er genau das gemacht hat. Oder weil das 47.000 Online Date auch nicht der Traummann war. Genau in diesem Moment kommt die Panik.

Die kann dir helfen, jetzt ins Handeln zu kommen und einen anderen Weg zum Wunschkind zu suchen, aber bitte nicht in den nächsten zwei Wochen. Erstmal solltest du in Ruhe den Trauerprozess durchlaufen, dir alternative Familienmodelle anschauen und dich mit Bedenkzeit entscheiden. Du kannst auch sowohl eine Co-Elternschaft und den Weg der Solomama in Betracht ziehen und parallel laufen lassen. Die Vorbereitung auf ein Kind als Solomama und die finanzielle Vorbereitung auf ein Kind helfen auch einer künftigen Co-Mama, denn in einer Co-Elternschaft teilt ihr euch zwar das finanzielle, aber für deinen Lebensunterhalt und den des Kindes musst du trotzdem selber aufkommen.

2. Der Wunsch nach einem Partner darf da sein, aber der nach einem Kind sollte in Vordergrund stehen

Die Entkopplung von Partnerwunsch und Kinderwunsch ist meiner Erfahrung nach der schwierigste Teil. Das dauert. Jahre zum Teil. Also nimm das bitte ernst. Wenn du dir insgeheim weiterhin jemanden wünscht, der dich unendlich liebt, dein Leben mit dir teilt und für immer bei dir bleibt, dann kommt dein Kind mit einem großen Auftrag auf die Welt. Das ist ziemlich ungerecht dem Kind gegenüber. Ein Kind sollte niemals einen Partner ersetzen.

Du bist mit deinem Leben soweit zufrieden? Job, Familie, Freunde, alles stimmt irgendwie? Wenn du jetzt noch das Gefühl hast, dass du in deinem Leben Platz hast, zeitlich und finanziell, dass du Lust hast, einen kleinen Menschen auf seinem Weg durchs Leben zu begleiten, ohne Auftrag, dann bist du bereit. Aber nochmal, ein Kind kann keinen Partner ersetzen.

3. Ein Co-Vater ist kein Partner

Natürlich sollst du einen Co-Vater nach Sympathie aussuchen, aber nicht nach romantischem Potential. Und nicht nach deinem normalen Beuteschema. Ein Beispiel: du suchst dir als deinen Partner normalerweise arrogante Alphamännchen, die dich von oben herab behandeln, meinen, sie seien Gottes Geschenk an die Frauen, sich nie melden und dich generell eigentlich unglücklich machen? Dann solltest du dringend so einen Menschen deinem Kind nicht als Vater zumuten. Du musst also üben, wie du einen Mann nach Vaterqualitäten aussuchen kannst. Unser Papa und ich sind komplett gegensätzlich, aber so, dass es genau komplementär ist. Als Paar sicher grauenhaft, als Eltern super.

Aus Erfahrung noch ein Tipp: bitte auf gar keinen Fall eine Co-Elternschaft vorschützen und eigentlich doch auf eine Beziehung aus sein. Das ist einer der wichtigsten Gründe, die gegen eine Co-Elternschaft sprechen.

Das machen ziemlich viele Männer, die gehört haben (in ekligen Samenspender-Foren), dass Frauen mit akutem Kinderwunsch einfach jeden nehmen. Also da bitte aufpassen. Wenn dir der Co-Vater nach 3 Treffen sagt, er habe Gefühle für dich, nichts wie weg. Es sei denn, er ist dein Traummann, dann go for it. Aber eine Co-Elternschaft ist das dann nicht mehr. Sondern eine Beziehung mit eventuell hässlicher Trennung. Gegebenenfalls ist das nämlich auch ein Weg, sich als Mann aus der Verantwortung zu ziehen: Beziehung ja, das Kind aber in Co-Elternschaft, also alle Verantwortung bei dir und er nur in Onkelfunktion. Alles schon gehört.

Aber auch Frauen machen sowas. Da wird direkt beim ersten Treffen nach der natürlichen Methode und der Aussicht auf Beziehung gefragt. Das ist dann aber keine Co-Elternschaft, sondern immer noch die Suche nach einem Partner. Und schon bist du wieder bei Punkt 1 und 2. Eine Beziehung kann entstehen, das gibt es, aber eher selten und es sollte niemals das Ziel einer Co-Elternschaft sein.

4. In einer Co-Elternschaft bist du finanziell für dich und dein Leben verantwortlich

Ihr teilt euch zwar in den meisten Fällen die Kosten für das Kind oder er zahlt dir Unterhalt wie bei uns, aber für dein Leben und deinen Teil des Kindes bist du selber verantwortlich. Du musst ggf. in Teilzeit gehen, um die Kinderbetreuung zu stemmen? Dann darf er das gerne finanziell ausgleichen, wenn er nicht 50% der Betreuung übernehmen möchte. Ihr habt nur eine Onkelfunktion ausgemacht? Dann bist du finanziell alleine auf dich gestellt. Egal, welches Modell ihr ausgemacht habt, du solltest dir vorher genug Gedanken gemacht haben, welche Kosten auf dich zukommen, wieviel Elterngeld du bekommst, wieviel Kinderbetreuung in deiner Region kostet. Mit genug finanzieller Vorbereitung landest du auch nicht in der Teilzeitfalle.

5. Keine Kompromisse

Ich sage hier nicht, dass Kompromisse schlecht sind. Kompromisse sind super und auch in einer Co-Elternschaft notwendig. Aber eben nicht auf Teufel komm raus. Du hast einen Mann gefunden, mit dem du dir ein Kind vorstellen kannst, aber nach drei Monaten stellst du fest, dass er doch ganz andere Vorstellungen hat? Dann nicht an ihm festhalten, sondern weiter suchen. Mach dir auf deiner Checkliste Punkte, die für dich nicht verhandelbar sind. Und dann werden die auch nicht verhandelt. Liebe kann Kompromisse einfacher machen, aber wenn du mit einem Co-Vater einen Weg einschlägst, den du eigentlich nicht möchtest, dann wird der Frust schnell riesig werden.

Problemen vorbeugen

Auch als Co-Eltern solltet ihr euch gut kennenlernen, das beugt Missverständnissen vor und leider ist es auch notwendig, wenn du dir sicher sein möchtest, dass alle Parteien ehrlich sind. Bitte lieber 12 als 6 Monate lang kennenlernen. Die Zeit braucht es, um Vertrauen aufzubauen, euch, die Familien, die Freunde, die Werte gut kennenzulernen. Auch um herauszufinden, ob der andere mit offenen Karten spielt, ist wirklich wichtig. Ihr möchtet ein Kind zusammen zeugen, das verbindet euch auch zB. finanziell. Hat ein Elternteil richtig viele Schulden und verstirbt, ohne, dass die/der andere das wusste, erbt das gemeinsame Kind. Oder ein Elternteil möchte Unterhalt erschleichen. Versuchen übrigens Männer wie Frauen. Also bitte richtig kennenlernen, besonders, wenn ihr euch auf einer der Internetseiten kennengelernt habt.

Hast du noch Fragen? Oder selber schon gemerkt, dass du eines der Probleme hast? Dann schreibe mir gerne in die Kommentare.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.